Gewaltausbrüche, Plünderungen, Überfälle oder Kämpfe zwischen bewaffneten Banden nehmen zu – dort, wo Anfang 2025 die US-Regierung schlagartig ihre Entwicklungshilfe in Afrika zurückgefahren hat. Das zeigt eine Studie von Dominic Rohner, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Lausanne.
«Wir sehen, dass solche Schritte Risiken mit sich bringen», sagt Rohner. Risiken, die weit über geschlossene ärztliche Ambulanzen, Schulen oder nicht fertig gebaute Strassen hinausgehen. «Menschen, deren Perspektiven schlecht sind, greifen eher zu Gewalt», sagt Rohner. «Wer ein gutes Leben und viel zu verlieren hat, eher nicht.»
Wo Hilfe schlagartig fehlt, steigt die Gewalt
Untersucht hat er zusammen mit Kollegen Meldungen über Gewalt aus zahlreichen Orten auf dem afrikanischen Kontinent. Dabei kam es ihm auf den Vergleich zwischen Orten an, die bisher keine Hilfe erhalten hatten, und solchen, die die Hilfe nun plötzlich verloren. Dort, wo die Hilfe schlagartig fehlte, stieg die Gewalt, und zwar auch solche, die scheinbar nichts mit den gestrichenen USAID-Hilfsprojekten zu tun hatte.
Das Fatale am Entscheid der USA ist wohl, dass die Hilfe abrupt und ohne Vorwarnung entzogen wurde. Gemachte Versprechen, wurden gebrochen, es gab kein langsames Ausschleichen. Die betroffenen Länder hatten kaum Möglichkeiten auszugleichen, was fehlte. «Wir können das bisher nur vermuten, unsere Daten zeigen das nicht direkt. Aber diese Disruption ist wohl das, was zu Gewalt führt, nicht der Entzug von Hilfe an sich», sagt Rohner.
Allerdings hält der Effekt an. Die Daten der Studie reichen bis Ende Oktober 2025, und es gab in der Zeit noch keine Anzeichen, dass die Gewaltbereitschaft wieder sinken würde.
Auch andere Länder streichen Hilfen
«Wir wollen das natürlich weiter untersuchen, um zu sehen, wie sich das weiter entwickelt», sagt Rohner. Er zitiert eine Studie, die untersucht, wie sehr zum Beispiel Bürgerkriege die Wirtschaft eines Landes schwächen können: «Die Wirtschaft ist nach einem Bürgerkrieg um knapp ein Fünftel geschrumpft.» Daher seien Entwicklungen, wie die von ihm gezeigte, ernst zu nehmen.
Weniger abrupt, aber im gleichen Zeitraum haben auch andere Länder – die Schweiz, Grossbritannien, Deutschland – ihre Entwicklungshilfe reduziert. Das schränkt die Möglichkeiten der afrikanischen Länder ein, den Verlust der US-Hilfe auszugleichen.
Eine pessimistische Sicht will Rohner aber nicht einnehmen. «Wir wissen ziemlich genau, was positiv wirkt: Schulbildung, gute Gesundheitsversorgung und ein fairer Freihandel, helfen dabei, Gewalt zu vermeiden.» Die Rezepte seien klar.