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Nach Zerschlagung von USAID Was hinter Trumps neuen Gesundheitsverträgen in Afrika steckt

Nach der Zerschlagung von USAID schliesst die Trump-Regierung neue «Gesundheitsverträge» mit Entwicklungsländern ab. Von über 30 Ländern, die unterzeichnet haben, liegen zwei Drittel in Afrika.

Die Bedingungen gehen weit: Geld fliesst nur gegen Zugang zu Gesundheitsdaten, biologischen Proben – teils sogar zu Rohstoffen. Sambia, Simbabwe und Ghana haben die Verhandlungen auf Eis gelegt, in Kenia hat ein Gericht das Abkommen vorübergehend gestoppt. SRF-Afrika-Korrespondent Fabian Urech ordnet ein.

Fabian Urech

Afrika-Korrespondent

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Fabian Urech ist seit dem Frühjahr 2024 Afrika-Korrespondent von Radio SRF. Er lebt in Ghanas Hauptstadt Accra. Zuvor war er während sieben Jahren Afrika-Verantwortlicher der «NZZ».  

Was steckt hinter diesen neuen US-Gesundheitsverträgen?

Es ist die «America First Global Health Strategy» – ein Neustart des amerikanischen Engagements im globalen Gesundheitssektor. Der neue Ansatz unterscheidet sich stark vom bisherigen, nicht zuletzt sind die Beiträge deutlich geringer. Im Schnitt ist von einem Rückgang um knapp die Hälfte die Rede.

Ein Mann neben einem Ambulanzfahrzeug.
Legende: Ein Spital in Accra nimmt Mitte April neue Krankenwagen in Betrieb: Ghana verzichtet vorläufig auf Hilfsgelder aus Washington für den Gesundheitssektor. Keystone / Frank Kporfor

Welche Länder wehren sich – und warum?

Sambia und Simbabwe haben die Verhandlungen abgebrochen, in Kenia erklärte ein Gericht das bereits unterzeichnete Abkommen für ungültig. Letzte Woche stoppte auch Ghana die Gespräche. Im Zentrum der Kritik steht der Datenschutz. Die Abkommen geben amerikanischen Behörden weitreichenden Zugang zu Gesundheitsdaten und biologischen Proben. Ein Regierungsvertreter in Ghana sagte nach dem Abbruch: «Das Abkommen hätte bedeutet, dass wir die ganze Architektur der eigenen Gesundheitsdaten ausgelagert hätten.»

In Sambia geht es zusätzlich um Rohstoffe. Wie das?

Die USA haben den Gesundheits-Deal mit Sambia gemäss geleakten Informationen an einen besseren Zugang zu den grossen Kupfer- und Kobaltvorkommen geknüpft. Die Botschaft an Lusaka war unverhohlen: Hilfsgelder für HIV-Kranke oder Spitäler gibt es nur gegen bevorzugten Zugang zu den Rohstoffen. Sambia hat abgelehnt – und verzichtet damit auf bis zu zwei Milliarden Dollar über fünf Jahre. Für ein schuldengeplagtes Land eine bemerkenswerte Entscheidung.

Wofür wollen die USA all diese Gesundheitsdaten und biologischen Proben überhaupt?

Offiziell geht es um die Früherkennung von Infektionswellen und Pandemien zum Schutz der US‑Bevölkerung. Daneben kursieren weitere, scharf kritisierte Vermutungen. So heisst es, biologische Proben könnten für die US-Impfstoffentwicklung genutzt werden. Und Gesundheitsdaten könnten beim Training amerikanischer KI-Modelle landen. Alles ohne Zustimmung der Betroffenen.

Wem nützen diese Abkommen – den afrikanischen Ländern oder den USA?

Amerikanische Interessen stehen klar im Zentrum. Mit eigentlicher Entwicklungs­zusammenarbeit hat das nur wenig gemein: Es ist keine wirkliche Zusammenarbeit, sondern ein Diktat aus Washington. Und um die Entwicklung der afrikanischen Länder geht es höchstens am Rande.

Ist das ein rein amerikanisches Phänomen?

Nein, auch in vielen europäischen Ländern hat sich die Entwicklungs­zusammenarbeit in den letzten Jahren stark verändert. Erstens wird massiv gespart: Allein die Hilfe der G7-Länder ist im letzten Jahr gegenüber 2024 um über ein Viertel geschrumpft. Zweitens orientiert sich die Hilfe wieder viel stärker an nationalen Interessen der Geberstaaten – an Migration, geopolitischer Konkurrenz mit China, am Zugang zu Öl, Kupfer, Kobalt. Trumps Gesundheitsabkommen sind ein Extrembeispiel, doch die Tendenz gibt es auch anderswo. Es markiert einen Bruch mit der bisherigen Entwicklungshilfe – und kurzfristig ist klar, wer den Preis bezahlt: die Menschen vor Ort, die auf rasche Hilfe ohne Gegenleistung angewiesen wären.

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Rendezvous, 06.05.2026, 12:30 Uhr ; 

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