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Was ein Trauma im Gehirn auslöst
Aus Puls vom 21.03.2022.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 32 Sekunden.
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Gestörtes Zusammenspiel Wie sich ein Trauma in unser Gehirn eingräbt

Schlimme Erlebnisse bringen wichtige Hirnfunktionen aus der Balance. Mit dauerhaften Folgen für unser Erinnern.

Die Entstehung eines Traumas hängt damit zusammen, wie unser Hirn Informationen verarbeitet und speichert. Dabei spielen unter anderem zwei Hirnregionen eine entscheidende Rolle: die Amygdala und der Hippocampus.

Erklärgrafik
Legende: In der Amygdala werden Erlebnisse und Emotionen gespeichert. SRF

Normalerweise werden in der Amygdala Erlebnisse, also Bilder und körperliche Reaktionen mit den dazugehörigen Emotionen verknüpft und gespeichert.

Die Amygdala speichert gewissermassen Gefühle, ohne diese zu bewerten. Diese Bewertung findet anschliessend im Hippocampus statt, wo das Erlebnis zeitlich und geografisch geordnet und die dazugehörenden Emotionen bewertet werden.

Erklärgrafik
Legende: Im Hippocampus wird das Erlebte geordnet und bewertet. SRF

Bei einem traumatischen Ereignis wird unser Gehirn jedoch mit Stresshormonen überflutet. Dadurch wird die Zusammenarbeit zwischen Amygdala und Hypocampus gestört.

Die Amygdala speichert zwar die starken Emotionen, der Hypocampus kann das Erlebnis aber nicht mehr chronologisch nach Ort, Zeit und Kontext des Geschehens ordnen. Die unterschiedlichen Eindrücke werden in Fragmenten und nicht als zusammengehöriges Ereignis abgespeichert.

So reicht zu einem späteren Zeitpunkt ein äusserer Reiz – zum Beispiel ein Geräusch oder ein Geruch – der an das schlimme Erlebnis erinnert, um die Amygdala zu aktivieren.

Da das Gehirn die Erinnerung zeitlich und örtlich nicht zuordnen kann, hat die betroffene Person dann das Gefühl, als würde das traumatische Ereignis jetzt gerade wieder passieren.

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«Ein Vergessen ist durch die Traumatherapie nicht möglich»
Aus Puls vom 21.03.2022.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 46 Sekunden.

Puls, 21.03.2022, 21:05 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    Ich vermute, dass ich, wie auch schon, der/die einzige bin, der sich für diese Thematik interessiert, oder der/die sich zumindest zu Wort meldet. Vielleicht ist dies ja ein gutes Zeichen für den psychischen Gesundheitszustand des Schweizers.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Nein Herr Gasser, Sie sind nicht der einzige. Dieses Thema ist sehr persönlich und ich denke, das ist der Grund des Schweigens. Das beschriebene Phänomen Trauma kann auch durch einen schweren Unfall ausgelöst werden. Ich vermute der Auslöser nach dem Ereignis ist massgebend, ob jemand mit dem Trauma ohne Therapie leben kann. Wird man fast täglich in den Traumata Zustand versetzt, braucht man Hilfe. Haben Sie für einschlägige Lektüre schon das Netz durchforstet? Da wird es sicher einiges geben.
    2. Antwort von Markus Gasser  (Markus Gasser)
      Danke Herr F. Meyer. Ich vermute, dass ich mein ganzes Leben der Wirkung eines, in der Kindheit erworbenen, Traumas ausgesetzt bin. Möglicherweise lebe ich einigermassen zufrieden, weil ich einen besseren Zustand gar nicht kenne. Ich lebe wie ein Goldfisch, der im trüben Wasser aufgewachsen ist und sich deshalb gar nicht vorstellen kann, dass es besser sein könnte. Das suboptimale Milieu ist für ihn normal.
  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    Wie geht man traumatische Erlebnisse, die sich im Hirn festgesetzt haben, therapeutisch an ? Bitte um Lektüre hierzu.
    1. Antwort von Matthias Scheller Lichtenauer  (masl)
      Falls Sie englisch verstehen: https://scholar.google.com/scholar?hl=de&as_sdt=0,5&q=naser+morina führt zu den freundlicherweise teilweise als PDF ladbaren Publikationen des im Beitrag genannten Herrn Morina. Den abstracts zu Folge arbeitet er daran, wie man dieses Störungsbild überhaupt zuverlässig diagnostizieren kann und welche Behandlungen wie erfolgsversprechend sind.
    2. Antwort von Lina Walti  (liwa)
      Das beste Buch über psychische Beschwerden nach Gewalterfahrungen bei Erwachsenen hat meiner Meinung nach David J. Morris geschrieben. Er diente bei der US-Army und war als Kriegsreporter im Irak bei Kampfhandlungen dabei und entwickelte wieder zu Hause psychische Beschwerden. Der Titel ist: The Evil Hours. A Biography of Post-Traumatic Stress Disorder. Es ist ein sehr kluges, gut geschriebenes Buch.