Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Umweltschutz im Ozean Neues Hochseeabkommen soll die Meere schützen

Das neue Abkommen schafft erstmals einen rechtlichen Rahmen für den Meeresschutz. Fachleute begrüssen das Abkommen und sprechen von einem «historischen Tag».

Warum dieses Abkommen? Mit dem Hochseeabkommen der UNO haben sich zahlreiche Staaten auf einen besseren Meeresschutz geeinigt. Die Hochsee umfasst zwei Drittel der Meeresoberfläche und diese ist in vielen Belangen ein praktisch rechtsfreier Raum. Nun wird sie erstmals rechtlich verbindlich geschützt und die Nutzung geregelt. Ziel ist vor allem, die Biodiversität zu erhalten. 145 Staaten haben das Abkommen unterzeichnet, darunter auch die Schweiz. Am Samstag, 17. Januar 2026 tritt das Hochseeabkommen in Kraft.

Wird das Meer wirklich besser geschützt? Durch das Abkommen können erstmals rechtlich verbindlich neue Schutzgebiete ausgewiesen werden. Heute sind erst rund ein Prozent der Hochsee geschützt, das Ziel wären rund 30 Prozent, gemäss dem internationalen Biodiversitätsabkommen bis im Jahr 2030. Die Stärke des Hochseeabkommens liege unter anderem darin, dass nicht alle Vertragsstaaten zustimmen müssten, um neue Schutzgebiete festzulegen. Das soll verhindern, dass einzelne Länder den Prozess blockieren. Es wird erwartet, dass nun bald neue Schutzgebiete ausgewiesen werden. Sie werden vermutlich einher gehen mit vermindertem oder keinem Fischfang und je nach dem auch geänderten Schifffahrtsrouten.

Wem gehört das Meer?

Box aufklappen Box zuklappen

Über mehrere hundert Jahre galt eine Art Gewohnheitsrecht. Ein Staat mit Meeresanstoss hatte ein Hoheitsrecht über drei Seemeilen (circa 5.5 km). Diese gelten als territoriale Gewässer, wo die Gesetze des entsprechenden Landes gelten und Polizei und Militär operieren dürfen. Einige Staaten beanspruchten dann aber mit zunehmender Ausbeutung von Rohstoffen eine grössere Zone vor ihrer Küste, es ging unter anderem um Öl, Gas aber auch um Fischbestände.

Dies löste viele Diskussionen und Treffen aus, ein Prozess, der zuletzt im Rahmen der UNO geführt wurde und schliesslich 1994 zum «Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen» führte. Es regelte die Distanzen neu, wo nationales Recht gilt und bis wohin ein Anrainerstaat ein Anrecht auf Rohstoffe hat. Die Gebietshoheit erstreckt sich über 12 Seemeilen (circa 22 km) ab der Küstenlinie, die sogenannte «ausschliessliche Wirtschaftszone» bis 200 Seemeilen (circa 370 km).

Abhängig von der Meerestiefe und anderen Faktoren kann das Recht auf Bodenschätze aber auch bis zu 350 Seemeilen ab der Küste betragen. Alles andere, rund zwei Drittel der Weltmeere, gilt als «Hohe See» und gehört der Allgemeinheit. Dort entscheidet eine UN Behörde zum Beispiel über den Abbau von Rohstoffen, wie etwa Metalle aus dem Tiefseebergbau. Zusammen mit dem jetzt neu in Kraft tretenden Hochseeabkommen gibt es mehr Möglichkeiten zum Meeresschutz beim Tiefseebergbau. Ob und wie sich alle Staaten daran halten werden ist zur Zeit offen, gerade was den Tiefseebergbau angeht.

Was sagen Fachleute dazu? Vorherrschend ist die Freude von Wissenschaft und Umweltorganisationen darüber, dass das Abkommen überhaupt zustande gekommen ist und jetzt in Kraft tritt. Gleichzeitig wurden dem Abkommen aber auch ein paar Zähne gezogen, um möglichst viele Staaten mit an Bord zu haben. So gibt es etwa einen «Opt-Out»-Mechanismus, bei dem ein Staat sagen kann «hier mache ich nicht mit», allerdings nur mit sehr guter Begründung. Zu vernehmen ist in Fachkreisen neben dem Optimismus aber auch eine abwartende Skepsis. Es müsse gut beobachtet werden, ob die Schutzgebiete korrekt umgesetzt würden und ob die nachfolgende nötige Überwachung, Kontrolle und Verwaltung funktioniert.

Warum ist das wichtig für die Schweiz? Die Meere haben eine zentrale Funktion als Klimapuffer: Sie nehmen rund einen Viertel der weltweiten CO₂-Emissionen auf und entziehen sie so der Atmosphäre. Das Meer ist für uns in der Schweiz aber vor allem auch wichtig als Transportweg für die zahlreichen Güter, welche wir aus aller Welt importieren. Und nicht zuletzt ist es fürs Binnenland Schweiz auch eine Nahrungsquelle, wir importieren jährlich über 40’000 Tonnen Meeresfische und -früchte.

Wer ist alles dabei? 145 Staaten haben das Abkommen unterzeichnet, rechtlich bindend ist es für einen Staat jedoch erst nach der sogenannten «Ratifizierung» durch das Parlament eines Landes. Zahlreiche europäische Staaten, auch die Schweiz, haben den Vertrag noch nicht ratifiziert, ebenso Australien, Indien und auch die USA. Als ein Erfolg gilt, dass China den Vertrag im Dezember 2025 bereits ratifiziert hat und mit dabei ist.

Unterzeichnende des Seerechts- und Hochseeabkommens

Box aufklappen Box zuklappen

Dem Seerechtsübereinkommen, das als Dachvertrag über dem «Hochseeabkommen» steht, sind bis heute 171 Staaten beigetreten. Prominente abwesende mit Meeresanstoss sind die USA, die Türkei und Peru.

Das Hochseeabkommen haben bis jetzt 145 UNO Mitgliedsstaaten unterzeichnet, inklusive USA. Rund die Hälfte der unterzeichnenden Staaten, darunter die Schweiz, haben das Abkommen aber noch nicht in den Parlamenten ratifiziert, so dass es in diesen Ländern noch nicht in Kraft ist.

Radio SRF 1, Echo der Zeit, 16.1.2026, 18:00 Uhr

Meistgelesene Artikel