Hunde sind heute die beliebtesten Haustiere. Doch wann ihre gemeinsame Geschichte begann, war lange unklar. Neue genetische Studien verschieben den Ursprung dieser Erfolgsgeschichte deutlich weiter in die Vergangenheit. Sie zeigen, dass domestizierte Hunde schon seit mindestens 14’000 Jahren in Europa leben und schon damals erstaunlich weit verbreitet waren.
Ein zentraler Fund aus den Studien stammt aus dem Kesslerloch im Kanton Schaffhausen. Dort entdeckten Forschende bereits im 19. Jahrhundert einen Oberkieferknochen. «Dieses Fossil gehört zwar zu den bekanntesten Fundstücken», sagt der Paläogenetiker Anders Bergström, der am Francis Crick Institut in London forscht. «Doch wir konnten erst jetzt mithilfe moderner DNA-Analysen zeigen, dass der Knochen tatsächlich einem Hund gehörte.»
Der Besitzer von «Maxilla» wie Forschende das Fossil aus dem Kesslerloch getauft haben, lebte vor rund 14’000 Jahren und ist damit der älteste genetisch bestätigte Hund Europas. Seine Vorfahren stammen vermutlich aus Asien und gelangten gemeinsam mit Menschen nach Europa.
Domestikation viel früher als gedacht
Die neuen Daten zeigen aber auch: Die Geschichte der Hunde begann noch deutlich früher. Bereits vor rund 16’000 Jahren gab es Tiere, die genetisch modernen Hunden ähnelten.
Damit stehe fest, dass die Vierbeiner schon damals zu menschlichen Gesellschaften gehörten, so die Forschenden. 6000 Jahre bevor unsere Vorfahren Nutztiere wie Schweine, Rinder, Ziegen oder Schafe züchteten.
Damit sind Hunde die ersten Haustiere überhaupt und haben vermutlich schon während der letzten Eiszeit mit uns gelebt.
Weit verbreitet – und vernetzt
Für die Studie analysierte das internationale Forscherteam neben «Maxilla» mehr als 200 weitere Fossilien von Hunden und Wölfen.
Die Hunde stehen mit Menschengruppen in Verbindung, von denen wir bisher nicht wussten, dass sie überhaupt Kontakt hatten.
Besonders überrascht hat die Forschenden, wie eng die Tiere miteinander verwandt sind – trotz grosser Entfernungen. «Die Hunde stehen mit Menschengruppen in Verbindung, von denen wir bisher nicht wussten, dass sie überhaupt Kontakt hatten», sagt der Paläobiologe William Marsh, der am Francis Crick Institute in London arbeitet. «Nun sehen wir, dass sie sich getroffen haben und ihre Hunde offenbar gehandelt oder getauscht haben.» Damit zeigen die Ergebnisse, dass auch menschliche Gruppen stärker vernetzt waren als bislang angenommen.
Möglich ist zudem, dass Menschen schon damals enge Beziehungen zu ihren Hunden aufgebaut haben. So entdeckten die Forschenden in einem prähistorischen Grab in der Türkei auch die Überreste eines Hundewelpen, der gemeinsam mit einem Menschen beerdigt wurde.
«Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Beziehung zwischen Hunden und Menschen über eine reine Zweckgemeinschaft hinausging», sagt Laurent Frantz von der LMU München, der diese Untersuchung geleitet hat.