Sie hat nichts mit Gras und nichts mit Mücken zu tun. «Ihr Name ist vom althochdeutschen ‹gra smukka› abgeleitet», sagt Livio Rey von der Vogelwarte Sempach, «und das bedeutet in etwa ‹grauer Schlüpfer›, weil sie ständig durch das Gebüsch schlüpft».
Die Mönchsgrasmücke ist etwa so gross wie eine Kohlmeise, gräulich-braun gefärbt und sie trägt eine charakteristische Kappe, die an die Kapuze eines Mönches erinnert. Die Mönchsgrasmücke versteckt sich oft im Gebüsch und bleibt so unsichtbar – umso häufiger können wir sie hören. Sie lebt in unseren Wäldern, Parks und Gärten.
Herbstzug nach Grossbritannien, statt nach Spanien
Dieser Vogel ist neu der häufigste Brutvogel in der Schweiz, wie das Monitoring der Vogelwarte Sempach zeigt. «Als typische Waldart profitiert die Mönchsgrasmücke von der Ausbreitung des Waldes in den Alpen und vermutlich auch vom Klimawandel», sagt Rey. Denn die Mönchsgrasmücken haben gelernt, dass sie im Herbst nicht mehr weit nach Südfrankreich oder Spanien ziehen müssen, sondern nur noch so weit wie nötig. «Einige bleiben unterdessen sogar hier, wenn es im Winter genügend warm bleibt», sagt Rey.
Und ein Teil der Mönchsgrasmücken hat begonnen, im Winter nach Grossbritannien zu ziehen, weil es dort ebenfalls mild ist und die Briten bekannt sind für ihre grosszügige Vogelfütterung.
Die Zahl der Buchfinken hat um zehn Prozent abgenommen
Von den gut 200 Brutvogelarten in der Schweiz machen die zehn häufigsten Arten etwa die Hälfte der Vögel aus. Oder anders gesagt: von den rund 10 Millionen Vogelpaaren, die in der Schweiz brüten, sind gut eine Million Mönchsgrasmücken, etwa 900'000 Buchfinken, etwa 700'000 Rotkehlchen, etwa 650'000 Tannenmeisen und etwa 600'000 Zaunkönige – um nur die häufigsten fünf Arten zu nennen. Sie alle sind in erster Linie Waldbewohner.
Die 10 häufigsten Vogelarten der Schweiz
-
Bild 1 von 10. Die Mönchsgrasmücke (hier ein Weibchen) bleibt in milden Lagen im Winter heutzutage manchmal in der Schweiz. (900'000 bis 1,1 Millionen Paare). Bildquelle: Marcel Burkhardt.
-
Bild 2 von 10. Der Buchfink (hier ein Weibchen) war über viele Jahre der häufigste Vogel der Schweiz. (800'000 bis 1 Million Paare). Bildquelle: Imago Images / Steinsiek.ch.
-
Bild 3 von 10. Bei den Rotkehlchen lassen sich Weibchen und die Männchen optisch nicht unterscheiden. (600'000 bis 900'000 Paare). Bildquelle: Imago Images / Philippe Ruiz.
-
Bild 4 von 10. Die Tannenmeise ist die kleinste Meise der Schweiz und stark an Nadelbäume gebunden. (500'000 bis 800'000 Paare). Bildquelle: Imago Images / Philippe Ruiz.
-
Bild 5 von 10. Der Zaunkönig ist ziemlich klein, aber wenn er singt ist er akustisch sehr dominant. (500'000 bis 800'000 Paare). Bildquelle: Imago Images / Imagebroker.
-
Bild 6 von 10. Die Amsel (hier ein Männchen) war früher ein scheuer Waldvogel, hat sich die letzten 100 Jahren aber in Siedlungen stark verbreitet. (500'000 bis 700'000 Paare). Bildquelle: Imago Images / Star-Media.
-
Bild 7 von 10. Der Haussperling (hier ein Männchen) ist weltweit stark zurückgegangen, nicht aber in der Schweiz. (500'000 bis 700'000 Paare). Bildquelle: Imago Images / Seeliger.
-
Bild 8 von 10. Die Kohlmeise singt bereits im Winter und weckt so bei uns die ersten Frühlingsgefühle. (400'000 bis 600'000 Paare). Bildquelle: Imago Images / Philippe Ruiz .
-
Bild 9 von 10. Das Sommergoldhähnchen singt ganz hoch «zizizizitt» und zieht im Winter gegen Süden. (300'000 bis 600'000 Paare). Bildquelle: Imago Images / Imagebroker.
-
Bild 10 von 10. Das Wintergoldhähnchen ist der kleinste Vogel Europas und wiegt nur 5 bis 7 Gramm. (230'000 bis 600'000 Paare). Bildquelle: Imago Images / Imagebroker.
Während der Bestand der Mönchsgrasmücke in den letzten zehn Jahren um zwanzig Prozent zugenommen hat, hat die Zahl der Buchfinken um zehn Prozent abgenommen. «Warum das so ist, wissen wir nicht», sagt Livio Rey von der Vogelwarte, «da die Buchfinken aber vor allem in den tieferen Lagen, unter 1000 Meter über Meer, abgenommen haben, könnte auch hier der Klimawandel eine Rolle spielen.»
Während bestimmte Arten also vom Klimawandel profitieren, wird es anderen wiederum zu warm, oder ihre Lebensräume haben sich negativ verändert. So haben viele Vogelarten, die in Landwirtschaftsgebieten brüten, über die letzten Jahrzehnte stark abgenommen.
Langstreckenzieher, die jedes Jahr im Herbst mehrere Tausend Kilometer zum Überwintern bis in die Sahelzone fliegen, haben ebenfalls gelitten. Kurzstreckenzieher hingegen und waldbewohnende Arten, wie eben die Mönchsgrasmücke, haben in der Tendenz zugenommen.