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Gegen den Strom Wie kleine Fische einen grossen Wasserfall überwinden – aufwärts

«Parakneria thysi» trotzen zu Tausenden stundenlang der Schwerkraft und wurden dabei erstmals von Forschern gefilmt.

Nur etwa vier Zentimeter lang sind die kleinen Süsswasserfische. Und klettern zu Tausenden die feuchte Rückwand eines 15 Meter hohen Wasserfalls hoch. Ihre Brust- und Bauchflossen haben an der Unterseite winzige, hakenartige Fortsätze. Damit klammern sie sich an der senkrechten Felswand fest und schlängeln sich wie beim Schwimmen mit seitlichen Bewegungen hoch.

Erstmals hat nun ein Forschungsteam die Fische namens «Parakneria thysi» bei den Luvilombo-Wasserfällen im Süden der Demokratischen Republik Kongo beim Hochklettern gefilmt.

Viele Pausen

Die Fische klettern rasch – mit eineinhalb bis drei Zentimeter pro Sekunde. Umgerechnet auf Menschen wäre das ein zügiges zu Fuss Gehen. Die Fische brauchen aber viele Erholungspausen.

Gefahren auf dem Weg nach oben

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Mann in einem Wasserfall
Legende: Auch Erstautor Pacifique Kiwele wird beim Versuch, die Fische beim Klettern zu beobachten, von Wasserstrahlen getroffen. Pacifique Kiwele Mutambala
  • Während der Kletterpartie können die Fische abstürzen – besonders, wenn Wasserstrahlen sie treffen oder sie kopfüber überhängende Abschnitte erklimmen müssen.
  • Zwar sind seit 2007 Netze mit kleinen Maschen unter fünf Zentimeter in der Demokratischen Republik Kongo verboten. Dennoch wird während der Hochwasserzeit zwischen April und Mai im Becken des Wasserfalls illegal mit Moskitonetzen gefischt – genau dann, wenn sich die Fische für ihren Aufstieg sammeln.
  • Zusätzlich wird der Fluss in Jahren mit wenig Regen kurz nach der Wanderperiode der Fische für die Landwirtschaft umgeleitet. So trocknet der Fluss unterhalb des Wasserfalls komplett aus.
  • Grössere Fische (diese Art kann bis maximal zehn Zentimeter lang werden) wurden beim Klettern nicht beobachtet – vermutlich sind sie dafür zu schwer.

Die Fische klettern den Wasserfall wohl deshalb hoch, um oben mehr Futter zu finden, da es weniger Nahrungskonkurrenz gibt. Möglich ist auch, dass sie auf diese Weise Fressfeinden ausweichen. Oder sie wollen einfach zurückkehren, nachdem sie wegen starkem Regen den Wasserfall hinuntergespült wurden.

Innerhalb der Wände klammern sie sich für 15 bis 60 Sekunden fest. Sobald sie eine Felsstufe erklommen haben, ruhen sie sich gemeinsam mit vielen anderen für einige Minuten bis zu einer Stunde aus.

Um den Wasserfall zu erklimmen, brauchen sie fast zehn Stunden. Davon sind aber nur 15 Minuten reine Kletterzeit.

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