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Schwarmintelligenz Sind Schafe dumm? Von wegen

Schafe gelten als stur und einfältig – doch das ist ein Missverständnis. Schäferin Anne Krüger Degener zeigt, wie intelligent, aufmerksam und feinfühlig diese Tiere kommunizieren: über Räume, Bewegungen und die Logik des Schwarms.

«Schafe und Menschen kommunizieren vollkommen unterschiedlich. Daher kommt wohl das Vorurteil, dass Schafe dumm sind.» Anne Krüger Degener kommt ins Schwärmen, sobald sie über ihre Schafe spricht.

Die Schäferin und Kommunikationstrainerin zeigt seit Jahrzehnten, dass Schafe hochsoziale, aufmerksame und sensibel reagierende Tiere sind. Sie kommuniziert über ihre Border Collies mit ihren Schafen. Mit ihren Hunden zeigt die Schäferin, wie verschiedene Tierarten, anhand von geometrischen Regeln, harmonisch miteinander interagieren können. 

«Das Schaf arbeitet über Räume und Gesten» 

In der Herde halten Schafe immer die gleiche Distanz zu ihren Artgenossen ein, damit sie nicht zusammenstossen. Auch dem Hund begegnen sie mit einem immergleichen Abstand, der ist aber grösser.

Das hier ist keine Romantik. Es ist reine Geometrie.
Autor: Anne Krüger Degener Schäferin und Kommunikationstrainerin

Für Anne Krüger dienen die Hunde als «Dolmetscher» zwischen Menschen und Schafen. Ein Pfiff genügt – und der Hund übersetzt ihre Absicht in Bewegung und Abstand. Das versteht die Herde: Ändert der Hund die Richtung oder nähert er sich ihnen – die Schafe bewegen sich mit, indem sie immer die gleiche Distanz einhalten.

«Das hier ist keine Romantik. Es ist reine Geometrie», erklärt Degener. Das Schaf arbeite in erster Linie über Räume und Gesten und erst ganz am Schluss über Laute. Und plötzlich wird klar: Was oft als Dummheit abgetan wird, ist in Wahrheit eine andere Form von Kommunikation und Intelligenz. 

Intelligent wie ein Schwarm 

Auf der Weide zeigt sich, wie diese stille Sprache funktioniert: In grossen Herden verhalten sich Schafe wie ein Schwarm. Sie halten Abstände ein, orientieren sich an der Bewegung ihrer nächsten Nachbarn und ändern als Gruppe Richtung und Tempo. «Diese Form der Schwarmintelligenz ist nicht trainiert, sondern tief in ihrem evolutionären Verhalten verankert» erklärt die Kommunikationsexpertin.

Luftaufnahme einer Schafherde auf grüner Wiese.
Legende: In grossen Herden verhalten sich Schafe wie ein Schwarm. ZDF

Ein vermeintlicher Störenfried reicht – und die Herde reagiert wie ein einziger Körper, weicht aus und schützt die Jungtiere im Zentrum. In der Herde erkennen Schafe zudem bis zu 50 Artgenossen, können Familienmitglieder von Fremden unterscheiden und pflegen stabile soziale Beziehungen. Von den Müttern lernen die Lämmer typisches Schafverhalten in der Gruppe und verstärken ihre Bindung zudem über Duft und Berührung. Ein prägendes Ritual, das über Jahre soziale Orientierung schafft.  

Schafe reagieren auf den kleinsten Bewegungsimpuls 

Schafe kommunizieren über Räume, Bewegungsimpulse und minimale Signale – eine Sprache, die Menschen häufig missverstehen, weil sie nicht auf Worten basiert. Für die Schäferin ist klar: Schafe starren nicht, weil sie dumm sind. Sie starren, weil sie hochkonzentriert beobachten. Als Fluchttiere achten sie auf jeden Winkel, jede Verschiebung im Raum, jede kleine Irritation in der Herde. Und genau diese Sensibilität macht sie zu beeindruckenden Meisterinnen der Schwarmkommunikation.

SRF 1, Einstein, 09.04.2026, 21:05 Uhr

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