Transformatoren sind Mangelware, weil sie Kupfer benötigen: ein knapper Rohstoff. Die Lieferketten sind angespannt, der Preis hoch. Wer heute einen Transformator bestellt, muss tief in die Tasche greifen und bis zu drei Jahre warten.
Stromhunger wird immer grösser
Bestehende Rechenzentren brauchen immer mehr Strom, weil die auf KI spezialisierten Chips in den Rechnern immer leistungsfähiger werden. Ein einzelnes «Rack» – ein Kasten mit einigen Computern und KI‑Chips – kann bis zu 100 Kilowatt verbrauchen, etwa der Bedarf von zehn Haushalten.
Schätzungen gehen davon aus, dass am Ende des Jahrzehnts der Verbrauch per Rack auf 500 Kilowatt oder mehr ansteigen wird, Strom von etwa 50 Haushalten. Und in jedem Rechenzentrum stehen Hunderte von ihnen.
Mehr KI = mehr Transformatoren
Damit steigt auch der Bedarf an Transformatoren, die diesen Strom umwandeln können. Doch gerade in Ländern wie der Schweiz ist Land rar und die riesigen Hallen der Rechenzentren verschlingen bereits viel davon.
Es wird schwierig, auf dem Gelände für die Versorgung immer leistungsfähigerer KI-Chips zusätzliche Transformatoren aufzustellen. Eine Variante wäre, die Trafos weiter weg vom Gebäude aufzustellen. Das ist aber ineffizient, weil längere Leitungen zu höheren Stromverlusten führen.
Digitale Lösung: Solid‑State‑Transformatoren
KI‑Firmen stehen vor einem doppelten Problem: Erstens lange Wartezeiten für Transformatoren, wenn sie neue Rechenzentren bauen wollen, und zweitens kaum Platz und Flexibilität, um zusätzliche Trafos bei bestehenden Anlagen zu installieren.
Eine Lösung ist, die Transformatoren zu digitalisieren. Statt massiver Kupferspulen und Stahlkernen können elektronische Trafos mit Halbleitern eingesetzt werden: Solid‑State‑Transformatoren (SST), Halbleiter‑Leistungselektronik. Diese Technik ist nicht neu, die notwendigen Halbleiterkomponenten waren aber zu teuer, um SST grossflächig einzusetzen.
Geändert hat sich das dank der Nachfrage nach SST aus der Elektromobilität, etwa für Ladesäulen. Nun werden SST auch für Rechenzentren interessant. Sie sind etwa zehnmal leichter als klassische Transformatoren, benötigen kaum Kupfer und sind dadurch kompakt. Das spart Platz und vereinfacht die Installation. SST sind zudem flexibler, weil sie Spannungen effizient und fein steuern können – ein Grund, warum sie auch in modernen Elektrolokomotiven eingesetzt werden.
Es herrscht Goldgräberstimmung
Noch steckt die Produktion der digitalen Trafos in den Anfängen, aber es herrscht Goldgräberstimmung.
In den USA etwa wurden vor Kurzem rund 140 Millionen Dollar in Firmen investiert, die an dieser Technologie arbeiten. ABB hat vor einem Jahr Anteile an einem US‑Unternehmen erworben, das Halbleiter‑Leistungselektronik vor allem für KI‑Rechenzentren entwickelt. Und die EU fördert ein Projekt zur Entwicklung digitaler Transformatoren, um bei der Schlüsseltechnologie nicht erneut von einer einzigen Region abhängig zu werden.
Auch in der Schweiz ist Bewegung: Die Firma Hyperscale Power hat fünf Millionen Franken eingesammelt. Hinter dem Start-up steht ein ehemaliger ETH‑Student, der seit etwa zehn Jahren ein eigenes Konzept für SST verfolgt und nun die Technologie zur Marktreife bringen will.
Der Wettlauf ist somit eröffnet.