Die neuen Schalter nutzen den Hall-Effekt, benannt nach dem amerikanischen Physiker Edwin Hall. Er entdeckte, dass sich die Spannung in einem Leiter verändert, wenn ein Magnet näher kommt.
Analog statt «Ein/Aus»
Der Tasten-Druck oder Mausklick wird also nicht mehr ausgelöst, wenn sich ein Kontakt schliesst. Der Schalter misst dagegen, wie sich die Spannung verändert. Und kann so nicht nur sagen, ob eine Taste gedrückt ist, sondern auch wie tief. Deshalb werden die Schalter «analog» genannt: Sie befinden sich nicht nur in einem digitalen «Ein»- oder «Aus»-Zustand, sondern messen präzise die aktuelle Position der Taste.
Bei Tastaturen gibt es diese analogen, magnetischen Schalter schon etwas länger – Hersteller wie Wooting oder Razer haben den Trend angerissen. Eher verschlafen hat ihn dagegen der grosse Schweizer Hersteller Logitech, der erst vor kurzem eine entsprechende Tastatur ins Angebot aufnahm. Eine neue Logitech-Maus setzt nun aber als Erste überhaupt ebenfalls auf magnetische Schalter.
Individueller und schneller
Gegenüber herkömmlichen Schaltern hat die Magnet-Technik zwei Vorteile: Erstens ist das Verhalten eines Schalters nicht in Metall und Plastik gegossen, sondern kann individuell eingestellt werden. Wann gilt eine Taste als gedrückt, wann wieder gelöst; soll eine halbgedrückte Taste etwas anderes tun als eine ganz gedrückte; sollen sich die Tasten je nach Anwendung anders verhalten? Alles ist möglich, per Software.
Zweitens macht die neue Technologie den Maus-Klick schneller. Sie verringert die Verzögerung (Latenz) zwischen dem physischen Herunterdrücken der Taste und dem Zeitpunkt, wann das Signal beim PC ankommt. Bisher hatten die schnellsten Computer-Mäuse Latenzen um die 40 Millisekunden – bei der neuen Maus sind es nur noch zehn.
Für E-Sportler...
Natürlich spielt es keine Rolle, ob sich das E-Mail der Chefin dreissig Millisekunden früher öffnet. Doch im E-Sport haben die besten Athleten Reaktionszeiten von ungefähr fünfzig Millisekunden – die Zeit zwischen dem Erscheinen eines Objektes auf dem Bildschirm und dem Draufklicken mit dem Finger. Die Latenz der Maus kommt noch dazu: Erst danach kommt der Klick auch im Game an. Eine Verbesserung von dreissig Millisekunden ist in diesem Kontext viel und kann über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Entsprechend werden E-Sportler ihre Tastaturen und Mäuse wohl mehrheitlich auf die neue Magnet-Technologie umstellen. Für durchschnittliche Anwender mit langsameren Reaktionszeiten hat die Geschwindigkeit aber nicht den gleichen Stellenwert; in den Büros wird die Technologie wohl kaum demnächst zum Standard werden.
...und Enthusiasten
Trotzdem können die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten auch für Enthusiasten ausserhalb des E-Sports interessant sein. Weil die neue Maus keinen mechanischen Schalter mehr hat und sich nichts berührt, macht sie auch kein Geräusch und man würde beim Klicken auch nichts spüren. Deshalb ist unter beiden Maustasten ein kleiner Motor verbaut, der den Klick mit einer kurzen Vibration simuliert. Und natürlich ist die Simulation individuell anpassbar. So ist es beispielsweise möglich, den linken Mausklick ganz fein und leise, den rechten Klick aber deutlich spürbar einzustellen.