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Artemis-Mission War die Mondumrundung ein Erfolg?

Viele Menschen sind begeistert von der Artemis-Mission und der Mondumrundung. Und dies zu Recht: Die Bilder und Videos, die wir rund um die Uhr zu sehen bekamen, waren beeindruckend und haben für Menschen unter etwa 60 Jahren ein ganz neues Erlebnis von Mond und Erde ermöglicht.

Sobald Astronauten an Bord sind, weckt eine Raumfahrtmission ungleich höhere Emotionen, als eine robotische Mission. Zudem hat alles geklappt. Trotz hohem Risiko kam niemand zu Schaden. Technologisch war die Mission eine Meisterleistung.

Wirtschaftliche und militärische Interessen

Nüchtern betrachtet steht diese Sache aber in anderem Licht da: Denn obwohl die erste Frau, der erste Schwarze und der erste Nicht-Amerikaner um den Mond flogen und dabei ein sympathisches Bild abgaben – bei dieser Mission geht es vor allem um eines: Um den amerikanischen Machtanspruch auch auf dem Mond. Es geht darum, wer sich die besten Landeplätze sichert – dort, wo es gefrorenes Wasser gibt und genügend Sonnenlicht.

Das grosse Ziel ist es, dort Bodenschätze auszubeuten und auch militärisch im Weltraum die Oberhand zu behalten. Viele Spezialisten waren erschrocken, als es China gelang, einen Satelliten unbemerkt hinter dem Mond zu verstecken. Dieser hätte andere Satelliten quasi von oben angreifen können. Amerika und China liefern sich ein neues Wettrennen um den Mond, einen strategischen Kampf. Der vorerst letzte Punkt geht an Amerika.

Europa wird als Junior-Partner behandelt

Dabei waren die letzten Jahrzehnte der Raumfahrt geprägt von internationaler Zusammenarbeit. Trotz aller politischer Differenzen auf der Erde arbeiten auf der Internationalen Raumstation ISS bis heute auch russische Kosmonauten. Und die europäische Raumfahrtagentur ESA war massgeblich beteiligt am Erfolg der Artemis-II-Mission. Sie hat das sogenannte European Service Module geliefert, das die Astronauten unter anderem mit Sauerstoff, Wasser und Strom versorgt hat.

Doch die Zusammenarbeit wird immer schwieriger. Abgemacht war der Bau einer sogenannten Gateway-Station in einer Mondumlaufbahn. Mit den USA war vereinbart, dass da auch europäische Astronauten hinfliegen sollten. Jetzt haben die Amerikaner im Konkurrenzkampf mit China ihre Pläne über den Haufen geworfen. Sie wollen 2028 direkt auf dem Mond landen. Europa muss nun schauen, wie es mit der vereinbarten Kooperation mit Amerika weitergeht.

Mehr noch: Europa strebt jetzt eine eigene Mondmission an. «Ziel ist langfristig eine europäische Forschungsstation mit Astronauten», sagte Daniel Neuenschwander, Direktor für bemannte und robotergestützte Raumfahrt bei der ESA am Sonntag. Alle politischen Machtblöcke wollen nun also parallel den Mond erobern, alle wollen einen Teil des Kuchens.

Ein wenig Wissenschaft nebenbei

Die Wissenschaft spielt bei all dem eine untergeordnete Rolle. Das geben auch Fachleute wie der ehemalige Nasa-Wissenschafts-Chef Thomas Zurbuchen gegenüber SRF unumwunden zu. Mondgestein zur Analyse ist bereits reichlich vorhanden und robotische Missionen sind für Expeditionen ins All nicht nur verlässlicher, sondern auch etwa zehnmal günstiger.

Alles in allem ist die Mondmission diesmal nicht als ein «grosser Schritt für die Menschheit» zu bezeichnen. Es ist eher ein wichtiger Etappensieg für die USA.

Christian von Burg

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Der 1972 geborene Journalist arbeitet seit 2017 für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Vorher war er Inlandredaktor bei Radio SRF und bei der Zeitung «Der Bund».

SRF Tagesschau, 11.4.26, 19.30 Uhr

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