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Die etwas anderen News Der scheinheilige Krieg von USA und Israel

Ist der Krieg im Iran richtig oder falsch? Wer sind die Guten, wer die Bösen? Und: Was hat das mit Fussball und Parodontitis zu tun?

Simon Chen

Kabarettist

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Es kommt immer wieder vor, dass einem bei Simon Chens Worten das Lachen im Hals stecken bleibt. Als ehemaliger Schauspieler treibt als Wortspieler vieles an die Grenze – und trifft dabei gleichzeitig immer wieder ins Schwarze. Der gebürtige Freiburger ist Kabarettist, Spokenword- und Hörspiel-Autor und ab Februar 2026 mit seinem fünften Soloprogramm «Er will nur spielen» unterwegs. 

Erinnern Sie sich an den Irakkrieg 2003? Damals marschierten US-Truppen wegen angeblicher Massenvernichtungswaffen in den Irak ein. Die Waffen waren eine glatte Lüge, wie sich später herausstellte – und da war noch nicht mal Donald Trump Präsident!

Mit Uran – pardon! – Iran ist nicht zu spassen.

Diesmal geht es um angebliche Atomwaffen, die der Iran haben oder bauen soll. Eindeutige Beweise gibt es auch heute keine, weswegen dieser sogenannte Präventivschlag von Experten als völkerrechtswidrig eingestuft wird.

Dabei ist allgemein bekannt: Vorbeugen ist besser als Heilen. Das weiss jeder, der schon mal eine Zahnfleischentzündung hatte. Die USA und Israel wollen das iranische Atomprogramm verhindern. Und mit Uran – pardon! – Iran ist wirklich nicht zu spassen, weswegen diese Mission eigentlich kein Krieg ist, sondern eine «präventive Massnahme».

Man könnte jetzt einwenden: Mit welchem Recht wollen die beiden Länder einem anderen Land Atomwaffen verbieten, haben sie doch selbst welche? Ganz einfach, weil sie die Guten sind und die anderen die Bösen! Und die Bösen würden die Bombe garantiert einsetzen, deshalb dürfen sie sie auf keinen Fall haben. Die Guten aber würden die Bombe selbstverständlich nie brauchen, deshalb dürfen sie sie haben – logisch, oder?

Verglichen mit Putins ‹spezieller Militäroperation› ist das nur ein Temporäreinsatz, inklusive Jobsharing mit Netanjahu.

Im besten Fall sind das zwei Fliegen auf einen Schlag: Die Welt vor einem Atomkrieg retten und die Iranerinnen und Iraner von den tyrannischen Mullahs befreien. Wobei dummerweise auch Angriffskriege mit dem Ziel, ein Regime abzusetzen, ein Verstoss gegen das Völkerrecht darstellen – man darf ja heutzutage fast nichts mehr machen, ohne dass es gegen irgendetwas verstösst …

Aber dieser Krieg ist laut Trump bereits so gut wie beendet. Verglichen mit Putin, der seine «spezielle Militäroperation» in der Ukraine hauptberuflich und seit vier Jahren ausübt, ist das nur ein Temporäreinsatz, inklusive Jobsharing mit Netanjahu.

Den Friedensnobelpreis kann sich Trump aber wohl dennoch endgültig ans Bein streichen. Immerhin hat er bereits den Fifa-Friedenspreis erhalten, den Fifa-Präsident Gianni Infantino extra für ihn erfunden hat. Gianni findet ja alles toll, was Donald macht. Trotzdem: Dieser Krieg hätte jetzt nicht unbedingt sein müssen.

Müsste man wegen dieses Angriffskriegs nicht auch die USA von der Fussball-WM ausschliessen?

Der Iran wäre nämlich im Sommer Teilnehmer an der Fussball-WM in den USA. Jetzt wohl nicht mehr. Wer geht schon zum Spieleabend bei jemandem, der vorher in dein Haus eingebrochen ist?! Lustigerweise könnte das nachrückende Land ausgerechnet der Irak sein. Oder warum nicht Israel? Hätte auch eine gewisse Logik …

Aber da stellt sich doch die Frage: Müsste man wegen dieses völkerrechtswidrigen Angriffskriegs nicht auch die USA von der WM ausschliessen? Schliesslich ist auch Russland seit vier Jahren für alle Fifa- und Uefa-Wettbewerbe gesperrt.

Aber wohin kämen wir, wenn alle gleich behandelt würden ...?

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SRF 1, Zytlupe, 7.3.2026, 13:00 Uhr

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