Mit der Preisverleihung sind die 61. Solothurner Filmtage zu Ende gegangen. Der Hauptpreis, der «Prix de Soleure» geht an den Film «Qui vit encore».
Der Genfer Filmemacher Nicolas Wadimoff bringt darin neun Menschen zusammen, die aus Gaza geflüchtet sind. Der Film wurde im letzten September am Filmfestival von Venedig uraufgeführt.
Den Menschen zuhören
Statt Bilder von Krieg und Elend zu zeigen, versammelt Wadimoff seine Protagonistinnen und Protagonisten in einem neutralen, schwarzen Raum. Auf den Boden wird mit weissen Linien eine sehr vereinfachte Karte von Gaza gezeichnet. Vierecke zeigen an, wer wo gelebt hat.
Auf einem schwarzen Tisch zeichnen die Menschen mit weissem Stift schematisch ihre Häuser und Gärten auf. Sie erzählen von ihrem Leben dort, von ihren Häusern, von Bombenangriffen, Verlust und Flucht.
Der formal und visuell stark reduzierte Film konzentriert sich ganz auf die Erzählungen der Menschen. Er schaffe «einen Kontext fernab vom Kriegsschauplatz, um ein besseres Verständnis für die physische Zerstörung und die menschlichen Opfer zu vermitteln», schreibt die Jury in ihrer Begründung. Sie bestand dieses Jahr dem Ökonomen und Diplomaten Jean-Jacques de Dardel, der Filmemacherin und Produzentin Danae Elon und der Schauspielerin Sarah Spale.
Keine Überraschung trotz starker Konkurrenz
Der Prix de Soleure ist mit 60'000 Franken dotiert, acht Filme waren dafür nominiert. Trotz starker Konkurrenz, gerade auch im Spielfilm mit Marie-Elsa Sgualdos Frauendrama «À bras-le-corps» («Silent Rebellion») und dem dystopischen Hitzedrama «Don’t Let The Sun» von Jacqueline Zünd kommt die Auszeichnung von «Qui vit encore» nicht überraschend.
Das Thema ist gegenwärtig, relevant und brisant. Und die reduzierte Form ist ungewöhnlich und eine wohlüberlegte Gegendarstellung zu all den drastischen Bildern in den sozialen Medien.
Liebeserwachen in den Tessiner Bergen
Dem Publikum gefiel der Tessiner Spielfilm «Becaària» am besten, er wurde mit dem «Prix du Public» ausgezeichnet. Dieser ist mit 20'000 Franken dotiert. Der Film ist eine Coming-of-Age-Geschichte aus den 1970er-Jahren, geschrieben und gedreht hat ihn der Tessiner Filmemacher Erik Bernasconi.
Er erzählt die Geschichte eines 16-Jährigen, der mitten in einer pubertären Lebenskrise steckt und nicht so recht weiss, wie ihm geschieht. Vom Vater wird er im Sommer in die Berge zu einer Bauernfamilie geschickt, um «arbeiten zu lernen».
Die Begegnungen, die er dort macht, werden für den jungen Mann lebensverändernd. Literarische Vorlage war der Roman «Il Becaària» von Giorgio Genetelli, der 2011 herausgekommen ist.
Das in warmen, sanften Farbtönen gefilmte Werk mit einem zugänglichen, sympathischen Hauptdarsteller gewann die Herzen des Solothurner Publikums und setzte sich gegen sieben andere Filme durch, sechs davon Dokumentarfilme.
Die weiteren Preise
- Als bester Kurzfilm wurde «Versuch, einen Baum in Zürich zu fällen» von Lara Alina Hofer ausgezeichnet.
- Den Preis für den besten Animationsfilm erhielt Luisa Zürcher mit ihrem Film «Ich bin nicht sicher».
- Schon letzten Samstag wurde der Visioni-Preis für den besten Nachwuchsfilm vergeben, er ging an den Film «Nessuno vi farà del male» von Dino Hodic.