Jedes Jahr werden die Nominierungen für den Schweizer Filmpreis in einem Festakt während der Solothurner Filmtage bekannt gegeben. Die ganze Liste gibt’s hier.
Für die Filmbranche ist dieser Anlass mindestens ebenso wichtig wie die Filmpreis-Gala selbst, die dieses Jahr am 27. März in Zürich stattfindet. Denn Geld gibt es nicht für den Preis, sondern für die Nominierung.
Dieses Jahr sind gleich zwei Spielfilme je sieben Mal nominiert. Das ist beim Schweizer Filmpreis eine kleine Sensation. Und – das wird auch die Diskussionen über den Röschtigraben im Schweizer Film etwas besänftigen – einer davon kommt aus der Romandie und einer aus der Deutschschweiz.
Mit Beharrlichkeit auf die Poleposition
«A bras-le-corps» (als «Silent Rebellion» ab Donnerstag in den Deutschschweizer Kinos), das heisst auf Deutsch so viel wie «etwas entschlossen anpacken». Der Spielfilm erzählt von einer 15-Jährigen, die in einem Grenzdorf im Schweizer Jura nach einer Vergewaltigung schwanger wird und danach ihr Schicksal beharrlich selbst in die Hand nimmt.
Fast in allen möglichen Kategorien ist der Spielfilm von Marie-Elsa Sgualdo nominiert. Und wären die Hauptdarstellerin Lila Gueneau und der Hauptdarsteller Grégoire Colin nicht Franzosen und als solche nicht für den Schweizer Filmpreis wählbar, wäre die Zahl der Nominierungen vermutlich noch um zwei höher.
Baggertanz an die Spitze
Gleichviel Nominierungen, nämlich ebenfalls sieben, erhält der Deutschschweizer Spielfilm «Bagger Drama» von Piet Baumgartner. Das feinfühlige Familiendrama mit den grossen, poetisch tanzenden Baumaschinen war bereits im vergangenen Frühjahr im Kino zu sehen. Nun ist der Film ebenfalls auf dem Spitzenplatz für die Filmpreise.
Nominiert ist er für die beiden Hauptkategorien bester Spielfilm und bestes Drehbuch. Bettina Stucky ist als beste Darstellerin nominiert. Und dann – das ist durchaus speziell und überraschend – sind mit Vincent Furrer und Phil Hayes gleich beide männlichen Hauptdarsteller im selben Film nominiert.
Oscar-Hoffnung «Heldin» (nur) dreimal nominiert
Die vormalige Schweizer Oscar-Hoffnung «Heldin» (der Film hat es nicht auf die endgültige Shortlist geschafft) von Petra Volpe hinkt überraschend hinterher bei den Nominierungen. Immerhin darf sich der Film über eine Krankenschwester bei der Nachtschicht Hoffnungen in den beiden Hauptkategorien «bester Spielfilm» und «bestes Drehbuch» machen.
Ebenfalls dreimal nominiert ist der Spielfilm «Sie glauben an Engel, Herr Drowak?», der eben erst an den Filmtagen seine Schweizer Premiere feierte, auch als «bester Spielfilm». In dieser Königskategorie ist ausserdem noch Lionel Baiers «La Cache» nominiert, der auch mit insgesamt drei Nominierungen ins Rennen geht. Der Erfolgsfilm «Hallo Betty» ist relativ abgeschlagen, es gab nur Nominierungen für die Hauptdarstellerin Sarah Spale und den Hauptdarsteller Martin Vischer.
Die Dokumentarfilme gehen in den Nebensektionen praktisch leer aus – fünf Filme sind für «Besten Dokumentarfilm» nominiert – Favorit ist hier wohl Nicolas Wadimoffs «Qui vit encore», aber da die Konkurrenz im Dokumentarfilm traditionell sehr stark ist, ist dieses Rennen weit offen. «I love you, I leave you» darf sich zusätzlich zur Nominierung als bester Dokumentarfilm als einziger auch über eine zweite Nominierung freuen, in der Kategorie «Beste Musik».