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Neu im Kino «La femme la plus riche du monde»: Geld macht ganz schön einsam

«Die reichste Frau der Welt» von Regisseur Thierry Klifa beruht frei auf der wahren Geschichte der verstorbenen L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt. Ein Film über Geld und Geldgier – und Einsamkeit, die mit Reichtum einhergeht.

«Wo endet die Macht des Gelds?», fragt die Journalistin eines Lifestyle-Magazins die reichste Frau der Welt. «Wo die Lebensfreude beginnt», sagt Marianne Farrère, schwerreiche Erbin einer französische Kosmetikfirma, gespielt von Isabelle Huppert.

Die Geschäftsfrau Marianne geht zwar mit Stil, aber eher steif durchs Leben. Bis der Fotograf Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte), den sie bei einer Foto-Session kennenlernt, in ihr Leben tritt. Oder eher: trampelt.

Ein Mann mit Sonnenbrille strahlt eine Frau an.
Legende: La joie de vivre! Mit so viel Geld lässt es sich gut leben – das weiss auch Pierre-Alain (Laurent Lafitte), der sich in Mariannes (Isabelle Huppert) Leben schleicht. Frenetic Films

Schon bei der ersten Begegnung sagt er ihr, dass ihre Frisur nicht sitzt. Er bringt Schwung in ihre Haare und in ihr Leben. Endlich leben – und das noch im Luxus! Marianne ist verzaubert – und geblendet.

Weil er es ihr wert ist

Was den Künstler an der Welt schönen Welt der schwerreichen Frau nämlich besonders zu faszinieren scheint, sind die grossen Schecks. Und die gibt ihm Marianne grosszügig. Frischer Wind in ihrem Leben, ist der Kosmetik-Erbin auch mal ein paar Millionen wert.

Drei Fragen an Regisseur Thierry Klifa

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SRF: «La femme la plus riche du monde» beruht frei auf der Lebensgeschichte der ehemaligen L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt. Was hat Sie an der Welt der Superreichen interessiert?

Thierry Klifa: Die Welt der französischen katholischen Haute-Bourgeoise wird sehr selten im Kino gezeigt. Es ist eine Welt, die sich abschirmt, weil es hinter den verschlossenen Türen sehr viele Geheimnisse gibt. Die haben mich fasziniert. 

Isabelle Huppert spielt Marianne, eine schwerreiche Kosmetikerbin. Die Rolle ist ihr wie auf den Leib geschneidert. Haben Sie schon beim Schreiben an Huppert gedacht? 

Ich wollte schon lange mit Isabelle Huppert arbeiten. Und mir wurde schon beim Schreiben des Films bewusst, dass Huppert dieser Rolle eine Ambivalenz geben würde. Dass sie einer Person, die auf den ersten Blick konventionell wirken mag, Tiefe gibt. Auch eine Art Verrücktheit. Man weiss nie genau, was in Marianne vorgeht. 

Im Film wird schnell klar: Geld macht nicht nur glücklich. Die Moral von der Geschichte? 

Ganz klar soll werden: Reichtum schützt einen nicht. Das heisst nicht, dass man Mitleid haben soll mit Superreichen. Aber Reichtum schützt nicht vor Kummer, nicht vor Einsamkeit und auch nicht vor schlechten Entscheidungen. 

«Eine reiche Frau sollte nicht auf einem Liegestuhl auf ihrem Tod warten», sagt sie im Film. Die Tochter der Erbin und die Angestellten spüren jedoch schnell, dass der Künstler nicht nur ein Lebemann, sondern vor allem schlicht – pardon – ein krimineller Kotzbrocken ist. Die Freundschaft entfernt Mutter und Tochter, die sowieso schon eine distanzierte Beziehung haben, noch mehr.

Inspiriert von der L'Oréal-Erbin

Die Geschichte des Films beruht frei auf der Lebengeschichte der einstigen L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt, die 2017 verstarb und bis zu ihrem Tod die reichste Frau der Welt war. Sie führte ein Leben, das von Luxus und Skandalen geprägt war.

Einer der Skandale: Ihre Freundschaft zum Fotografen François-Marie Banier, dem sie grosszügig Geld gab. Zum grossen Missfallen ihrer Tochter. Françoise Bettencourt-Meyers klagte den Fotografen wegen «Ausnutzung von Schwäche» an. Der Fotografe wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Rund einer Milliarde Euro hatte er erschlichen.

Reich, aber einsam

Wie Menschen ihren Verstand und Anstand verlieren und wie einsam Geld machen kann – das zeigt der Film ungeschönt. Milliarden-Erbin Marianne sagt im Film: «Die Amerikaner sagen: You feel lonely at the top!» Und diese Einsamkeit macht in ihrem Fall (und wohl nicht nur in ihrem!) auch noch blind.

Zwei Frauen schauen sich an. Eher streng.
Legende: Beide sehnen sich nach Liebe – und strahlen Kälte aus: Marianne (Isabelle Huppert) und ihre Tochter (Marina Foïs). Frenetic Films

Die Rolle der schwerreichen Kosmetik-Erbin ist Isabelle Huppert auf den Leib geschneidert – und sie spielt sie herausragend. Die Arroganz der Bourgeoise, ihre Eleganz mimt sie mit Bravour. Auch Laurent Lafitte überzeugt in der Rolle des selbstgefälligen Künstler-Filous auf ganzer Linie. Am liebsten würden man ihm als Zuschauerin eine klatschen.

In einer Schlüssel-Szene sagt Marianne: «Wenn man reich ist, gehört man nicht mehr sich selbst.» Weil Geld nun mal Menschen, die einen umgeben, nicht selten zu Geiern macht. Und was man auch noch lernen kann von der L'Oréal-Erbin: Wer in Fülle lebt, hat nicht unbedingt ein erfülltes Leben.

«La femme la plus riche du monde» startet am 19. März in den Deutschschweizer Kinos.

SRF 1, 10vor10, 19.3.2026, 21:50 Uhr

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