«Frauen wollen dominiert werden», sagen sie. Oder: «Ich bringe dir bei, wie man Geld verdient.» Die Männer der sogenannten Manosphere lassen sich filmen, spannen ihre Muskeln an und erklären der Welt, warum sie ihnen etwas schuldet. Im Hintergrund: Lamborghinis, Podcaststudios, Chatfenster.
Vor ihnen: ein Publikum aus sehr jungen Männern, die lernen sollen, wie man Erfolg simuliert. In diese Kulisse tritt Louis Theroux, ein Mann mit ruhiger Neugier, der höflich fragt, warum eigentlich alle so wütend sind.
Der Netflix-Dokfilm «Manosphere» taucht in dieses Internet-Ökosystem aus Influencern, Podcastern und selbsternannten Lebenscoaches, die jungen Männern erklären, wie Männlichkeit auszusehen habe. In Livestreams und Onlinekursen predigen sie Reichtum, Dominanz und die Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen.
Von trostloser Klarheit
Theroux besucht einige der lautesten Figuren dieser Szene: Harrison Sullivan, Justin Waller, Myron Gaines und Sneako. Männer, deren Ansichten Millionen Klicks erzielen und deren Weltbild längst über ihre Streams hinauswirkt.
Theroux stellt die entlarvendste Frage fast beiläufig: Warum nicht einfach versuchen, ein guter Mensch zu sein? Warum Menschen nicht eher zum Anstand verführen als zu ihren schlimmsten Impulsen?
Harrison Sullivans Antwort ist von trostloser Klarheit: Mit guten Dingen wäre er in den sozialen Medien gar nicht erst berühmt geworden. Der Schlüsselsatz des Films. Die Frauenverachtung erscheint hier nicht nur als Haltung, sondern als Geschäftsmodell.
Diese Influencer reden von Stärke, Kontrolle, Hierarchie. Doch sobald Theroux leicht an der Oberfläche kratzt, hört man etwas anderes: Kränkung, Panik, Trotz. Der Tonfall der Manosphere ist der eines Beleidigten, der sich für seinen Groll mit Reichweite entlohnen lässt. Theroux bleibt dabei ruhig, fragt nie anklagend, eher wie einer, der sich noch eine letzte Restvernunft vom Gegenüber erhofft.
Doch die Content-Creator tun längst nicht mehr, was vernünftig wäre, sondern was der Plattformlogik dient. Sie inszenieren sich hypermaskulin, wirken dabei aber erstaunlich kindlich – gefangen in Rankings, Kommentaren und permanentem Publikum. Was sie verkaufen, ist ein Lifestyle aus Empörung und Selbstvermarktung.
Die abhängig Souveränen
Der Film ist am stärksten, wenn Theroux sie an ihren Widersprüchen misst. Einer beschimpft Frauen und verdient an deren Onlyfans-Videos. Andere predigen traditionelle Beziehungen und leben sie als einseitige Monogamie. Diese Männer verkaufen Souveränität, sind aber abhängig: vom nächsten Clip, vom nächsten Aufruhr.
Dann verschiebt Theroux den Blick. Es geht nicht mehr nur um Selbstdarsteller, sondern um die Maschine, die sie hervorbringt: Plattformlogik, Vereinfachungswut, Verschwörungserzählungen. Der Film deutet auch die Biografien an: abwesende Väter, chaotische Familien, alte Kränkungen. Am Ende überzeugt «Manosphere» dort, wo der Film auf moralische Empörung verzichtet.
Theroux zeigt diese Männer als Produkte einer Kultur, die Verletzung in Reichweite verwandelt und Einfluss mit Wahrheit verwechselt. Die Zumutung ist nicht ihre Existenz, sondern dass ihre Sprache längst aus der Nische heraus ist – in einer Öffentlichkeit, in der Radikalität monetarisiert wird.
Ab dem 11. März auf Netflix.