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Kein Kinderspiel Süchtig machende Games: Neue Regeln für PEGI-Altersfreigaben

In der grössten Neuerung seit der Gründung berücksichtigt die Altersangabe für Games von PEGI neu «Lootboxen», tägliche Belohnungen, In-Game-Käufe und unmoderierte Chats.

2003 hat der Verein PEGI begonnen, Altersfreigaben für Videospiele zu vergeben – wie wir es von Filmen kennen. Seitdem hat sich einiges geändert auf der Welt. Immer populärer werden Handyspiele, und zwar solche, die kostenlos sind.

Ihr Geld machen Gratisgames, indem sie die Spielenden dazu animieren, immer wieder zu spielen und dabei eine Gewohnheit oder sogar ein suchtähnliches Verhalten zu entwickeln. Dann verkaufen sie ihnen im Spiel zusätzliche Inhalte – häufig solche, die man immer bitterer benötigt, oder solche, die man via Zufallsgenerator kauft – ein klassischer Glücksspielmechanismus mit Suchtpotenzial.

Wie lange spielen meine Kinder, mit wem, und geben sie Geld aus?
Autor: Jennifer Wacrenier Operations & Communications Manager bei PEGI

Mittlerweile finden sich diese Tricks nicht mehr nur in Handy-, sondern auch in vielen PC- und Konsolengames, denn diese Mechanismen sind sehr profitabel.

So werden die Regeln festgelegt

Mit diesen Tricks haben sich die Risiken für Kinder von Gewalt und Sex hin zu Suchtmechanismen verschoben. Das hat auch PEGI beobachtet, wie Communications-Managerin Jennifer Wacrenier im Interview mit SRF erzählt: «Als wir gestartet haben, war der Fokus auf dem Inhalt: Gewalt in Videospielen war die Hauptsorge in 2003. Das ist noch immer wichtig, doch in den letzten Jahren rückte die Bildschirmzeit in den Fokus: Wie lange spielen meine Kinder, mit wem, und geben sie Geld aus?»

Nun hat PEGI reagiert: Nachdem die deutsche Altersempfehlung von USK ihre Regeln schon 2023 aktualisiert hat, zieht der europäische Verband jetzt nach. Zuständig für Änderungen im PEGI-Reglement sind Vertreter der Eltern und Konsumenten sowie ein Gremium aus Fachpersonen. Dazu gehören Kinderpsychologinnen, Medienspezialisten, Forscher und Juristinnen.

Das Schwierige: Die Regeln müssen einer klaren Ja-Nein-Logik folgen: Entweder ein Mechanismus ist im Spiel enthalten oder nicht, es gibt in dem System kein «ein bisschen» und keinen Raum für Subjektivität, so Wacrenier: «Für alle Spiele muss dasselbe gelten.»

Deshalb bleibt die Altersangabe von PEGI eine Empfehlung: «PEGI gibt einen Ratschlag, aber die Eltern müssen entscheiden, ob das Spiel geeignet ist», sagt Wacrenier. Denn jedes Kind ist anders, und jedes Game ist anders. Ausserdem gibt es viel Raum zwischen erlauben und verbieten: Eltern setzen Rahmenbedingungen wie Bildschirmzeiten und begleiten das Kind.

Um Eltern dabei zu unterstützen, gibt PEGI jetzt noch mehr Infos über Spielinhalte, erklärt Jennifer Wacrenier: «Über das Textfeld werden wir zusätzliche Details zu den Spielinhalten geben.» Dieses Textfeld findet man in den Online-Shops, indem man auf das Altersfreigabe-Icon klickt.

Wie funktioniert PEGI?

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PEGI steht für «Pan European Game Information» und ist ein Industrieverband der Videospielbranche.

Wer sein Spiel in den Detailhandel bringen oder auf einer Online-Plattform (zum Beispiel im Play- oder App-Store) anbieten möchte, muss einen Fragebogen von PEGI ausfüllen: Welche Inhalte kommen vor, welche Mechanismen sind im Spiel?

Als nächstes prüfen unabhängige Stellen im Auftrag von PEGI das Spiel. Diese Prüfung dauert ein bis zwei Wochen. Danach wird die Altersfreigabe erteilt, die auf die Verpackung gedruckt oder im Online-Store angezeigt wird.

Dabei gilt das höchste Alter aus allen Kategorien. Wenn das Spiel also in der Kategorie «Gewalt» eine Freigabe ab 7 und in der Kategorie «In-Game-Käufe» eine Freigabe ab 16 hat, erhält das Spiel insgesamt ein PEGI-16-Label.

Hat der Spielhersteller Einwände, kann er sich an die Beschwerdeinstanz von PEGI wenden. Er kann auch den Inhalt anpassen, um eine tiefere Altersfreigabe zu erreichen.

Die Spielehersteller unterschreiben zudem einen Verhaltenskodex: Sie müssen etwa die Altersfreigabe transparent angeben, sollen keine Werbung für Ü18-Games bei Minderjährigen machen und müssen elterliche Kontrollen fördern.

Pro Jahr bewertet PEGI ungefähr 1400 Spiele.

Die neuen Regeln gelten ab Juni. Die ersten Games, die nach dem neuen System bewertet werden, kommen ab August in den Handel. Auch bestehende Online-Games werden neu bewertet, das kann laut PEGI allerdings einige Monate in Anspruch nehmen.

Radio SRF 3, 22.05.2026 15:10 Uhr

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