2003 hat der Verein PEGI begonnen, Altersfreigaben für Videospiele zu vergeben – wie wir es von Filmen kennen. Seitdem hat sich einiges geändert auf der Welt. Immer populärer werden Handyspiele, und zwar solche, die kostenlos sind.
Ihr Geld machen Gratisgames, indem sie die Spielenden dazu animieren, immer wieder zu spielen und dabei eine Gewohnheit oder sogar ein suchtähnliches Verhalten zu entwickeln. Dann verkaufen sie ihnen im Spiel zusätzliche Inhalte – häufig solche, die man immer bitterer benötigt, oder solche, die man via Zufallsgenerator kauft – ein klassischer Glücksspielmechanismus mit Suchtpotenzial.
Wie lange spielen meine Kinder, mit wem, und geben sie Geld aus?
Mittlerweile finden sich diese Tricks nicht mehr nur in Handy-, sondern auch in vielen PC- und Konsolengames, denn diese Mechanismen sind sehr profitabel.
So werden die Regeln festgelegt
Mit diesen Tricks haben sich die Risiken für Kinder von Gewalt und Sex hin zu Suchtmechanismen verschoben. Das hat auch PEGI beobachtet, wie Communications-Managerin Jennifer Wacrenier im Interview mit SRF erzählt: «Als wir gestartet haben, war der Fokus auf dem Inhalt: Gewalt in Videospielen war die Hauptsorge in 2003. Das ist noch immer wichtig, doch in den letzten Jahren rückte die Bildschirmzeit in den Fokus: Wie lange spielen meine Kinder, mit wem, und geben sie Geld aus?»
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Bild 1 von 4. Diese Spiele-Inhalte sind in den neuen PEGI-Regeln berücksichtigt: 1. Zufällige Items («Lootboxen»): Kann man Packungen mit zufälligen Gegenständen darin im Spiel kaufen, erhöht sich die Altersangabe auf 16, in Casino-ähnlichen Spielen sogar auf 18. Bildquelle: Hearthstone / Battlenet.
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Bild 2 von 4. 2. Künstliche Knappheit und Blockchain: Kann man im Spiel mit echtem Geld Käufe tätigen, die zeitlich oder von der Menge her limitiert sind, erhöht sich die Altersangabe auf 16. Beinhalten die Käufe NFT- oder Blockchain-Mechanismen, steigt die Altersangabe auf 18. Bildquelle: Fortnite / Youtube / @Fortnite Soul.
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Bild 3 von 4. 3. Druck, mehr zu spielen: Mechanismen, die Spielende animieren sollen, länger oder häufiger zu spielen, führen zu einer Altersangabe von 7. Ein Beispiel dafür sind tägliche Belohnungen. Werden Spieler sogar bestraft, wenn sie nicht spielen, indem sie etwa ihren «Streak» verlieren, erhöht sich die Angabe auf 12. Bildquelle: Roblox.
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Bild 4 von 4. 4. Kommunikation ohne Kontrolle: Kann man in einem Spiel mit anderen Spielenden ohne Einschränkungen chatten oder sprechen, zum Beispiel ohne dass man andere blockieren oder melden kann, erhöht sich die Altersangabe auf 18. Bildquelle: Roblox.
Nun hat PEGI reagiert: Nachdem die deutsche Altersempfehlung von USK ihre Regeln schon 2023 aktualisiert hat, zieht der europäische Verband jetzt nach. Zuständig für Änderungen im PEGI-Reglement sind Vertreter der Eltern und Konsumenten sowie ein Gremium aus Fachpersonen. Dazu gehören Kinderpsychologinnen, Medienspezialisten, Forscher und Juristinnen.
Das Schwierige: Die Regeln müssen einer klaren Ja-Nein-Logik folgen: Entweder ein Mechanismus ist im Spiel enthalten oder nicht, es gibt in dem System kein «ein bisschen» und keinen Raum für Subjektivität, so Wacrenier: «Für alle Spiele muss dasselbe gelten.»
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Bild 1 von 4. So lesen Sie die PEGI-Labels: Die PEGI-Zahl zeigt an, ab welchem Alter ein Spiel freigegeben ist. Die Kategorien sind 3, 7, 12, 16 oder 18 Jahre. Das heisst nicht, dass das Spiel ab diesem Alter «empfohlen» ist, nur dass es keine für das Alter besonders bedenklichen Inhalte enthält wie Gewalt, Sex oder neu eben Lootboxen. Bildquelle: Tanja Eder.
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Bild 2 von 4. Kann PEGI keine einheitliche Altersangabe machen, zum Beispiel bei Plattformen wie Roblox oder Tiktok, die sowohl für Kinder geeignete als auch nicht geeignete Inhalte anbieten, steht statt der Zahl ein Ausrufezeichen. Es bedeutet «elterliche Kontrolle empfohlen»: Eltern sollten genau hinschauen und die Kinder begleiten. Bildquelle: www.pegi.info.
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Bild 3 von 4. Neben der Altersfreigabe, die alle Kriterien einschliesst, finden sich schwarze Symbole, die anzeigen, welche kritischen Inhalte im einzelnen Enthalten sind: Gewalt, Schimpfwörter, Angst/Horror, Glücksspiel, Sex, Drogen, Diskriminierung oder In-Game Käufe. Ausserdem finden sich zusätzlich schriftliche Hinweise wie «Teilt den Standort». Bildquelle: www.pegi.info.
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Bild 4 von 4. Altersangaben sind immer grobe Verallgemeinerungen. Manche Kinder vertragen zum Beispiel Gewaltdarstellungen besser als andere. In einigen Spielen sind Glückspielmechanismen zentraler als in anderen. Deswegen bleibt es wichtig für Eltern, das Kind zu begleiten, ein offenes Ohr zu bieten und auch selbst einmal zuzuschauen oder auszuprobieren. Bildquelle: IMAGO / Tetra Images.
Deshalb bleibt die Altersangabe von PEGI eine Empfehlung: «PEGI gibt einen Ratschlag, aber die Eltern müssen entscheiden, ob das Spiel geeignet ist», sagt Wacrenier. Denn jedes Kind ist anders, und jedes Game ist anders. Ausserdem gibt es viel Raum zwischen erlauben und verbieten: Eltern setzen Rahmenbedingungen wie Bildschirmzeiten und begleiten das Kind.
Um Eltern dabei zu unterstützen, gibt PEGI jetzt noch mehr Infos über Spielinhalte, erklärt Jennifer Wacrenier: «Über das Textfeld werden wir zusätzliche Details zu den Spielinhalten geben.» Dieses Textfeld findet man in den Online-Shops, indem man auf das Altersfreigabe-Icon klickt.
Die neuen Regeln gelten ab Juni. Die ersten Games, die nach dem neuen System bewertet werden, kommen ab August in den Handel. Auch bestehende Online-Games werden neu bewertet, das kann laut PEGI allerdings einige Monate in Anspruch nehmen.