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Die Geschichte des Fondues
Aus A point vom 28.11.2013.
abspielen. Laufzeit 05:04 Minuten.
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Alltag mit Corona Vergessen wir das Fondue

Fondue war schon immer Käse. Das Coronavirus hat das Schweizer Nationalgericht endgültig erledigt. Ein vorgezogener Nachruf.

Fondue, das war's. Du warst die heisse Liebe dieses Landes. Um nicht zu sagen, das heimliche Herz Helvetiens. Kein anderes Gericht stand im selben Masse für die Gemeinschaft und Geselligkeit. Man könnte vor lauter Rühren ein Tränchen der Rührung vergiessen.

Stand ein Fondue auf dem Tisch, verschmolzen Freunde und Fremde zu einem friedvollen Volkskörper – vergessen waren Ungleichheit, die Unterschiede und überhaupt. War nicht das die Lektion von Rolf Lyssys «Schweizermachern»? Das vollendete Fondue ist der letzte Stolperstein vor dem Schweizer Pass.

Ein Festfressen für Viren

Leider auch wahr: Vom Schmelztiegel zum Spucknapf ist es nur ein kleiner Schritt. Man muss nun wirklich kein hysterischer Hygieniker sein (und kein hoffnungsloser «Seinfeld»-Fan), um zu wissen: Für das Dippen sieht es düster aus. Das Double-Dippen, Link öffnet in einem neuen Fenster ist ohnehin für alle Ewigkeiten gegessen.

Fondue bei Herrn und Frau Schweizer, die ganz sicher nicht eine Gabel zum Baden des Brots und eine zweite für dessen Verzehr verwendeten, war stets Multi-Dipping in unreinster Reinkultur. Ein Festfressen für Viren aller Farben. Das Caquelon: ein Hotspot, der zum Himmel stank.

Nie wieder Fondue: Es ist aus virologischer Sicht das einzig Vernünftige. Auch wenn es das Ende bedeutet für ein beliebtes Rein- und Rausspiel, das sich oft feucht-fröhlich anliess, den tödlichen Ausgang aber spätestens seit «Asterix & Obelix bei den Schweizern» verinnerlicht hat.

Da gibt es bekanntlich Schläge mit dem Stock für jedes im Käse verlorene Stück Brot. Im Wiederholungsfalle sinkt man mit Gewichten an den Füssen auf einen nachtschwarzen Seegrund. Auf Nimmerwiedersehen.

Rettungsanker Raclette

Alles Käse, mag der Fonduefreund kritisch einwenden. Mit Verlaub: Noch weiss selbst die faktenverrückte Wissenschaft nicht genau, bei welchen Wärmegraden das Coronavirus zu überleben in der Lage ist.

Wer auf der sicheren Seite sitzen will und seine Finger nicht von flüssigem Vacherin oder geschmolzenem Gruyère lassen kann, setze in der Zukunft auf deinen grossen Rivalen, Fondue: das Raclette. Da hat jeder Gast sein privates Pfännchen, und jedes noch so kleine Stück Käse kennt die Spielregeln von «Social Distancing».

Weinen wir? Für mich bitte noch ein Glas Weissen.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Jojo Murer  (Jojo12)
    Fondue geht noch, man muss einfach seine Adresse fürs Contact-Tracing hinterlassen. Aber Wildtiere würde ich definitiv nicht eintauchen!
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  • Kommentar von Ernst Boller  (BOER)
    Leider haben viele Mitmenschen wenig Ahnung, WIE man Fondue isst. Das Ablecken der Gabel ist ein Nogo. Man greift nur das Brot mit den Zähnen. Der Mund darf die Gabel nicht berühren. Wussten wir schon als Kinder.
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  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Sind die Schweizer an einer ebenfalls neuen Krankheit erlegen ? Etwa der Hygiene-Hysterie ? Im Kreis der Familie oder mit guten Freunden zusammen, kann doch weiterhin genussvoll im Caquelon gerührt werden. Glücklicherweise lebe ich nun in einem fernen wie freien Land, das sogar nach wie vor Corona-Virus-frei ist. Ich hatte es zwar noch nie ausprobiert, doch wenn in der Schweiz das gemütliche Zusammensein zum Fondue aussterben sollte, dann will ich es gerne hier in den Tropen am Leben erhalten.
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