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Gaza-Debatte bei Berlinale Offener Brief von Tilda Swinton und Co: Was sind die Vorwürfe?

Um was geht es? Dutzende Filmschaffende haben der Berlinale eine mangelnde Positionierung im Gaza-Krieg vorgeworfen. Künstlerinnen und Künstler wie Schauspielerin Tilda Swinton («The Room Next Door») veröffentlichten einen offenen Brief. Zu den rund 80 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern gehören auch die Fotokünstlerin Nan Goldin und Schauspieler Javier Bardem («No Country for Old Men»).

Person mit blonden Haaren vor blauem Hintergrund.
Legende: 2025 war Schauspielerin Tilda Swinton in Person bei der Berlinale. 2026 meldete sie sich per Brief. Getty Images/Andreas Rentz

Was steht in dem offenen Brief? Sie seien entsetzt über das «institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern», heisst es in dem Schreiben, das das Branchenblatt «Variety» exklusiv veröffentlichte. Zu Gräueltaten im Iran und in der Ukraine habe sich das Festival dagegen klar positioniert. Nun forderten sie die Berlinale auf, «ihrer moralischen Pflicht nachzukommen und unmissverständlich ihre Ablehnung von Israels Genozid, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen an den Palästinenserinnen zu erklären».

Hintergrund zum Begriff «Völkermord»

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Israel streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Dass es sich nicht um Vökermord handelt, ist auch die Position der deutschen Bundesregierung.

Amnesty und eine Untersuchungskommission des UNO-Menschenrechtsrats hingegen sagen, Israel begehe im Gazastreifen einen Völkermord.

Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag läuft eine von Südafrika angestrengte Völkermord-Klage gegen Israel. Wann das Gericht ein Urteil fällen könnte, ist unbekannt.

Der letztjährigen Ausgabe der Berlinale werfen sie vor, dass die Leitung Filmschaffende aggressiv zurechtgewiesen hätte, die sich für Palästina ausgesprochen haben. Gegen einen Filmemacher sei sogar polizeilich ermittelt worden. Filmkritiker und Journalist Patrick Wellinski ordnet dies als einen der schwerwiegendsten Vorwürfe ein, «weil hier nicht mehr über Haltung gesprochen wird, sondern über konkrete Eingriffe». Zudem kritisierten die Verfasserinnen und Verfasser eine aktuelle Aussage von Jurypräsident Wim Wenders.

Was hatte Wim Wenders gesagt? Jurypräsident Wim Wenders hatte bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der 76. Berlinale gesagt, Filmschaffende müssten sich aus der Politik heraushalten, sie seien ein Gegengewicht zur Politik. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy kritisierte dies und sagte ihre Teilnahme ab.

Älterer Mann mit Brille vor buntem Hintergrund.
Legende: Der deutsche Regisseur und Fotograf Wim Wenders ist Vorsitzender der Berlinale-Jury. KEYSTONE/DPA/SEBASTIAN GOLLNOW

Positioniert sich das Festival? Patrick Wellinski sagt, die Berlinale habe bislang kein explizites Statement formuliert, wenn es um das Vorgehen von Israel in Gaza geht. Gleichzeitig werde das Thema auf dem Festival keinesfalls totgeschwiegen. «Das Problem scheint mir weniger ein Schweigen zu sein, sondern eine konkrete Erwartungshaltung», so Wellinski. Aktivistinnen und Filmemacher, die nicht auf der Berlinale seien, forderten eine moralische Positionierung des Festivals.

Was sind die Reaktionen? Berlinale-Chefin Tricia Tuttle stellte sich am Wochenende hinter den Jurychef und die Künstler des Festivals. Sie betonte, bei dem Festival finde freie Meinungsäusserung statt. Direkt auf den offenen Brief reagierte nun Deutschlands Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Er stellt sich ebenfalls hinter die Berlinale. «Es wird natürlich keine Zensur betrieben», sagt er. Die Berlinale sei ein Ort, an dem Meinungen aufeinanderprallten, wo offen diskutiert werde. Weimer stellt sich auch hinter Wenders. Er habe genau die richtigen Worte gefunden.

Wie beschäftigte der Nahostkonflikt die Berlinale in den letzten Jahren? Nach der Abschlussgala 2024 war das Filmfestival dafür kritisiert worden, dass einzelne Preisträger das Vorgehen Israels im Gazastreifen massiv kritisiert hatten, ohne den Terrorangriff der islamistischen Hamas vom Oktober 2023 zu erwähnen. Es folgte eine Debatte bis hin zu Vorwürfen von Antisemitismus. 2025 boykottierte der iranische Schauspieler Erfan Shekarriz die Berlinale und liess eine Rede verlesen. In dieser warf er Deutschland die Unterstützung eines Genozids an den Palästinensern vor.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 18.2.2025, 7:00 Uhr ; 

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