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«Nature Never Loses» Das Museum Tinguely zeigt Carl Chengs flüchtige Sandwelten

Carl Cheng wollte nie berühmt sein. Der US-amerikanische Künstler ist selbst in Kunstkreisen vergleichsweise unbekannt – trotz seines beeindruckenden Schaffens. Cheng fotografiert, kreiert Installationen, baut Maschinen. Das Museum Tinguely widmet ihm nun die erste umfassende Retrospektive.

1988 verwandelt Carl Cheng eine zwölf Tonnen schwere Betonwalze in ein riesiges Sandspielzeug. Aus der Betonoberfläche hat er einen Negativabdruck seiner Heimatstadt Los Angeles herausgeschält. Miniaturautos, Strassen, Gebäude – ein Traktor zieht die Walze über den Strand in Santa Monica und hinterlässt eine dreidimensionale Miniaturstadt. Ein flüchtiges Kunstwerk, das jedes Mal schnell wieder zertrampelt wird.

In den 1980er-Jahren realisiert er viele solcher Projekte. Der Kunstmarkt interessiert ihn nicht. Cheng will seine Kunst zu den Menschen bringen. Zu dieser Einstellung sei er während einer Asienreise Anfang der 1970er-Jahre gekommen, erzählt der 83-Jährige.

«Die Menschen, die in Indien Kunst geniessen, interessieren sich nicht dafür, wer der Künstler ist. Das war ein grosser Schock für mich.» Im Westen, vor allem in den USA, müsse man sich als Künstler möglichst gut vermarkten, damit man mehr verkaufen kann. «Für mich ist das eine sehr dumme Idee, sein Leben damit zu verbringen, Geld zu machen. Da kann man sich auch einfach einen Job suchen», so Cheng.

Natur und Technologie

Cheng geht es nicht um Geld oder Ruhm. Ihn interessiert vor allem die Natur. Aus getrockneten Avocado-Schalen fertigt er Hunderte von kleinen Skulpturen, die er so arrangiert, als handle es sich um wissenschaftliche Fundstücke. Er platziert Steine und andere Objekte auf dem Dach seines Studios und setzt sie dort systematisch Regen, Wind und Sonne aus. Später baut er spezielle Maschinen, die diesen Prozess simulieren.

Solarpaneele auf einem Flachdach eines Gebäudes.
Legende: Das «Nature Laboratory» von Carl Cheng: Der Künstler platzierte verschiedene Objekte auf seinem Dach, um sie dem Wetter auszusetzen. Carl Cheng

Cheng, der Kunst und Industriedesign studiert hat, wird im Laufe seiner Karriere noch jede Menge weiterer Maschinen konstruieren.

Andres Pardey, Vizedirektor des Museum Tinguely und Co-Kurator der Ausstellung, sagt: «Im Werk von Carl Cheng spielt die Technologie eine entscheidende und ambivalente Rolle. Einerseits braucht er Technologie, um seine Werke herzustellen, und andererseits ist er sich sehr bewusst, dass genau diese Technologie die Transformationsprozesse in der Natur befördert.»

Carl Cheng verwendet für seine Maschinen moderne Technik und spielt gleichzeitig mit diesen Maschinen darauf an, wie unser industrielles Zeitalter die Natur zerstört. Mitte der 1960er-Jahre baut er eine Installation mit dem Titel «Early Warning System» («Frühwarnsystem»). In die turmähnliche Installation ist ein Radio eingebaut, das permanent den lokalen Wetterbericht wiedergibt, während ein sich drehender Projektor Bilder von Müllhalden und Szenen einer Ölpest zeigt.

Sandlandschaft fürs Museum Tinguely

Trotz solch ernster Themen haben Chengs Arbeiten allesamt etwas Spielerisches, Humorvolles. Anders gehe es für ihn gar nicht, erklärt der Künstler lapidar. «Für meine Kunst habe ich kein strenges Konzept. Ich kann von den Leuten nicht erwarten, dass alle das, was ich mache, ernst nehmen. Deshalb ist meine Herangehensweise von vornherein spielerisch.»

Zwei Personen betrachten ein grossflächiges, strukturiertes Modell auf einem Tisch.
Legende: Carl Cheng hat eigens fürs Museum Tinguely eine Sandlandschaft erschaffen, in mühevoller Kleinarbeit, zehn Tage lang. Zum Ende der Ausstellung wird der Sand zusammengefegt werden. Museum Tinguely

Besonders schön zeigt sich das in einer Arbeit, die Cheng extra für das Museum Tinguely kreiert hat. Mithilfe einer selbstgebauten Maschine hat er eine Landschaft aus Sand erschaffen. Ein solches Werk lässt sich nicht verkaufen, und es wird Cheng wohl auch nicht berühmter machen – obwohl dieser brillante Künstler es verdient hätte.

Ausstellungshinweis

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Carl Cheng im Museum Tinguely in Basel:

Die Ausstellung heisst «Nature Never Loses» und läuft bis am 10. Mai 2026.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 30.1.2026, 7:06 Uhr ; 

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