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Eurovision Song Contest Neue ETH-Studie entschlüsselt den ESC-Erfolgs-Code

Eine Studie hat den Code für einen ESC-Sieg geknackt: Englisch, Pop und «Tanzbarkeit» sind der Schlüssel. Obwohl dieses Erfolgsrezept den Sieg nicht garantiert, hätten die teilnehmenden Länder über die 70-jährige Geschichte des Wettbewerbs gelernt, welche Songmerkmale die Chancen auf einen Sieg erhöhen. Aber: Manche Länder weichen davon ab. Die drei Erfolgsfaktoren:

  1. Die Sprache: Die Daten zeigten, dass Lieder mit englischen Texten eine deutlich höhere Gewinnwahrscheinlichkeit haben.
  2. Das Genre: Standardgenre ist der Pop. Musikalisch hat laut Studie eine Homogenisierung stattgefunden.
  3. Die «Tanzbarkeit»: Bei den Audio-Eigenschaften der Lieder stellten die Forscher fest, dass diese stetig zunahm.
Lächelnde Person hält eine gläserne Trophäe, umgeben von Konfetti.
Legende: Stolzer ESC-Gewinner 2025: Johannes Pietsch aka JJ aus Österreich. Der Wettbewerb geht dieses Jahr in Wien über die Bühne. Das Finale am Samstag, 16. Mai, ist ab 21.00 Uhr auf SRF 1 zu sehen. KEYSTONE/Georgios Kefalas

Als Länder, die dem kollektiven Lernprozess nicht folgten, identifiziert die Studie Frankreich, Italien, Portugal und Spanien. Sie hielten mehrheitlich an ihren Landessprachen fest. Vermutlich hat für diese Länder die Präsentation der nationalen Kultur einen höheren Stellenwert als der Sieg im Wettbewerb.

Der ESC entwickelt sich laufend weiter. «Das muss er auch, damit er interessant bleibt», sagt Studienleiter und ETH-Professor Dirk Helbing.

Die Studie: Mehrstufiges Lernen beim ESC

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Die Studie mit dem Titel «Breaking the code: Multi-level learning in the Eurovision Song Contest» untersucht den ESC als Lernsystem: einerseits auf Ebene der Organisatoren (Regeln, Abstimmungssysteme), andererseits auf Ebene der teilnehmenden Länder (Songs, Sprache, Stil).

Der ESC eignet sich dafür besonders gut, weil über 70 Jahre hinweg nahezu alle Daten öffentlich verfügbar sind (Teilnehmer, Punkte, Songs, Regeln). Die Studie unter Leitung von Dirk Helbing, Professor für Computergestützte Sozialwissenschaften (Computational Social Science) an der ETH Zürich, wurde im Fachmagazin «Royal Society Open Science» publiziert. Die Co-Autoren sind Luis A. Nunes Amaral und Arthur Capozzi.

Die Studie kombinierte Songdaten, Songtexte, KI-Modelle und Abstimmungsergebnisse aus mehreren Jahrzehnten. Das Forschungsteam analysierte so fast 1800 Lieder von 51 Ländern aus den Jahren 1956 bis 2024. Pro Song flossen über 35 Merkmale in die Auswertung ein, darunter Tanzbarkeit, Akustik, Emotionalität, Sprache, Genre und thematische Schwerpunkte.

«Rote-Königin-Effekt»

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Die weitverbreitete Anpassung an die Erfolgsmerkmale führe zu einem sogenannten «Rote-Königin-Effekt». Weil fast alle Teilnehmenden auf Englisch, Pop und Tanzbarkeit setzten, würden diese Eigenschaften von einem Wettbewerbsvorteil zu einer reinen Grundvoraussetzung. Die Einhaltung des «Codes» sei notwendig, um nicht zu scheitern, garantiere aber längst nicht mehr den Sieg, schreiben die Forscher in ihrer Studie.

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