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Fails am laufenden Band Playback-Panne: Kid Rock floppt bei alternativer Super-Bowl-Show

Bei grossen TV- und Live-Übertragungen von Musikshows ist Playback seit den 1960er-Jahren Systemstandard und von der Zuschauerschaft weitgehend toleriert. Für Skandale sorgen Playback-Performances vor allem dann, wenn sich das Publikum an der Nase herumgeführt sieht oder die Show besonders spektakulär scheitert.

Ein Rückblick auf fünf denkwürdige Playback-Shows:

Kid Rock – All-American Halftime Show (2026)

Kid Rocks Performance von «Bawitdaba» an der Gegenveranstaltung zur Super Bowl Halftime-Show war derart asynchron und gestisch verstörend, dass Kalkül hinter der Aktion vermutet werden könnte. Erste Recherchen haben allerdings ergeben: es ist weder Subversion, Spass noch bewusste Selbstdemontage, die Kid Rock hier betreibt. Es bleibt vorerst ein Rätsel, warum der Headliner des MAGA-Events die vielleicht dilettantischste Playbackshow des Jahrtausends abgeliefert hat.

Red Hot Chili Peppers – Super Bowl (2014)

Das Thema Playback ist ein anschauliches Beispiel für «kognitive Dissonanz»: Wir wissen, dass etwas nicht so ist, wie es scheint, akzeptieren es aber trotzdem, solange der Schein intakt bleibt. Kippt die Illusion, kommt es zum Aufstand. Das durften die Red Hot Chili Peppers erleben – sie bekamen viel Häme für ihren Super Bowl Auftritt. Ihre Performance war astrein, aber Playback gilt in der Rockmusik als Sakrileg, da unauthentisch. Hätten sie doch wenigstens ihre Gitarren mit Kabeln an Verstärker angeschlossen… der Schein wäre gewahrt geblieben. Laut Bassist Flea wollte die Band aber genau das nicht. Ihre Authentizität sollte nicht in der perfekten Illusion, sondern in der übertrieben realistischen Performance liegen.

Britney Spears – MTV Music Video Awards (2007)

Mit «Gimme More» wollte Britney Spears an den VMAs nach Jahren persönlicher Turbulenzen ihr Comeback feiern. Es fielen vor allem ihre steinerne Miene und die asynchronen Lippenbewegungen auf. Die Presse zerriss den Auftritt. In ihren Memoiren «The Woman in Me» schrieb Spears später, sie habe kurz vor ihrem Gang auf die Bühne eine Panikattacke erlebt, unter Schlafmangel gelitten, Probleme mit den Kostümen und zu wenig Probezeit gehabt. Der eigentliche Skandal, deutet sie an, habe sich eher hinter als auf der Bühne zugetragen. Eine Analyse durchaus philosophischen Ausmasses.

Luciano Pavarotti – Winter Olympiade Turin (2006)

Bei der Eröffnungszeremonie sang Star-Tenor Luciano Pavarotti eine ergreifende Interpretation von «Nessun Dorma» aus der Oper Turandot. Aus gesundheitlichen und produktionstechnischen Gründen spielten Tenor, Orchester und Dirigent allerdings zu einer voraufgezeichneten Aufnahme. Dass auch klassische Live-Musik ab Band kommen kann, stiess viele Musikfans vor den Kopf. Der später veröffentlichte Ablauf des Events zeigte, wie komplex solche globalen Live‑Ereignisse sind und warum eine Playback-Show oft einfacher zu übertragen ist als ein Live-Konzert.

Milli Vanilli – Club MTV Tour (1990)

Einer der grössten Skandale der Playback-Geschichte: Beim MTV‑Konzert des Discopop-Duos Milli Vanilli sprang 1989 die «Girl You Know It’s True»-Spur in Endlosschleife. Die Band flog 1990 endgültig als Playback-Konstrukt auf, als Produzent Frank Farian gestand, Rob Pilatus und Fab Morvan hätten weder live noch auf dem Album je gesungen. Milli Vanilli wurde daraufhin der Grammy für Best New Artist entzogen und es folgte eine breit geführte Diskussion über den Sinn und Unsinn von Authentizität in der Popmusik.

Radio SRF 3, Morgenbulletin, 5.2.2026, 06:20 Uhr

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