Manuel Akanji ist seit vielen Jahren ein Aushängeschild des Schweizer Fussballs und zählt zu den weltbesten Verteidigern. Doch der gebürtige Winterthurer schaut weit über den sportlichen Tellerrand hinaus.
SRF: Sie kamen im Herbst leihweise zu Inter Mailand. Haben Sie sich schon eingelebt?
Manuel Akanji: Mittlerweile. Anfangs war es stressig, weil alles auf den letzten Drücker passierte.
Wie geht man als Fussballer mit einem Wechsel um, der sich erst in den letzten Stunden des Transferfensters ergibt?
Zentral sind Frau und Kinder. Zum Glück hatten wir uns zuvor gut abgesprochen.
Haben Sie ein schlechtes Gewissen, dass sich die Familie so nach Ihnen richten muss?
Ein wenig. Es war aber auch mein bisher schwierigster Wechsel. Als wir nach Manchester gingen, hatten wir erst unseren ältesten Sohn. Mittlerweile sind es drei Kinder.
Wird die Rolle der Frau bei Transfers unterschätzt?
Definitiv. Ohne meine Frau funktioniert das alles nicht. Und ihr Alltag ist stressiger als meiner, vor allem mental.
Für viele kam Ihr Wechsel überraschend.
Manchester City hatte im Sommer plötzlich sechs fitte Innenverteidiger, aber nur zwei konnten spielen. Als ich dann anfangs Saison nicht spielte, sah ich mich mit meinem Berater nach Optionen um.
Das Fussball-Business kann knallhart sein.
Die Klubs verlangen von den Spielern gern Loyalität, bieten diese aber auch nicht immer. Deshalb muss man als Spieler teils egoistische Entscheidungen treffen, die von aussen nicht immer verstanden werden.
Für Inter Mailand spielen, aber Manchester City gehören – erzeugt das ein Loyalitätsproblem?
Nein, aber viele Fragezeichen. Wie geht es im Sommer weiter? Lande ich bei einem anderen Klub? Doch momentan gilt Inter mein voller Fokus.
Sie gelten als sehr spielintelligent. Kann man das erlernen?
Ja. Ich schaue meine Spiele stets nochmals, um aus Fehlern zu lernen.
Sie sind clever.
Ich versuche es zumindest. Natürlich weiss ich auch nicht über alles Bescheid.
Bekannt sind Ihre Rechenkünste.
Viele setzen Kopfrechnen mit Intelligenz gleich, aber zu Cleverness gehört noch viel mehr.
Nervt Sie das Klischee, Sportler seien einfach gestrickt?
Nein. Als Sportler muss man auch ausblenden. Man darf weder auf mediales Lob noch Kritik zu viel Wert legen.
War für Sie als Bub eine so erfolgreiche Karriere denkbar?
Fussballprofi zu werden war mein Traum. Ich habe dran geglaubt und bin froh und stolz, es so weit gebracht zu haben. Aber es brauchte die Unterstützung der Familie.
Kommt daher Ihr Urvertrauen?
Wahrscheinlich. Meine Eltern haben mir Respekt gegenüber anderen und Stolz gegenüber sich selbst vermittelt.
Was ist für die Nati an der WM möglich?
Hoffentlich mehr als die Achtelfinals.
Freuen Sie sich auf die WM?
Ja. Ich freue mich immer, für die Schweiz zu spielen.
Manche fordern einen WM-Boykott.
Ich bin nicht so tief in der Politik. Aber klar ist: Jede Person sollte unabhängig von Herkunft und Aussehen gleich behandelt werden. Ich hoffe, dass einreisende Fans keine Probleme haben werden.
Sie tragen als Tattoo «Prove them wrong».
Als junger Spieler hatte ich einen Kreuzbandriss, und einige zweifelten an meiner Rückkehr. Ich war aber immer überzeugt, sogar stärker zurückzukehren – und so kam es. Aus dieser Zeit stammt das Tattoo.
Was unterscheidet den 18-jährigen Manuel Akanji vom heutigen?
Früher wollte ich Markenkleider und das neuste iPhone. Heute ist mir Luxus unwichtig.
Wollen Sie später Trainer werden?
Nein. Ich möchte lieber ein planbares Leben und Zeit für die Familie.
Das Gespräch führte Urs Gredig.