- Zum 79. Mal fanden in Cannes die Internationalen Filmfestspiele statt.
- Der Hauptpreis des seit 1946 bestehenden Festivals ist die Goldene Palme.
- In diesem Jahr geht sie an den rumänischen Regisseur Cristian Mungiu für seinen Film «Fjord».
- Der Film setzte sich gegen 21 andere Wettbewerbsfilme durch.
Den Preis der Jury erhielt die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach für ihren Film «Das geträumte Abenteuer». Entschieden hat eine Jury unter dem Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook.
Familiendrama in der norwegischen Abgeschiedenheit
Für Mungui ist es bereits die zweite Goldene Palme. 2007 hatte sein Film «4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage» die Auszeichnung erhalten. Dem Regisseur gelingt mit «Fjord» ein moralisch vielschichtiges Drama über Familie, Erziehung und kulturelle Konflikte.
Sebastian Stan und Renate Reinsve spielen ein streng religiöses, rumänisch-norwegisches Ehepaar, das mit seinen fünf Kindern in ein abgelegenes norwegisches Dorf zieht. Als bei ihrer Tochter Verletzungen festgestellt werden, geraten die Eltern unter Verdacht, ihr Kind körperlich misshandelt zu haben. «Fjord» erzählt den Konflikt zwischen dem Ehepaar und den norwegischen Behörden bewusst ohne einfache Antworten.
Regiepreis dreifach vergeben
Der Grosse Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, ging an den russischen Regisseur Andrej Swjaginzew für seinen gesellschaftskritischen Thriller «Minotaur». Der Film erzählt von einem russischen Geschäftsmann, der in seiner Firma vor grosse Herausforderungen gestellt wird und eine Affäre seiner Frau aufdeckt. Swjaginzew verwebt die Geschichte mit der Allgegenwärtigkeit des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
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Bild 1 von 5. Das Objekt der Begierde: Die Goldene Palme wird an der Côte d'Azur in diesem Jahr zum 79. Mal vergeben. Bildquelle: REUTERS/Sarah Meyssonnier.
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Bild 2 von 5. Die beiden Hauptdarsteller in «Fjord» Sebastian Stan und Renate Reinsve zeigten sich im Festsaal in Cannes sichtlich erfreut über den Preis für Mungiu. Bildquelle: REUTERS/Sarah Meyssonnier.
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Bild 3 von 5. Die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach wurde für ihren Film «Das geträumte Abenteuer» mit dem Preis der Jury in Cannes ausgezeichnet. Bildquelle: EPA/TERESA SUAREZ.
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Bild 4 von 5. Der russische Regisseur Andrej Swjaginzew rief in seiner Dankesrede Wladimir Putin dazu auf, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Bildquelle: REUTERS/Sarah Meyssonnier.
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Bild 5 von 5. Barbra Streisand wurde mit der Ehren-Palme d'Or ausgezeichnet. Die Sängerin und Schauspielerin richtete sich in einer aufgezeichneten Videobotschaft an die Zuschauer. Bildquelle: REUTERS/Sarah Meyssonnier.
Den Preis für die beste Regie teilten sich direkt drei Regisseure: die Spanier Javier Calvo und Javier Ambrossi für das Drama «The Black Ball» («La bola negra») und der polnische Filmemacher Pawel Pawlikowski für «Vaterland». Der Film mit Sandra Hüller erzählt von einem gemeinsamen Roadtrip von Thomas Mann und Erika Mann durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland im Jahr 1949.
Als beste Schauspieler wurden Emmanuel Macchia und Valentin Campagne für ihre Rollen in dem Film «Coward» des belgischen Regisseurs Lukas Dhont ausgezeichnet. Darin spielen sie zwei Soldaten im Ersten Weltkrieg, die sich ineinander verlieben.
Virginie Efira und Tao Okamoto wurden als beste Schauspielerinnen für das Drama «All of a Sudden» («Soudain») geehrt. In dem Film entwirft der Japaner Ryūsuke Hamaguchi ein leises, aber eindringliches Drama über zwei Frauen, deren Begegnung ihr Leben auf unerwartete Weise verschiebt.
Spezielle Würdigung für Barbra Streisand
Der Preis für das beste Drehbuch ging an den Franzosen Emmanuel Marre für «A Man of His Time» («Notre Salut»). In dem Film verarbeitet der Regisseur einen Teil seiner Familiengeschichte während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich.
Die französische Schauspielerin Isabelle Huppert würdigte die US-Schauspielerin Barbra Streisand, die mit einer Goldenen Ehrenpalme ausgezeichnet wurde, den Preis aber wegen einer Knieverletzung nicht persönlich entgegennehmen konnte. Streisand bedankte sich per Videobotschaft und sagte, Filme hätten «diese magische Fähigkeit», Menschen zu vereinen.