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Brandkatastrophe Crans-Montana «Le Constellation»-Barkeeper: «Jeden Tag denke ich daran»

Gaëtan arbeitete als Barkeeper im «Le Constellation» in Crans-Montana. Nun berichtet er erstmals von der Silvesternacht und von den Wochen, die der Tragödie vorausgingen.

Der 28-jährige Gaëtan, Barkeeper im «Le Constellation», spricht erstmals über das Drama von Crans-Montana. Nach zwei Wochen im Spital, davon acht Tage im Koma, konnte er zu seinen Eltern in den Süden Frankreichs zurückkehren.

Er äussere sich, um der Opfer zu gedenken und um seine Version der Geschichte darzulegen, da er sehr enttäuscht darüber sei, dass seine ehemaligen Arbeitgeber die Schuld auf ihre Angestellten abwälzten.

«Ich habe nicht die fachlichen Kompetenzen, um ihnen irgendetwas in Bezug auf den Ausbruch des Feuers, auf die Ursachen oder das Warum und das Wie vorzuwerfen», erzählt er gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS. «Aber wenn ich sehe, wie sie versuchen, sich nach und nach aus der Verantwortung zu ziehen, fange ich an, ihnen immer mehr Vorwürfe zu machen. Ich finde es absurd, dass sie die Schuld ihren Mitarbeitenden zuschieben.»

Erinnerungen an Silvester

Gaëtan arbeitete in der Silvesternacht an der oberen Bar. Gegen 1:30 Uhr bemerkte er, dass unten etwas nicht stimmte. «Ich habe diese Erinnerung an die ersten Schreie, an die ersten Warnrufe, als das Feuer ausbrach, und an dieses Gefühl von Panik, das mich überkam.» Sein erster Reflex sei gewesen, nachzusehen, was geschah, und zu versuchen, zu helfen.

Ich wurde von der Menschenmenge umgestossen, die sich angesammelt hatte, um über die Treppe hinauszukommen.
Autor: Gaëtan Barkeeper im «Le Constellation»

Er schaffte es, bis zur letzten Stufe der Treppe hinunterzugehen. «Ich erinnere mich, wie ich mich mit dem Arm schützte, um so wenig Rauch wie möglich einzuatmen, und wie ich eine Person wegzog. Danach glaube ich, dass ich von der Menschenmenge, die sich angesammelt hatte, um über die Treppe zu fliehen, umgestossen wurde.»

Gaëtan geht davon aus, dass er das Bewusstsein verlor, denn er erinnert sich nicht mehr daran, was danach geschah.

Eine berufliche Erfahrung, die im Fiasko endet

Gaëtan hatte Anfang Dezember in der Bar «Le Constellation» zu arbeiten begonnen. Er freute sich auf diese Erfahrung, doch die Ernüchterung kam schnell: «Wir verkauften abgelaufene Bierdosen. Ich musste Paninis mit Brot machen, das seit über einem Jahr eingefroren war.»

Das Interview mit Gaëtan in voller Länge (mit dt. Untertiteln):

Er erinnert sich auch an die besonders junge Kundschaft. «Ich fand das schockierend. Ich versuchte, die Ausweise zu kontrollieren, aber sie wurden oft auf dem Handy gezeigt, sodass ich keine Möglichkeit hatte, ihre Echtheit zu überprüfen. Ausserdem wussten wir ganz genau, dass es den Chefs vor allem darum ging, Geld hereinzubringen.»

Daraufhin beschloss er, zu kündigen. Er wollte jedoch den Monat zu Ende arbeiten, um den Dezemberlohn zu erhalten.

Traumatisches Erwachen

Als Gaëtan am Tag nach dem Drama aufwachte, war er zutiefst erschüttert. «Ich habe die ganze Zeit geweint. Und eines der ersten Dinge, die ich meiner Mutter sagte, war: «Ich kann nicht mehr in einer Bar arbeiten. Ich glaube, ich werde in meinem Leben nie wieder eine flackernde Kerze anschauen können. Feuer wird mir jetzt Angst machen.»

Man muss darüber sprechen, man muss sich unterstützen lassen. Das, was wir an diesem Abend erlebt haben, ist schockierend.
Autor: Gaëtan Barkeeper im «Le Constellation»

Hinzu kommen die belastenden Gedanken an seine Freunde und Kolleginnen. «Jeden Tag denke ich daran, wenn ich einschlafe. Es ist ziemlich schwierig, weil ich an meine Kollegin denke. Ich denke an meinen Ex-Mitbewohner: Er kämpft immer noch im Spital.»

Er denkt aber auch an seine eigene Genesung. «Bald habe ich Termine bei Psychologen, die auf solche Traumata spezialisiert sind. Man muss darüber sprechen, man muss sich begleiten lassen – das ist sehr wichtig.»

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RTS Mise au point, 1.2.26, 20:10 Uhr;stal;herb

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