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Datenschutz Weg von US-Software: Frankreichs Behörden wechseln zu Linux

Auf allen Arbeitsplätzen soll Linux genutzt werden. Damit will man sich von US-amerikanischem Einfluss befreien.

Im vergangenen Juni räumte Microsoft vor dem französischen Senat ein, man könne nicht ausschliessen, dass in Frankreich gespeicherte Daten an die US-Regierung weitergegeben werden.

Der Bericht von RTS mit deutschen Untertiteln:

Gesetze wie die Cloud Act erlauben es der Regierung in Washington, sich Zugang zu Daten von US-Unternehmen zu verschaffen, selbst dann, wenn sich die Server ausserhalb des Landes befinden, etwa in Europa.

Alternativen sind vorhanden

Für den französischen Staat ist dies ein nicht tolerierbares Risiko. Daher muss nun jedes Ministerium bis im Herbst einen Fahrplan vorlegen, wie es auf Tools aus den USA verzichtet. Das hat das Ministerium für Digitales angekündigt. Dies betrifft nicht nur das Betriebssystem Windows, sondern auch Antivirenprogramme, künstliche Intelligenz, Datenbanken und so weiter.

Der Staat verfügt bereits über eigene Alternativen, zum Beispiel «Tchap» als Messenger, «Visio» für Onlinemeetings oder «FranceTransfert» als Plattform für den Datenaustausch. Sie werden auf Servern in Frankreich gehostet und sind von der nationalen Agentur für Cybersicherheit zertifiziert.

Der öffentliche Sektor hat in Frankreich bereits Erfahrung mit dem Wechsel zu Linux. Die nationale Gendarmerie vollzog diesen Wechsel bereits 2008 – mit Erfolg. Die nationale Krankenkasse mit ihren 80'000 Mitarbeitenden hat den Wechsel hin zurm Open-Source-Betriebssystem angekündigt.

Europäische Lösung in Sicht?

Die grösste Hürde bei einem solchen Wechsel ist indes nicht technischer, sondern menschlicher Natur. Die Gewohnheiten der Staatsangestellten zu ändern, braucht Zeit – man muss die Mitarbeitenden schulen, begleiten und überzeugen. Es stellt sich ausserdem die Frage der Kompatibilität: Es gibt Software, die für Linux nicht existiert.

Die französische Regierung drängt auf eine gesamteuropäische Strategie zur Schaffung souveräner digitaler Tools. Europa gibt jedes Jahr Milliarden aus für digitale Dienstleistungen aus den USA. Nun will das Nachbarland mit dem Beispiel vorangehen, indem es die Kontrolle über seine Daten zurückgewinnt.

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RTS Forum, 11.04.2026, 18:08 Uhr;liea

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