Sie liegt im Süden des Kantons Freiburg, nahe der Grenze zum Kanton Waadt: Die mittelalterliche Stadt Rue wird oft als «kleinste Stadt Europas» bezeichnet.
Nach dem Zusammenschluss mit umliegenden Gemeinden erstreckt sich Rue heute über 23.2 Quadratkilometer und hat etwa 1600 Einwohnerinnen und Einwohner.
Was ihren Status als Stadt angeht, lässt sich dieser aus historischen Gründen erklären: Rue gehört zu den «neuen Städten», die im 13. Jahrhundert von den Grafen von Savoyen gegründet wurden, um ihre Macht in der Region zu festigen.
Auf den ersten Blick erscheint die Vorstellung, dass Rue die kleinste Stadt Europas sein könnte, also nicht abwegig.
Doch auch mehrere andere Städte können den Titel «kleinste Stadt Europas» für sich beanspruchen. Am häufigsten werden Durbuy (Belgien), Hum (Kroatien) und die Vatikanstadt in Rom genannt.
Vergleiche sind nicht aussagekräftig
Eine offizielle Rangliste gibt es nicht. Das liegt vermutlich daran, dass die zu berücksichtigenden Kriterien variieren. Denn worauf stützt man sich? Auf die Fläche, die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner? Oder eine Kombination aus beiden?
Ein Vergleich zwischen Durbuy und Rue verdeutlicht die Schwierigkeit einer solchen Einstufung. Betrachtet man nur das historische Zentrum, so ist die belgische Stadt mit weniger als 400 Einwohnerinnen und Einwohnern auf einer Fläche von zwei Hektar tatsächlich die kleinere Stadt.
Betrachtet man jedoch die gesamte Gemeinde, ergibt sich ein anderes Bild. Durbuy umfasst 41 Dörfer und mehr als 11′000 Einwohnerinnen und Einwohner auf einer Fläche von 157 Quadratkilometer, was für die «kleinste Stadt der Welt» doch recht viel ist.
Ein schwammiger Begriff
Ein weiterer erschwerender Faktor: Der Begriff «Stadt» ist an sich schon schwammig. Die Kriterien, nach denen ein Ort als Stadt bezeichnet wird, variieren.
Selbst in der Schweiz selbst ist die Situation komplex. Es gibt kein Bundesgesetz, das eine einheitliche Definition des Begriffs «Stadt» liefert.
Ein Ort kann als Stadt bezeichnet werden, weil ihm dieser Titel in der Vergangenheit verliehen wurde oder weil er einst eine städtische Funktion ausgeübt hat, beispielsweise als Standort eines regionalen Markts oder einer Verwaltung.
Nicht nur die Bevölkerung zählt
Zu diesen historischen Überlegungen kommen modernere, statistisch basierte Kriterien hinzu. In vielen Kantonen neigt man dazu, eine Gemeinde als «Stadt» zu bezeichnen, sobald sie die Grenze von 10′000 Einwohnerinnen und Einwohnern überschreitet.
Das Bundesamt für Statistik stützt sich in der Statistik der Schweizer Städte nicht nur auf die Bevölkerungszahl, sondern auch auf die wirtschaftliche und touristische Aktivität einer Gemeinde.
Damit eine Gemeinde als Stadt definiert wird, muss sie mindestens 14′000 «Einwohneräquivalente» erreichen. Dieser Index wird auf der Grundlage der Wohnbevölkerung, der Anzahl Arbeitsplätze und der Anzahl Hotelübernachtungen berechnet.
Selbst Suchmaschinen sind überfordert
Zudem muss eine Stadt eine Dichte von mindestens 2500 Einwohneräquivalenten pro Quadratkilometer aufweisen.
Selbst Suchmaschinen sind angesichts der Komplexität der Schweiz etwas überfordert.
Überzeugen Sie sich selbst, indem Sie in Ihrer Suche die folgende Frage stellen: «Welche ist die kleinste Stadt der Schweiz?» Die Antworten werden wahrscheinlich sehr unterschiedlich ausfallen und Sie in viele verschiedene Ecken des Landes führen.