In den letzten 30 Jahren war es nicht mehr möglich, alle vier Glocken im Kirchturm San Luzi in Zuoz zu läuten. Der Grund: Es bestand die Gefahr, dass der Turm einstürzt. Beim Vollgeläut, also wenn alle Glocken zusammen läuteten, schwankte der Kirchturm aus dem 12. Jahrhundert bis zu 65 Zentimeter hin und her.
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Bild 1 von 3. Der Kirchturm San Luzzi in Zuoz stammt aus dem 12. Jahrhundert. Bildquelle: RTR.
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Bild 2 von 3. Gemeinderat Christian Ferrari hat nach einer Lösung gesucht, damit wieder alle Glocken zusammen läuten dürfen. Bildquelle: RTR.
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Bild 3 von 3. Gegengewichte sorgen dafür, dass beim Läuten der Glocken weniger Kräfte aufs Gemäuer einwirken. Bildquelle: RTR.
«Wenn man da oben stand, war das beängstigend», erinnert sich Christian Ferrari, Gemeinderat von Zuoz. «Wenn wir nicht reagiert hätten, wäre der Glockenturm zusammengestürzt.»
Seit zwei Jahren arbeitet Ferrari an einer Lösung. Er wandte sich an die Firma Muff, die auf Glockentechnik spezialisiert ist.
Diese hat das Problem von Zuoz mit Gegengewichten gelöst. Sie bewegen sich entgegengesetzt zu den Glocken, sodass sich die Kräfte gegenseitig aufheben.
Das Problem mit Gegengewichten ist, dass sich die Glocken langsamer bewegen, wenn sie mit ihnen verbunden sind, und sich dadurch der typische Kirchturmklang verändert. Als weltweite Neuheit hat die Firma Muff ein System entwickelt, das die Bewegung der Gegengewichte steuert, ohne dass die Glocken selbst beeinflusst werden.
So sieht die Weltneuheit am Kirchenturm von Zuoz aus:
Ausserdem wurden Änderungen am Glockenstuhl und an den Klöppel vorgenommen. Das Ergebnis sei beeindruckend, sagen die Kenner: «Es klingt feiner, hat aber einen sehr schönen Klang», findet Gemeinderat Ferrari. «Die Bevölkerung von Zuoz hörte die Glocken von zu Hause nicht mehr. Jetzt haben wir wieder den ursprünglichen Ton.»
Mit diesen Massnahmen können jetzt wieder alle Glocken zusammen geläutet werden, ganz ohne Gefahr. Man könnte sogar eine fünfte Glocke installieren, wenn jemand eine spenden möchte, sagt Ferrari mit einem Lächeln im Gesicht.