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Gesundheitstracking Wie viel bringen Gesundheitstrackings wirklich?

Von der Überwachung der Schlafgewohnheiten bis hin zum Ganzkörperscan: Immer mehr gesunde Menschen erfassen privat ihre körperlichen Daten, um möglichst gesund zu bleiben. Wie viel bringt dieses Gesundheitstracking wirklich?

Im November schockierte die Influencerin Kim Kardashian ihre Fans mit der Meldung, dass bei ihr während einer Ganzkörperuntersuchung ein Hirnaneurysma, eine krankhafte Ausbuchtung eines Blutgefässes, festgestellt worden sei. Damit lenkte sie die Aufmerksamkeit auf eine Methode der Gesundheitsprävention, die weltweit immer stärker nachgefragt wird – auch in der Schweiz.

Hierzulande wurden in den vergangenen drei Jahren mehrere Startups gegründet, die solche Ganzkörperscans anbieten. Die Scans sind eine von vielen neuen Methoden an der Schnittstelle zwischen Wellness und Langlebigkeit. Dazu zählen auch Wearables – kleine Tracker im Alltag, die alles messen, von Stress bis zur Alterung.

Mann geht an Geschäft mit Gesundheitsplakat vorbei.
Legende: Kundinnen und Kunden können sich in weniger als einer Stunde in privaten Kliniken einem Ganzkörperscan unterziehen. SWI swissin.ch / Aylin Elci

«In nur zwei Generationen hat sich unsere Lebenserwartung um 20 bis 30 Jahre verlängert», sagt Francis Meier gegenüber Swissinfo, dem Online-Informationsdienst der SRG für die Schweizer Bevölkerung im Ausland. Meier ist Mitbegründer des Schweizer Zentrums für Präventivmedizin beim Hôpital de la Tour in Genf.

Wichtig sei, was für den Patienten gut ist, nicht für das Geschäft, betont Meier. «Und diese beiden Dinge gehen nicht immer Hand in Hand.» Gerade bei Ganzkörperscans gehe es oft nur ums Geldverdienen.

Eine Milliardenindustrie

Trotz Kritik boomt der Markt für Gesundheitstracking. Kliniken, Start-ups und Tech-Giganten positionieren sich als Anbieter von Diensten, die Krankheiten früh erkennen sollen – auch bei gesunden Menschen.

Wer sich für seine Gesundheitsdaten interessiert, kann zwischen zahlreichen Geräten wählen, von günstigen Schrittzählern bis zu teuren Smartwatches. Ganzkörperscans sind deutlich kostspieliger, da dafür ein Magnetresonanztomographiegerät (MRT) benötigt wird.

Gesunde Menschen im Visier

Ein Grund für den Boom ist laut Experten die Überzeugung, dass unser Verhalten die Gesundheit beeinflusst. «Nur 25 Prozent unserer Lebenserwartung lassen sich durch die Genetik erklären», sagt Filipe Barata vom Center for Digital Health Interventions der ETH Zürich.

Unternehmen werben mit Slogans rund um Kontrolle und Wohlbefinden und richten sich klar an gesunde Menschen, betonen aber, dass ihre Angebote medizinische Tests nicht ersetzen.

Fachleute raten zur Vorsicht

Expertinnen warnen jedoch, es gebe kaum Belege dafür, dass Gesundheitstracking zu einem gesünderen Leben führe. Selbst wenn ungesunde Gewohnheiten erkannt würden, führe dies oft nicht zu Verhaltensänderungen. Zudem seien viele Ergebnisse korrelativ und schwer zu interpretieren. Hinzu komme, dass Nutzerinnen und Nutzer ihre Daten selten mit Fachpersonen besprechen. Viele Wearables seien eher Wellnessprodukte und teils ungenau.

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Ganzkörperscans lieferten zwar präzisere Daten, meint Suzanne O’Sullivan, Neurologin am University College London. Trotzdem betont sie: «Ich würde Menschen davon abraten, sich einer solchen Gesundheitsuntersuchung zu unterziehen.»

Die Bilder seien zwar detailreich, doch man wisse noch wenig darüber, wie gesunde Körper im Inneren aussehen. Scans könnten Ängste auslösen oder zu unnötigen Behandlungen führen. «Je mehr Tests man durchführt», argumentiert O’Sullivan, «desto mehr Unregelmässigkeiten findet man, bis man schliesslich Gefahr läuft, eine Behandlung zu erhalten, die man definitiv nicht benötigt.»

SRF4 News, 14.1.2026, 14 Uhr

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