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Handel mit Erdöl Warum nicht mehr zur Unterbindung der Schattenflotten getan wird

Trotz der Blockade der Meerenge von Hormus ist der Handel mit iranischem Erdöl nicht versiegt, dank der sogenannten Schattenflotten. Wieso diese von der internationalen Gemeinschaft geduldet werden.

Die Schattenflotten werden vor allem von Russland, dem Iran oder Venezuela genutzt und sind zu einer regelrechten Industrie der Verschleierung geworden, um internationale Sanktionen zu umgehen. Die Methode ist erprobt: ausgeschaltete Ortungssignale, falsche Flaggen und das diskrete Umladen auf hoher See. Und das Phänomen nimmt zu.

Zwei Experten beschreiben, wie die Schattenflotten funktionieren:

Laut Paul Tourret, dem Direktor des Instituts für maritime Ökonomie im französischen Nantes, hat diese Schattenflotte viel Gewicht. Sie entspreche 10 Prozent aller weltweiten Öltanker. «Das kann ein kleiner Treibstofftransporter sein, ein grosser Öltanker, ein Supertanker», sagt Tourret gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Es gilt als sicher, dass etwa tausend Schiffe zur reinen Schattenflotte gehören. Dann gibt es auch eine periphere Flotte, die ebenfalls tausend Schiffe umfassen könnte.»

Die Schattenflotten operieren nicht alle nach demselben Muster. Während die iranische Flotte ausschliesslich der Umgehung der internationalen Sanktionen dient, spielt Russland mit der Mehrdeutigkeit. «Es gibt eine grosse Anzahl von Schiffen, die nur russische Ladungen transportieren, wie jene aus dem Iran», präzisiert Matthew Wright, Analyst bei Kpler, dem weltweit führenden Unternehmen für die Rückverfolgung der Erdölhandelswege.

Person am Ufer, Schiff in der Ferne auf dem Meer, Mast im Vordergrund.
Legende: Ein Schiff, das gemäss der schwedischen Küstenwache zur russischen Schattenflotte gehört: der Tanker «Jin Hui» (3. Mai 2026). KEYSTONE/EPA/Johan Nilsson

«Aber es gibt eine grössere Gruppe, die wir flexible Öltanker nennen», fügt er hinzu. «Das sind Schiffe, die sowohl eine russische Ladung als auch eine nicht sanktionierte Ladung transportieren. Sie treten in den russischen Markt ein und verlassen ihn wieder und versuchen, dort Handel zu treiben, wo es erlaubt ist, alles unterhalb der Marktpreise.»

Russland stütze sich auf bis zu 800 dieser flexiblen Öltanker. Obwohl sie sich hinter einer Vielzahl von Briefkastenfirmen zu verbergen versuchten, sei es möglich, diesen flexiblen Tankern auf die Spur zu kommen. «Ein Schiff muss anlegen, wenn es eine Ladung transportiert», betont Wright. «Früher oder später muss es in einen Hafen einlaufen, und wenn es dort einläuft, muss es in den meisten Fällen seinen Transponder wieder aktiviert haben.»

Wichtig fürs Gleichgewicht des Marktes

Das sei der Moment, in dem man mit der Identifizierung des Schiffes beginnen und seine Geschichte zurückverfolgen könne, mit dem Ziel festzustellen, woher es kommt und was es transportiert. «Auch wenn wir nicht wissen, wo sich jedes Schiff befindet, das seinen Transponder auf See ausgeschaltet hat, werden wir in der Lage sein, es zu identifizieren», versichert Wright. «Und in dem Moment, in dem die Schiffe ihre Ladungen löschen, beginnen wir gewissermassen, das Puzzle zu lösen.»

Schattenflotten sind auch ein ökologisches Risiko

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Die Schattenflotten stellen auch eine ökologische Gefahr dar. Diese Schiffe hätten das Potenzial, in einem Land erhebliche Schäden anzurichten, warnt Marianne Peron-Doise vom Institut für internationale und strategische Beziehungen (IRIS) in Paris. Denn oft handele es sich um alte Öltanker am Ende ihrer Lebensdauer, die schlecht gewartet und ohne jegliche Versicherung unterwegs seien.

«Norwegen sieht regelmässig vor seinen Küsten alte Öltanker vorbeifahren, die Kollisions- oder Havarierisiken darstellen», betont die Forscherin. Komme es zu einem Unfall, müsse das Küstenland die Umweltschäden bewältigen. Die Schiffe seien oft nicht versichert oder gehörten Reedern, die unmöglich zu identifizieren seien, versteckt hinter Briefkastenfirmen.

Die Toleranz des Westens gegenüber diesen Schiffen hat nach Ansicht von Peron-Doise also ihren Preis: Man akzeptiere, dass eine echte ökologische Zeitbombe direkt vor den eigenen Küsten navigiere.

Die Methoden der Schattenflotte sind also bekannt. Aber die westlichen Länder tolerieren diesen Schwarzmarkt. Für Paul Tourret ist dieser russische Schmuggel ein notwendiges Übel, um einen Preisanstieg zu vermeiden und unsere Wirtschaft über Wasser zu halten. «Heute liegt das Erdöl unter 100 Dollar, weil sich das weltweite System neu ausbalanciert hat», erläutert er. «Im Grossen und Ganzen greifen wir auf andere Ressourcen zurück, aber zweifellos trägt auch das russische Erdöl dazu bei, auch das der Schattenflotte.»

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RTS, La Matinale, 18.6.2026, 7 Uhr; herb

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