Das «Tudor-Herz» aus 24-karätigem Gold war im Dezember 2019 von einem Sammler in Mittelengland bei einem ausgetrockneten Teich entdeckt worden. Der Besitzer eines Cafés in Birmingham hatte sich erst sechs Monate zuvor einen Metalldetektor angeschafft, um die Umgebung nach wertvollen Gegenständen abzusuchen.
Nach britischem Recht ist jede Person, die einen Gegenstand findet, der als Nationalschatz eingestuft werden könnte, verpflichtet, dies den Behörden zu melden. Nach dieser Meldung kümmerte sich das British Museum in London um die Bewertung des Anhängers.
Und das Museum erhielt ein vorrangiges Recht zum Erwerb des wertvollen Gegenstands. Im Oktober lancierte es dafür einen Spendenaufruf.
Inzwischen hat es nach eigenen Angaben von 45'000 Personen 380'000 Pfund (400'000 Franken) an Spenden erhalten. Das entspricht rund zehn Prozent des Kaufpreises von 3.5 Millionen Pfund (3.66 Millionen Franken).
Inschrift in Altfranzösisch
Dieses raffinierte Schmuckstück ist mit emaillierten Motiven verziert. Es hängt an einer goldenen Kette mit 75 Gliedern, die befestigt wird durch einen Verschluss in Form einer Hand, die aus einer Wolke hervorkommt. Das war damals eine gebräuchliche Ikonografie, um die Hand Gottes zu symbolisieren. Jedes Element des Schmuckstücks wurde aus reinstem Gold gefertigt.
Der Anhänger ist in mehrfacher Hinsicht ein Schatz: Erstens, weil er mit Edelsteinen verziert ist. Aber auch, weil er ein bemerkenswertes Beispiel ist für das Handwerk des 16. Jahrhunderts, wie das Museum in einer Mitteilung hervorhob. Und es ist das einzige Schmuckstück dieser Art aus der Zeit der Hochzeit von Heinrich VIII. mit Katharina von Aragon (siehe Box).
Es stellt die weiss-rote Tudor-Rose dar, das heraldische Blumenemblem dieser Dynastie, begleitet von einem halben Granatapfel, dem Symbol der Stadt Granada, die von Katharinas Eltern, Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien, zurückerobert wurde.
Darunter trägt ein Banner die Inschrift «tous iors», was auf Altfranzösisch «immer» heisst. Die Rückseite ist mit den Initialen «H» und «K» verziert, die durch eine Kordel mit Quasten verbunden sind.
Das Tudor-Herz auf Tournee
«Nachforschungen des British Museum haben ergeben, dass der Anhänger ‹Tudor Heart› hergestellt wurde, um die Verlobung ihrer zweijährigen Tochter, Prinzessin Mary, mit dem acht Monate alten französischen Thronfolger im Jahr 1518 zu feiern», heisst es in der Mitteilung der Institution. Die Hochzeit zwischen den beiden fand nie statt. Mary wurde 1553 zur ersten Königin von England aus eigenem Recht gekrönt.
Nachricht von RTS zum Thema (dt. Untertitel):
«Der Erfolg der Kampagne zeigt, wie die Geschichte die Vorstellungskraft zu wecken vermag und erklärt, warum Gegenstände wie das Tudor-Herz sich in einem Museum befinden müssen», sagte der Direktor des British Museum, Nicholas Cullinan, gemäss der Mitteilung.
Der wertvolle Gegenstand soll in der ständigen Sammlung des Museums ausgestellt werden. Ausserdem wird eine nationale Tournee vorbereitet, damit «alle Bewohner des Vereinigten Königreichs die Chance haben, das Tudor-Herz zu sehen und zu bewundern».