Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Kokain-Lieferungen nach Europa Europas Einfallstor verliert an Bedeutung

Europa wird besser im Kampf gegen den Drogenhandel – zum Beispiel am Hafen von Antwerpen. Doch die kriminellen Organisationen weichen aus: auf neue Routen und Strategien.

Antwerpen ist einer der grössten Häfen der Welt. Und damit Knotenpunkt für Drogen, die aus Südamerika via Frachtschiffe nach Europa kommen – dem inzwischen wichtigsten Absatzmarkt für Kokain.

55 Tonnen Kokain wurden 2025 am Hafen von Antwerpen beschlagnahmt, das haben die belgischen Zollbehörden kürzlich bekanntgegeben – mehr als im Vorjahr, aber deutlich weniger als im Rekordjahr 2023, als den Behörden in Antwerpen insgesamt 116 Tonnen Kokain ins Netz gingen.

Die Behörden interpretieren diesen Rückgang vorsichtig. Der Kokainhandel nehme nicht ab, sagen auch Beobachterinnen. Die kriminellen Netzwerke würden zunehmend auf alternative Methoden und Routen setzen – und auf andere, kleinere Häfen als Antwerpen.

Neue Technologie hilft

Die neusten Daten aus Antwerpen seien dennoch ermutigend, findet Anna Sergi, Professorin an der Universität Bologna und Expertin für Mafia und internationalen Drogenhandel: «Wir sehen eine Verbesserung bei der Bekämpfung des Drogenhandels», sagt sie gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz RSI.

Zollbeamter in Lagerhalle mit Kisten.
Legende: Bananen als Versteck: Ein belgischer Zollbeamter am Hafen von Antwerpen mit einer Lieferung, die durchsucht werden soll. Keystone

Der Kampf gegen den Drogenhandel in Antwerpen ist effektiver geworden. Dank neuer, leistungsfähigerer Scan-Geräte habe man im vergangenen Jahr über 72’000 als risikoreich eingestufte Container untersuchen können, sagen die Behörden in Antwerpen.

Kleinere Ladungen, neue Routen

Doch auch die andere Seite lässt sich immer Neues einfallen: So fanden sich Drogen zum Beispiel in falschen Bananen, in flüssiger Form in falschen Limonaden, aber auch in Holzpaletten. Zudem verschicken die Drogenhändler immer mehr, dafür kleinere Ladungen, um grosse Verluste zu vermeiden. Und sie nutzen neue Routen.

Diskutieren Sie mit:

Laut dem belgischen Zoll ist das westafrikanische Ghana mittlerweile das drittwichtigste Versandland. «Das zeigt die grundlegende Bedeutung Westafrikas für den Drogenhandel», sagt Expertin Anna Sergi. Der Drogenhandel verlagere sich seit Jahren dorthin.

Denn afrikanische Häfen würden allgemein wichtiger für die internationale Schifffahrt, das mache sie auch attraktiv für Kriminelle. Auch sei die Zusammenarbeit der europäischen Ermittler mit den verschiedenen afrikanischen Ländern wenig entwickelt. Hinzu komme die grosse Korruption, so die Professorin.

Viele schauen nicht hin

Das Problem geht über die Häfen hinaus: Belgien etwa wurde in den letzten Monaten von Schiessereien erschüttert, am helllichten Tag in der Hauptstadt Brüssel. Ursache waren Auseinandersetzungen zwischen Drogenbanden.

Expertin Anna Sergi im Interview mit RSI (dt. Untertitel):

Die Spezialistin sagt, das Drogengeld sei verlockend für viele. Allzu oft werde nicht genau hingeschaut, weil dieses Geld dann in die legale Wirtschaft reinvestiert werde.

In Belgien wird mittlerweile die Forderung laut, die Politik müsse mehr tun gegen die Macht des organisierten Verbrechens – und gegen den Einfluss des Drogenhandels in der Wirtschaft.

SRF4News, 27.1.2026, 14 Uhr; wilh

Meistgelesene Artikel