Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Krankheitsverbreitung Pest bis Hantavirus – warum Schiffe oft Quelle von Epidemien sind

Das Schiff Hondius, das beim Hantavirus eine Schlüsselrolle einnimmt, erinnert daran: Schiffe sind seit Jahrhunderten Verbreiter von Krankheiten. Doch warum?

Bereits seit der Antike sind Häfen wichtige Transitstellen – nicht nur für Waren und Reisende, sondern auch für Krankheiten. Der jüngste Fall der Hondius, eines Kreuzfahrtschiffes, dessen Passagiere und Besatzung vom Hantavirus betroffen waren und kürzlich in Teneriffa von Bord gingen, macht dies wieder bewusst.

Transporteure und Brutstätten

Schiffe waren schon immer bevorzugte Vektoren für Krankheitserreger. Dies zeigte sich 1347, als grosse genuesische Schiffe unwissentlich mit Pestratten an Bord an der Krim anlegten. Es war der Anfang des «Schwarzen Todes».

«Von da an wird die Seefahrt als Risiko identifiziert und es gab erste Schutzmassnahmen, insbesondere in Europa», erklärt Benoît Pouget, Dozent für Zeitgeschichte an der französischen Hochschule Science Po Aix, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS.

Der Bericht von RTS mit deutschen Untertiteln

Man habe bereits da erkannt, dass Schiffe sowohl Transporteur als auch Brutstätte von Krankheiten sind. Neben der schwarzen Pest begünstigten die langen Seereisen auf engstem Raum auch die Ausbreitung von Cholera, Typhus oder Tuberkulose. Als Reaktion darauf entstanden dann die ersten Lazarette – isolierte Quarantäneräume auf Inseln oder am Rande von Häfen. 40 Tage Isolation, inspiriert einerseits von den Theorien von Hippokrates, andererseits von Jesus’ Fastenzeit.

Diese symbolträchtige Zahl hat sich anschliessend ständig weiterentwickelt, vornehmlich durch wirtschaftlichen Druck. «Es gab eine sehr starke Tendenz, den Handel zu erleichtern, wodurch die Anzahl Quarantänetage gesenkt wurde», erklärt Pouget weiter.

Ab dem 14. Jahrhundert folgte dann das Räuchern. Mittels Rauch sollte die Luft gereinigt und so Epidemien eingedämmt werden. Parallel dazu verlangten einige Nationen die Anwesenheit von Medizinpersonal an Bord der Schiffe, während sich die Häfen noch ausgefeiltere Überwachungssysteme überlegten.

Grosses Schiff 'Hondius' mit Beiboot im Meer.
Legende: «Die Zirkulation von Krankheitserregern ist etwas Gewöhnliches», sagt Benoît Pouget zu den aktuellen Hantavirus-Fällen. KEYSTONE/EPA EFE/RAMON DE LA ROCHA

Die Revolution kam aber durch Antibiotika und Impfungen, welche die Lazarette und Quarantänegebäude nach und nach obsolet machten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und später mit dem Aufschwung des Luftverkehrs sollten sie schliesslich ganz verschwinden

Nicht der Panik nachgeben

Auch die Wissenschaft blickt immer wieder auf Krankheitsfälle in der Schifffahrt – «weil es sich um beengte Räume handelt», wie Vikram Niranjan erklärt. Er ist Assistenzprofessor für öffentliche Gesundheit an der Universität Limerick in Irland. Er hat einen Artikel über die Hondius verfasst. Ein weiteres, modernes Paradebeispiel für ihn, ist der Fall der «Diamond Princess» 2020: 3700 Passagiere waren hier mit Covid-19 an Bord isoliert.

Niranjan vertritt die Meinung, dass diese «schwimmenden Städte» ein «einzigartiges Fenster» seien, um die Ausbreitung von Infektionen zu untersuchen.

Schliesslich lehren die alte und jüngere Geschichte wichtige Lektionen, auch für den aktuellen Hantavirus-Fall: Man solle nicht der Panik nachgeben. «Die Zirkulation von Krankheitserregern ist etwas Gewöhnliches», so Benoît Pouget. Er zeigt sich auch überrascht über die mediale Aufregung rund um das Hantavirus, da der Ausbruch sehr begrenzt blieb.

Zwischen 2018 und 2019 hatten in Argentinien bereits eine Reihe von Hantavirus-Infektionen zu reden gegeben. Damals gab es 34 Fälle und 11 Todesfälle. Isolationsmassnahmen waren auch da der Schlüssel, die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Diskutieren Sie mit:

RTS Tout un monde, 13.05.2026, 8:13 Uhr

Meistgelesene Artikel