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Verdoppelte Infektionszahlen Hantavirus-Ausbruch rückt Argentinien in den Fokus

Nicht die Angst vor einer Pandemie steht in Argentinien im Vordergrund, sondern Sorgen um Image und Krisenmanagement.

Der Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik sorgt weiter für viele offene Fragen. Noch ist nicht vollständig geklärt, wie dieses gefährliche Virus überhaupt aufs Schiff gelangt ist. Der Fokus richtet sich vor allem auf Argentinien. Von dort ist das Kreuzfahrtschiff losgefahren, die Infektionszahlen mit dem Hantavirus haben sich dort zuletzt verdoppelt.

Expertinnen und Experten vermuten nun, dass der Anstieg der Fälle mit dem Klimawandel zusammenhängen könnte. Mehr Hitze, lange Trockenperioden und anschiessend wieder starke Regenfälle könnten ideale Bedingungen für Nagetiere schaffen, die das Virus übertragen.

Mehr Regen, mehr Nagetiere, mehr Risiko

Studien aus Nordwest-Argentinien zeigen einen möglichen Zusammenhang zwischen Regenfällen und später steigenden Nagetierpopulationen. SRF-Südamerikakorrespondentin Karen Naundorf: «Mehr Vegetation bedeutet mehr Nahrung für die Tiere – und damit mehr Tiere. So steigt das Risiko für Menschen, mit dem Virus in Kontakt zu kommen.»

Behörde: Passagiere haben sich nicht in Feuerland angesteckt

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Hafen von Ushuaia mit Segelbooten und schneebedeckten Bergen.
Legende: Die Hondius war am 1. April von der Provinzhauptstadt Ushuaia aus in See gestochen. Später wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle registriert. Drei dieser acht Personen starben. (08.05.2026) Reuters/Horacio Soria

Der Ursprung des Hantavirus-Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius liegt nach Einschätzung der örtlichen Behörden nicht in der argentinischen Provinz Tierra del Fuego (Feuerland). Ein niederländisches Paar, das an der Infektion starb, war nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Tierra del Fuego nach einer monatelangen Reise durch ganz Argentinien, Chile und Uruguay am 29. März in Ushuaia eingetroffen und hatte sich am 1. April auf der Hondius eingeschifft.

Bereits am 6. April hätten sie erste Symptome gezeigt, die Inkubationszeit des Hantavirus betrage allerdings mindestens zwei bis drei Wochen. «Diese Zeiten passen nicht zu einer Ansteckung in Tierra del Fuego», sagte der Direktor für Epidemiologie im Gesundheitsministerium der Provinz im äussersten Süden des Landes, Juan Petrina.

Wo sich die Menschen mit dem Virus infiziert haben, ist noch immer unklar. Wissenschaftler des argentinischen Forschungsinstituts Malbrán sollen in Ushuaia nun Nagetiere einfangen und auf das Virus untersuchen. Hantaviren werden meist durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen.

Hantavirus-Fälle gibt es in Argentinien seit Jahrzehnten. Seit 1996 gilt eine Meldepflicht. Grössere Reaktionen der Behörden gab es allerdings meist erst bei massiven Ausbrüchen. So gibt es laut Naundorf immer wieder Fälle, in denen wertvolle Zeit verloren geht.

2018/2019: Ausbruch mit elf Toten in Patagonien

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Besonders prägend war ein Ausbruch 2018/2019 in Patagonien. Damals kam es nachweislich auch zu Übertragung zwischen Menschen. Insgesamt wurden 34 Infektionen bestätigt, elf Menschen sind gestorben.

Die Behörden reagierten damals mit strikten Massnahmen: 80 Kontaktpersonen wurden isoliert, die sozialen Kontakte eingeschränkt, es wurden Laboranalysen durchgeführt. Der Ausbruch konnte so eingedämmt werden.

Anfang des Jahres etwa starb ein 14-Jähriger in der Provinz Buenos Aires nach einer zunächst falsch eingeschätzten Krankheit. Der Jugendliche wurde zuerst mit Ibuprofen nach Hause geschickt. Erst später wurde eine Hantavirus-Infektion festgestellt.

«Zu einem grösseren Ausbruch kam es zwar nicht.» Der Fall gelte aber als Beispiel dafür, dass die Gefahr weiterhin unterschätzt werde, sagt Karen Naundorf. «Die Behörden haben nicht wirklich aus dem letzten grossen Ausbruch gelernt. Sie behandeln Hantavirusfälle oft eher wie eine Grippe.»

Hantavirus-Ausbruch trifft politischen Nerv

In Argentinien beschäftigt der aktuelle Ausbruch nicht vorwiegend wegen der Angst vor einer möglichen internationalen Gesundheitskrise. «Auf der einen Seite steht die Imagefrage, wenn Argentinien plötzlich im Zentrum eines internationalen Ausbruchs stünde», sagt die Korrespondentin.

Die zweite und viel präsentere Frage trifft einen politischen Nerv: Präsident Javier Milei hatte angekündigt, dem Beispiel der USA zu folgen und den Austritt Argentiniens aus der Welt­gesundheits­organisation (WHO) zu beantragen. Diesen Schritt hat er mit Kritik an der Pandemiepolitik begründet.

Javier Milei in Anzug spricht vor Mikrofonen.
Legende: Milei wirft der WHO vor, während der Coronapandemie wissenschaftlich nicht abgestützte Massnahmen unterstützt und die Souveränität der Staaten verletzt zu haben. Sie sei auch politisch beeinflusst. (26.03.2024) Reuters/Agustin Marcarian

«Nun stellt das Hantavirus diese Haltung auf die Probe», sagt Naundorf. Gerade der aktuelle Hantavirus-Fall zeige, wie wichtig internationale Zusammenarbeit bei Krankheitsausbrüchen bleibe: WHO-Meldesysteme, nationale Kontaktstellen, Laboranalysen in mehreren Ländern und grenzüberschreitende Nachverfolgung spielten eine zentrale Rolle.

Die entscheidende Frage sei deshalb derzeit weniger, ob eine neue Pandemie drohe, sagt Naundorf. Vielmehr gehe es darum, ob ein Staat, der seine Gesundheitsstrukturen ausdünne und sich politisch von internationalen Organisationen entferne, bei einem internationalen Ausbruch noch schnell und glaubwürdig reagieren könne.

SRF 4 News, 11.05.2026, 06:40 Uhr ; 

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