Der Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik sorgt weiter für viele offene Fragen. Noch ist nicht vollständig geklärt, wie dieses gefährliche Virus überhaupt aufs Schiff gelangt ist. Der Fokus richtet sich vor allem auf Argentinien. Von dort ist das Kreuzfahrtschiff losgefahren, die Infektionszahlen mit dem Hantavirus haben sich dort zuletzt verdoppelt.
Expertinnen und Experten vermuten nun, dass der Anstieg der Fälle mit dem Klimawandel zusammenhängen könnte. Mehr Hitze, lange Trockenperioden und anschiessend wieder starke Regenfälle könnten ideale Bedingungen für Nagetiere schaffen, die das Virus übertragen.
Mehr Regen, mehr Nagetiere, mehr Risiko
Studien aus Nordwest-Argentinien zeigen einen möglichen Zusammenhang zwischen Regenfällen und später steigenden Nagetierpopulationen. SRF-Südamerikakorrespondentin Karen Naundorf: «Mehr Vegetation bedeutet mehr Nahrung für die Tiere – und damit mehr Tiere. So steigt das Risiko für Menschen, mit dem Virus in Kontakt zu kommen.»
Hantavirus-Fälle gibt es in Argentinien seit Jahrzehnten. Seit 1996 gilt eine Meldepflicht. Grössere Reaktionen der Behörden gab es allerdings meist erst bei massiven Ausbrüchen. So gibt es laut Naundorf immer wieder Fälle, in denen wertvolle Zeit verloren geht.
Anfang des Jahres etwa starb ein 14-Jähriger in der Provinz Buenos Aires nach einer zunächst falsch eingeschätzten Krankheit. Der Jugendliche wurde zuerst mit Ibuprofen nach Hause geschickt. Erst später wurde eine Hantavirus-Infektion festgestellt.
«Zu einem grösseren Ausbruch kam es zwar nicht.» Der Fall gelte aber als Beispiel dafür, dass die Gefahr weiterhin unterschätzt werde, sagt Karen Naundorf. «Die Behörden haben nicht wirklich aus dem letzten grossen Ausbruch gelernt. Sie behandeln Hantavirusfälle oft eher wie eine Grippe.»
Hantavirus-Ausbruch trifft politischen Nerv
In Argentinien beschäftigt der aktuelle Ausbruch nicht vorwiegend wegen der Angst vor einer möglichen internationalen Gesundheitskrise. «Auf der einen Seite steht die Imagefrage, wenn Argentinien plötzlich im Zentrum eines internationalen Ausbruchs stünde», sagt die Korrespondentin.
Die zweite und viel präsentere Frage trifft einen politischen Nerv: Präsident Javier Milei hatte angekündigt, dem Beispiel der USA zu folgen und den Austritt Argentiniens aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu beantragen. Diesen Schritt hat er mit Kritik an der Pandemiepolitik begründet.
«Nun stellt das Hantavirus diese Haltung auf die Probe», sagt Naundorf. Gerade der aktuelle Hantavirus-Fall zeige, wie wichtig internationale Zusammenarbeit bei Krankheitsausbrüchen bleibe: WHO-Meldesysteme, nationale Kontaktstellen, Laboranalysen in mehreren Ländern und grenzüberschreitende Nachverfolgung spielten eine zentrale Rolle.
Die entscheidende Frage sei deshalb derzeit weniger, ob eine neue Pandemie drohe, sagt Naundorf. Vielmehr gehe es darum, ob ein Staat, der seine Gesundheitsstrukturen ausdünne und sich politisch von internationalen Organisationen entferne, bei einem internationalen Ausbruch noch schnell und glaubwürdig reagieren könne.