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Nach Angriffen auf Öldepots Saurer Regen im Iran und andere Umweltschäden des Krieges

Die Bombardierungen von Erdöldepots in den letzten Tagen bergen schwere Risiken für Ökosysteme und Bevölkerung. Kurz- und langfristig.

Kriege haben nicht nur eine vernichtende Wirkung auf Menschen und ihre Infrastruktur, sondern auch auf die Umwelt. Im Fall des Iran-Kriegs ist es aktuell vor allem der saure Regen, der sich verheerend auf die Natur auswirkt.

Saurer Regen entsteht durch den vielen Rauch, der nach Explosionen in den Himmel aufsteigt. So wie am vergangenen Sonntag, als sich durch israelische Angriffe auf vier iranische Erdöldepots der Himmel über Teheran schwarz färbte.

Nachtaufnahme von Stadt mit grossem Rauch am Horizont.
Legende: In Teheran steigt am 8. März eine Rauchwolke von einem Erdöldepot auf. Keystone

Der iranische Zivilschutz schlug Alarm und rief die Bevölkerung dazu auf, zu Hause zu bleiben, um sich vor diesem giftigen Regen zu schützen.

Der giftige Regen ist aber auch fern des Kriegs ein häufig auftretendes Phänomen, in vielen industrialisierten Regionen. Er entsteht durch die Wechselwirkung zwischen Wasserdampf und bestimmten Gasen in der Atmosphäre, die bei der Verbrennung von Kohle und Erdöl entstehen.

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Besonders betroffen sind aquatische Ökosysteme. Wenn saurer Regen in Gewässer fällt, können beispielsweise die meisten Fischeier nicht mehr schlüpfen. In starken Fällen kann die Säure gar zum Tod von Fischen führen.

Auch Pflanzen können geschädigt werden. Saurer Regen wäscht Mineralien und Nährstoffe aus dem Boden aus, die für das Wachstum von Bäumen notwendig sind.

Für den Menschen stellt saurer Regen beim direkten Kontakt mit Niederschlägen normalerweise keine unmittelbare Gefahr dar. Allerdings kann er über den Wasserkreislauf auch in Regionen gelangen, die weit vom Entstehungsort entfernt sind.

Für Menschen eher Gefahr durch Rauchgase

Im Fall der aktuellen Ereignisse im Iran gilt: Zwar wurde tatsächlich saurer Regen beobachtet, doch die grössere direkte Gefahr für die Bevölkerung geht nicht von diesem aus, sondern von den giftigen Rauchgasen der Explosionen.

«Diese enthalten toxische Schadstoffe sowie krebserregende Verbindungen, die ebenfalls in den Regen gelangt sind», erklärt Gabriel da Silva, Professor an der Universität Melbourne, auf der Online-Plattform «The Conversation». Diese Schadstoffe können laut iranischen Behörden chemische Verätzungen verursachen.

«Kurzfristig könnten Menschen, die dem schwarzen Rauch im Iran ausgesetzt sind, Kopfschmerzen oder Atemprobleme bekommen. Besonders, wenn sie bereits an Asthma oder Lungenerkrankungen leiden», ergänzt da Silva.

Rettungshelferin mit Maske vor dunklen Rauchwolken.
Legende: Iran, 8. März 2026: Ein Mitglied des Iranischen Roten Halbmonds geht durch den Rauch und schützt sich mit einer Maske. Keystone

Langfristig könnten «ultrafeine Partikel in der Luft, die über die Lunge in den Blutkreislauf gelangen, Krebs sowie neurologische und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen».

Die Umweltschäden des Krieges

Auch wenn sie gegenüber den menschlichen Opfern von Konflikten zweitrangig erscheinen, erhalten Umweltschäden durch Kriege heute zunehmend Aufmerksamkeit – auch wegen ihrer indirekten Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.

Bulldozer auf öligem Schlamm mit Rauch und Flammen im Hintergrund.
Legende: Das Burgan-Ölfeld in Kuwait wurde während des Zweiten Golfkriegs (1990–1991) schwer beschädigt. Irakische Truppen setzten Hunderte Ölquellen in Brand. Diese Sabotage verursachte massive Umweltkatastrophen, brennende Ölseen, und verdunkelte den Himmel über der Region. Derzeit läuft eine Sanierungsaktion. Keystone

Studien zeigen, dass die Schadstoffe aus den brennenden Ölfeldern während des Golfkriegs 1991 die Krebsfälle in Kuwait verdreifachten und die Häufigkeit von neurologischen Erkrankungen, Asthma und Allergien erhöhten.

Diese Erfahrung zeigt, dass lokale Umweltschäden durch Kriege – damals wie heute – weitreichende und oft unerwartete Folgen haben können.

 

Echo der Zeit, 9.3.2026, 18 Uhr; wilh

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