Während über Teheran Bomben fallen und das Regime die Region mit Raketen eindeckt, steht für die Märkte vor allem eine Folge des Kriegs im Vordergrund: der gestiegene Ölpreis.
Die jüngsten Entwicklungen führten zu Wochenbeginn zu extremen Schwankungen. Gestern war der Ölpreis erstmals seit Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022 wieder auf über 100 Dollar gestiegen.
Trump will Märkte beruhigen
Am Montagabend setzte bereits wieder eine Gegenbewegung ein – weiter beschleunigt von US-Präsident Donald Trump. «Ich denke, der Krieg ist so gut wie beendet», sagte er gegenüber CBS News.
Die Worte sind offenkundig wirtschaftlichem Druck geschuldet – der US-Präsident will die Märkte beruhigen.
Aufhorchen liess eine weitere Aussage des US-Präsidenten: So erklärte Trump, man wolle ölbezogene Sanktionen lockern. «Vielleicht kehren sie auch gar nicht mehr zurück, weil alles so friedlich ist.»
Die USA haben derzeit Ölsanktionen gegen Russland, Iran und Venezuela in Kraft. Beobachterinnen und Beobachter werten Trumps Äusserung aber vor allem als Signal an Moskau.
Öl über 100 Dollar – und die Stimme Russlands in der Weltwirtschaft und der Geopolitik wird noch lauter.
Klar ist: An einem Sturz des Regimes in Teheran kann der Kreml kein Interesse haben. Die aktuellen Entwicklungen auf dem Ölmarkt kommen Russland aber entgegen. «Öl über 100 Dollar – und die Stimme Russlands in der Weltwirtschaft und der Geopolitik wird noch lauter», jubelte der Kremlbeamte Kirill Dmitrijew in den sozialen Netzwerken.
Russische Kriegskasse profitiert
Moskau dürfte auch daran interessiert sein, dass sich der Konflikt hinzieht. «Je länger der Krieg im Nahen Osten dauert, umso stärker steigt der Ölpreis – und damit können auch die Russen wieder mehr für ihr Öl verlangen», sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Sven Zaugg.
Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft finanzieren im Wesentlichen den russischen Staatshaushalt. Und fliessen gleich weiter in die russische Kriegsmaschinerie in der Ukraine. Deswegen hat Wladimir Putin seine Ölfirmen auch angewiesen, die aktuell hohe Nachfrage auszunutzen und so viel wie möglich zu exportieren.
Kreml hofft auf Milliardeneinnahmen
Die gestiegenen Preise und die Aussicht auf eine Lockerung der Sanktionen veranlassten Putin auch dazu, europäischen Ländern Öllieferungen anzubieten.
Russland war jahrelang ein wichtiger Energielieferant für Deutschland und andere EU-Länder. Mit Beginn des Ukrainekriegs wurde der russische Öl- und Gassektor mit EU-Sanktionen belegt. Seitdem hat Russland seine Exporte umgeleitet, Hauptabnehmer sind China und Indien. «Zuverlässige Partner», wie er sie nennt, findet Putin aber auch in Ungarn und der Slowakei.
Sollten die USA die Sanktionen lockern, könnte Russland wieder mehr Öl zu höheren Preisen exportieren. Derzeit kostet ein Fass russisches Öl 59 Dollar. «In Moskau träumt man davon, dass der Preis auf durchschnittlich 70 Dollar steigen könnte», sagt Zaugg. Damit könnte der russische Staat Mehreinnahmen von gut 20 Milliarden Franken gegenüber dem Vorjahr generieren.
Hohe Energiepreise – teurere Aufrüstung
«Ins Fäustchen lacht sich Russland aber auch aus einem anderen Grund», sagt Zaugg abschliessend, denn «die Rüstungsindustrie ist ein sehr energieintensives Geschäft. Energie ist für die Waffenproduktion ein grosser Kostenblock.»
Je länger der Krieg im Iran dauert, umso mehr müssen die europäischen Rüstungsproduzenten für die Aufrüstung ausgeben – und damit auch für den Waffenexport an die Ukraine.