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Krieg im Iran USA und Israel drückend überlegen – aber ohne Exit-Strategie

Experten des renommierten Londoner Strategieinstituts IISS ziehen eine Zwischenbilanz zum Krieg in Iran.

Mehr als 3000 Ziele haben die USA und Israel mittlerweile im Iran getroffen. Der Krieg erreichte damit in wenigen Tagen eine weitaus höhere Intensität als fast alle früheren Kriege im Nahen Osten, so der frühere britische Luftwaffengeneral Martin Sampson.

Zwei Männer in Anzügen in einem gelben Raum.
Legende: Es zeige sich auch, dass die USA imstande und vorläufig willens seien, noch mehr Mittel in die Schlacht zu werfen. «Gleichzeitig hat der Iran bereits massiv militärische Mittel eingebüsst», so Sampson. Keystone/EPA/Mark Schiefelbein

Raketen seien offenkundig knapp. Die Zahl von Abschüssen wurde erheblich reduziert. Teheran verfüge ausserdem über keine Luftabwehr mehr. Hingegen sei das iranische Regime noch immer entscheidungsfähig, wie die Einsetzung von Modschtaba Chamenei als Nachfolger seines Vaters zeige.

Und es hat zahlreiche seiner militärischen Mittel bisher gar nicht eingesetzt: Die Arsenale an Drohnen dürften weiterhin gut gefüllt sein. Seine Marschflugkörper kamen kaum zum Einsatz. Ebensowenig Dutzende von schnellen und bewaffneten Patrouillenboote im Persischen Golf.

Und falls die USA sich entschlössen, die derzeit blockierte Strasse von Hormus wieder für die Handelsschifffahrt zu öffnen, müssten sie dafür grosse Ressourcen einsetzen. Denn der Iran sei im ganzen Persischen Golf fähig zu umfangreichen Störmanövern.

Iran will Krieg internationalisieren

Der Iran hat mittlerweile zwölf Länder mit seinen Gegenschlägen angegriffen. Es ist ihm so gelungen, den Krieg zu internationalisieren. «Die Golfstaaten stellen fest, dass all ihre jahrelangen Versuche, sich mit Teheran zu arrangieren und gar zwischen dem Iran und den USA zu vermitteln, sie nicht schützen», sagt Hasan Alhasan vom IISS.

So sehr man sich in den Hauptstädten der Region ein Ende des iranischen Regimes wünscht, so wenig möchte man, dass der Iran als Land zerfällt.
Autor: Emile Hokayem

Es gehe der iranischen Führung längst nicht mehr bloss darum, die US-Basen in der Region zu beschiessen, sondern ganz gezielt auch die zivile Infrastruktur – von der Meerwasserentsalzung über Elektrizitätswerke bis zu Öl- und Gasanlagen. So will man Weltmärkten die Rohstoffe der Golfstaaten entziehen, damit die Preise hochtreiben und Druck erzeugen auf US-Präsident Donald Trump, den Krieg einzustellen.

Greifen Golfstaaten ein?

In den Golfstaaten wird nun so intensiv wie kontrovers diskutiert, ob man militärisch zurückschlagen solle gegen den Iran. Noch zögere man. Doch würden bei einem iranischen Angriff sehr viele Menschen getötet, würde das wohl einen direkten Kriegseintritt der arabischen Nachbarn provozieren.

Person in schwarzer Robe sitzt auf einem Hügel vor dunklen Wolken.
Legende: Auch was Minen, Cyberkampfmittel und Terrorakte betrifft, habe Teheran durchaus noch Droh- und Operationspotenzial, schätzt Sampson. Bild: Frau in Teheran, am Horizont brennt eine Ölraffinerie nach einem Luftschlag (8. März) Keystone/EPA/ ABEDIN TAHERKENAREH

«So sehr man sich in den Hauptstädten der Region ein Ende des iranischen Regimes wünscht, so wenig möchte man, dass der Iran als Land zerfällt», sagt Emile Hokayem vom IISS. Panik lösten daher Informationen aus, wonach Washington die Kurden in den Krieg hineinziehen will, sozusagen als lokale Speerspitze gegen die Führung in Teheran.

Doch offenkundig sind die Kurden an einer solchen Rolle nicht interessiert, nachdem sie von den USA unter Trump in Syrien abrupt im Stich gelassen wurden. Ebenso im Stich gelassen fühlen sich indes die Golfstaaten.

Wie raus aus dem Krieg?

Nachdem die USA und Israel einen Krieg führen, den sie selber nie wollten und unter dem sie leiden, habe das Vertrauen in die frühere Schutzmacht USA enorm gelitten – und das wohl nachhaltig, sagt Hasan Alhasan.

Im Iran-Krieg gibt es also zwei Dominatoren, die USA und Israel. Es gibt einen krass Unterlegenen, der indes noch keineswegs klein beigibt – den Iran. Und es gibt viele Opfer, in erster Linie die Golfstaaten, aber über die explodierenden Rohstoffpreise auch der Rest der Welt. Was einstweilen völlig fehlt, ist ein Ausweg, also ein erkennbares Ausstiegsszenario.

Echo der Zeit, 09.03.2026, 18 Uhr

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