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Nach Unfall im Kanton Waadt Vernichtender Bericht zum Einsturz eines Baugerüsts bei Lausanne

Ein riesiges Baugerüst krachte im Juli 2024 in einem Vorort von Lausanne zusammen. Es gab drei Tote und elf Verletzte. Jetzt übt ein Untersuchungsbericht vernichtende Kritik an den Firmen, die das Gerüst gebaut bzw. für die Kontrollen zuständig waren.

«Das eingestürzte Gerüst entsprach absolut nicht den geltenden Normen, weder den Regeln der Baukunst noch den Vorschriften der Lieferanten.» So steht es im Bericht eines Ingenieurbüros aus Montreux, das die Staatsanwaltschaft mit der Untersuchung beauftragt hatte. Insbesondere gegen die Gerüstbaufirma werden im Bericht Vorwürfe erhoben.

Laut dem Büro Petignat Cordoba Engineering ist der Hauptgrund für den Einsturz, dass das Gerüst in erheblichem Mass falsch dimensioniert war. Es sei nicht in der Lage gewesen, die auf den Informationstafeln angegebenen Lasten zu tragen.

Die Nachricht von RTS zum Untersuchungsbericht (dt. Untertitel)

Und weiter steht im Bericht: «Aufgrund der Konstruktionsmängel war die Struktur selbst für geringfügige Störungen anfällig, wie Wetterbedingungen oder Bewegungen auf der Baustelle. Das bedeutet, dass der Einsturz durch ein belangloses Ereignis ausgelöst werden konnte.»

Was genau den Einsturz ausgelöst hat, bleibe ungewiss, heisst es im Bericht. Das sei aber unerheblich. Für die Experten war die Frage nicht, «ob» dies geschehen würde, sondern «wann».

Unzureichende Kontrollen

Der Bericht bringt auch Mängel bei den Kontrollen auf der Baustelle zum Vorschein. Mehrere Überprüfungen von verschiedenen Stellen, insbesondere von OMA Consulting, hätten sich auf geringfügige Mängel konzentriert, ohne die Stabilität und die allgemeine Widerstandsfähigkeit der Struktur in Betracht zu ziehen.

Das vom Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) kontaktierte Unternehmen OMA Consulting erklärt, keinen Zugang zum Bericht gehabt zu haben und «daher keinen Kommentar abgeben zu können».

Ein Blumenkranz liegt vor den Überresten des eingestürzten Baugerüsts
Legende: So sah es im Sommer 2024 an der Unfallstelle bei Lausanne aus, an der ein riesiges Baugerüst eingestürzt war. KEYSTONE/Valentin Flauraud

Der Bericht unterstreicht, dass das Einsturzrisiko nicht einfach unterschätzt, sondern schlichtweg ignoriert wurde. Er präzisiert: «Die Unterdimensionierung war derart, dass es nicht notwendig war, über spezifische ingenieurtechnische Kompetenzen zu verfügen, um zu erkennen, dass ein potenziell ernstes Problem vorlag.»

Ein neues normgerechtes Gerüst

Nach dem Unfall wurde auf der Baustelle bei Lausanne ein neues Gerüst installiert. Dieses entspricht nun, nach Einschätzung derselben Experten, den geltenden Normen. Die maximal tragbare Last sei reduziert und die Widerstandsfähigkeit der Struktur erhöht worden.

Die Waadtländer Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage von RTS, das unabhängige Gutachten erhalten zu haben. Die Verfahrensparteien seien nun aufgefordert, sich innerhalb einer Frist von einem Monat dazu zu äussern.

RTS, Le Journal horaire, 15.1.2026, 16:02 Uhr;liea

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