Der Standort wurde kürzlich an einem geheimen Ort in der Romandie eröffnet. Sobald die ersten Körperspenden vorliegen, will das Swiss Human Institute of Forensic Taphonomy (SHIFT) dort mit der Testphase beginnen.
Der Ablauf ist bescheiden: Der oder die Verstorbene wird in ein Baumwolltuch gehüllt, auf ein Bett aus reifem Kompost gelegt und anschliessend mit pflanzlichem Häckselgut bedeckt. «Die Natur erledigt den Rest», sagt Vincent Varlet, Projektleiter und Professor für Taphonomie an der Universität Lausanne gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS. Nach rund neun Monaten sei der Körper vollständig zu Kompost umgewandelt.
Das SHIFT verfolgt dabei drei zentrale Ziele: Zum Einen soll das natürliche Biokompostieren als ökologische Alternative zu Erd- und Feuerbestattung geprüft werden. Zum Anderen erhofft man sich Fortschritte im Umgang mit humanitären Katastrophen. Zusätzlich sollen neue, bislang fehlende Daten für die Rechtsmedizin gewonnen werden.
«Bislang stützte sich die Forensik vor allem auf Beobachtungen – unsere Hypothesen lassen sich kaum verifizieren. Mit diesem Projekt können wir Zersetzungsprozesse systematisch verfolgen und überwachen und so besser verstehen, warum Körper sich auf bestimmte Weise zersetzen», erläutert Varlet. Der Kanton Waadt unterstützt das Vorhaben über vier Jahre hinweg mit mehr als einer Million Franken.
Unbedenklicher Kompost?
Der geheime Standort ist vor neugierigen Blicken und Wildtieren geschützt. Bei sachgemässer Durchführung gleiche das Verfahren gewöhnlichem Gartenkompost, betont Varlet: geruchslos und ohne Anziehungskraft auf Tiere. Voraussetzung sei, dass sämtliche organischen Materialien mit einer 40 bis 50 Zentimeter dicken Schicht aus Holzschnitzeln abgedeckt würden.
Doch die entscheidende Frage bleibt: Ist der entstehende Kompost tatsächlich unbedenklich? Genau das soll im Rahmen der Forschungen geklärt werden.
Wir müssen sicherstellen, dass der menschliche Kompost am Ende frei von toxikologisch relevanten physikalischen oder chemischen Bestandteilen ist.
Varlet sagt, es müsse sichergestellt werden, dass der menschliche Kompost am Ende frei von physikalischen oder chemischen Bestandteilen sei, die toxikologisch relevant sein könnten.
Zunächst gehe es darum, belastbare Daten zu erheben und ausreichend statistisches Material zu sammeln. Funktioniert das Verfahren zuverlässig? Könnten die sterblichen Überreste den Angehörigen zurückgegeben werden? Welchen gesundheitlichen und ethischen Status hätten sie? «All diesen Fragen wollen wir in den kommenden vier Jahren nachgehen», so Varlet.
Rückkehr in den Kreislauf der Natur
Über die ökologische Dimension hinaus, trifft die Idee der menschlichen Kompostierung ein tieferliegendes Begehren: den Wunsch, selbst im Tod Teil des natürlichen Kreislaufs zu bleiben. Dieses Bedürfnis teilen auch Mitglieder der Association Humusation Suisse, von denen einige bereits eine Körperspende zugesagt haben.
Deren Präsidentin, Sarah Joliat, schildert ihre persönliche Motivation: «Als ich meine Bestattungsvorsorge regelte, musste ich zwischen Kremation und Erdbestattung wählen – und wusste nicht, was ich ankreuzen sollte. Ich möchte weder verbrannt noch in einem Sarg beerdigt werden. So kam mir die Idee der Humusation. […] Ich habe gemerkt: Genau das ist es, was ich will.»