Der Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) ist vor drei Jahren ausgebrochen und hat nach Schätzungen einiger humanitärer Organisationen bereits mehr als 200'000 Menschen das Leben gekostet.
Bei der Finanzierung ihrer Militäroperationen stützen sich die Kriegsparteien auf die Beherrschung und Ausbeutung von Gebieten, Handelsrouten und natürlichen Ressourcen. Dadurch ist der Konflikt nach UNO-Angaben zu einem «sich selbst erhaltenden» Krieg geworden.
Nun hat ein neuer Bericht des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte untersucht, wie der Handel mit Gummiarabikum den Konflikt beeinflusst. Das ist ein Harz aus Akazienbäumen, das häufig in Erfrischungsgetränken, Süsswaren und Kosmetikprodukten verwendet wird.
Vor Beginn des Konflikts entfielen etwa 70 bis 80 Prozent der weltweiten Exporte an Rohgummiarabikum auf den Sudan.
Obwohl der Exportwert dieser Ressource vergleichsweise gering ist, bleibt sie laut dem Hochkommissariat eine lebenswichtige Einkommensquelle für Millionen Sudanesinnen und Sudanesen.
Wichtige Einnahmequelle
Der Bericht zeigt: Viele Produzenten, Händler und Familien, die von diesem Wirtschaftszweig abhängig sind, sind von Gefährdungen ihrer Sicherheit, willkürlichen Festnahmen, Plünderungen und Erpressungen betroffen – insbesondere durch die Konfliktparteien und ihre Verbündeten.
Im Mai 2025 sollen etwa in El-Nuhud im Bundesstaat West-Kordofan Gummiarabikum-Lagerhäuser sowie ein Teil des lokalen Marktes von den RSF geplündert worden sein. Die Bestände seien dort für den Export vorbereitet worden. Dies führte zu erheblichen Störungen des lokalen Handels.
Schwierige Rückverfolgbarkeit
Laut dem Bericht werden Teile der Produktion aus den von der sudanesischen Armee beherrschten Gebieten nach Port Sudan im Osten des Landes transportiert und von dort exportiert.
Dagegen gelangen grosse Mengen aus den von den RSF kontrollierten Gebieten über Schmuggelrouten in Nachbarstaaten.
Die UNO warnt ausserdem vor der Rolle einiger Nachbar- und Transitstaaten beim Handel mit dieser Ressource.
Gummiarabikum könne unter einer anderen Herkunftsangabe auf den Markt gelangen, was ihre Rückverfolgbarkeit und Überwachung erheblich erschwere.
Volker Türk, der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, rief die Regierungen dazu auf, die Mechanismen zur Rechenschaftspflicht, Rückverfolgbarkeit und regulatorischen Überwachung zu stärken. Ausserdem müsse für Opfer der Zugang zu Rechtsmitteln erleichtert werden.
«Unternehmen können nicht weiterhin blind agieren, wenn sie sich aus Wertschöpfungsketten beliefern lassen, die von Konflikten betroffen sind», sagte Türk.
Und er ergänzte: «Sie sollten verstärkte Sorgfaltspflichten einführen – insbesondere durch eine genauere Prüfung von Transportwegen, Zwischenhändlern, Dokumenten und möglichen Änderungen der Kennzeichnung – und sicherstellen, dass Betroffene Zugang zu sicheren und wirksamen Beschwerde- und Wiedergutmachungsmechanismen haben.»