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Krieg als Geschäftsmodell Kolumbianische Kämpfer im Sudan eingesetzt – Emirate involviert

Seit über drei Jahren bekämpfen sich die sudanesische Armee und die Miliz «Rapid Support Forces» RSF im Sudan. Schon länger ist klar, dass beide Kriegsparteien Unterstützung aus dem Ausland erhalten – die RSF-Miliz etwa von den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nun hat die Menschenrechts­organisation «Human Rights Watch» Informationen veröffentlicht, wonach Söldner aus Kolumbien in den Sudan gelangten – via Militär-Basen in den Emiraten – und an der Seite der RSF kämpften. Die SRF-Afrika-Korrespondentin Sarah Fluck schätzt diese neuen Informationen ein.

Sarah Fluck

Afrika-Korrespondentin

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Sarah Fluck ist seit 2024 Afrika-Korrespondentin von Radio SRF und lebt in der ugandischen Hauptstadt Kampala. Vor ihrem Engagement bei SRF war Fluck als freie Journalistin in Ostafrika tätig. Sie hat Afrikapolitik an der «School of Oriental and African Studies» (SOAS) in London studiert.

Was sagt der Bericht genau?

Gemäss dem Bericht von «Human Rights Watch» sollen bisher mindestens dreihundert kolumbianische Söldner für die «Rapid Support Forces» rekrutiert worden sein. Die meisten sind ehemalige Soldaten, die mehrheitlich über die Vereinigten Arabischen Emirate bis an die Front im Sudan gelangten.

Kolumbianische Kämpfer im Sudan Wie ist das zu erklären?

Die kolumbianischen Kämpfer wurden für viele Sudanesen besonders letzten Oktober sichtbar, während der brutalen Einnahme der Stadt El Fasher in der Region Darfur. Dort berichten Zeuginnen und Zeugen von «weissen Männern» mit modernen Helmen, Schutzwesten und Scharfschützengewehren mit Schalldämpfern. Sie sollen gemeinsam mit den «Rapid Support Forces» in und um El Fasher im Einsatz gewesen sein – während dort tausende Zivilistinnen und Zivilisten getötet wurden. Die kolumbianischen Söldner sollen zudem RSF-Einheiten und deren Kindersoldaten ausgebildet haben – unter anderem im Umgang mit Drohnen und Mörsern.

Rätselhafte Videos bereits 2024

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Erste Hinweise darauf, dass kolumbianische Kämpfer im Sudan aktiv waren, gab es bereits Ende 2024. Damals veröffentlichten Kämpfer der sudanesischen Armee plötzlich Videos aus der Wüste Darfurs in sozialen Medien. Darin halten die sudanesischen Soldaten mitten zwischen Munition und Militärfahrzeugen plötzlich einen Stapel kolumbianischer Pässe, Führerscheine und gar eine Metrokarte aus Bogota in die Kamera. Was damals noch wie einzelne rätselhafte Videos wirkte, wurde später plötzlich mitten im Krieg sichtbar.

Welche Rolle spielen die Emirate?

Die Emirate bestreiten vehement, etwas mit dem Sudan-Krieg zu tun zu haben. Gleichzeitig tauchen seit Jahren immer wieder Verbindungen in internationalen Untersuchungen auf. In mehreren Berichten wurden Waffenlieferungen und Frachtflüge dokumentiert, die aus dem Sudan – beziehungsweise von der RSF – direkt in Richtung Emirate führen.

Strategische Interessen: Gold und Rotes Meer

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Hinter den Verbindungen zwischen RSF und Emirate stehen strategische Interessen: Die RSF kontrollieren wichtige Goldgebiete in Darfur. Dieses Gold gelangt laut verschiedenen Untersuchungen oft über Dubai auf den Weltmarkt und finanziert der RSF wiederum den Krieg. Gleichzeitig liegt der Sudan strategisch am Roten Meer – also in einer Region, in der die Emirate seit Jahren ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss ausbauen wollen.

Der Bericht beschreibt nun sehr detailliert, wie rund um die RSF nun eben auch ein internationales Netzwerk für die Söldner aufgebaut wurde:  Im Zentrum steht laut Bericht eine Sicherheitsfirma aus Abu Dhabi mit direkten engen Verbindungen zur emiratischen Landesführung. Über diese Firma sollen kolumbianische Ex-Soldaten rekrutiert und schliesslich Richtung Sudan weitergeschleust worden sein

Maschinengewehr mit Patronengurt und sudanesischer Flagge.
Legende: Der RSF-Miliz werden schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Reuters/Umit Bektas

Weshalb ausgerechnet Söldner aus Kolumbien?

Kolumbien hat durch Jahrzehnte Bürgerkrieg extrem viele ehemalige Soldaten mit Kampferfahrung. Diese gelten international als sehr gut ausgebildet, besonders im Häuserkampf, im Umgang mit Drohnen oder als Scharfschützen. Gleichzeitig verdienen viele von ihnen nach ihrer Zeit in der Armee zuhause nur sehr wenig. Laut «Human Rights Watch» wurden den kolumbianischen Söldner für ihren Einsatz im Sudan monatlich in etwa dreitausend Dollar versprochen – plus Unterkunft und Transport. Für viele eine Menge Geld.

Was müsste geschehen, damit solche Netzwerke diesen Krieg nicht weiter antreiben?

Der heute Dienstag veröffentlichte Bericht zeigt sehr gut, dass der Sudan-Krieg im Moment fast wie ein internationales Geschäftsmodell funktioniert. Experten sagen deshalb: Man müsste genau diese Netzwerke angreifen. Also etwa Flugrouten überwachen, Firmen sanktionieren und Geldflüsse einfrieren. Gleichzeitig bräuchte es insgesamt viel mehr internationalen Druck auf alle Staaten, die diesen Krieg von aussen mittragen. Doch genau daran fehlt es bislang weitgehend.

Das Gespräch führte Iwan Lieberherr.

Echo der Zeit, 26.5.26, 18 Uhr ; 

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