Im Herbst 2025 startete die paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces (RSF) ihre finale Offensive auf El Fascher. Unter heftigem Beschuss wurden Zivilistinnen und Zivilisten vertrieben. Überlebende sahen, wie in einer Angriffswelle nach der anderen ihre Angehörigen verletzt oder getötet wurden. Die Streitkräfte der sudanesischen Armee zogen sich zurück, während die RSF die Kontrolle über die Stadt an sich riss.
Amnesty International hat nun einen neuen Bericht veröffentlicht, der auf 200 Seiten den Bürgerkrieg im Sudan dokumentiert. Die UNO bezeichnet den Krieg als die schwerste gesundheitliche und humanitäre Krise der Welt.
El Fascher war in der Region Darfur der letzte Verteidigungsposten der sudanesischen Armee gegen den Vormarsch der RSF. Das Gebiet ist aufgrund seiner Goldvorkommen und seiner Lage von besonderer strategischer Bedeutung.
Viele Zivilpersonen versuchten, in Richtung Tawila zu fliehen, doch die RSF machte dies nahezu unmöglich. El Fascher war von einem 57 Kilometer langen Schutzwall umgeben. Kämpfer der RSF patrouillierten auf den Kuppen des Erdwalls, um flüchtende Menschen abzufangen. Was folgte, war ein Massaker.
Betroffene Menschen berichten
Amnesty befragte Überlebende, die in dieser Zeit aus El Fascher geflohen waren. Fast alle von ihnen hatten Hinrichtungen, Vergewaltigungen, Folter oder Geiselnahmen miterlebt.
Eine 58-Jährige des Berti Volks, die auf ihrer Flucht den Schutzwall nördlich von El Fascher erreichte, berichtete, sie habe dort mehr als 1000 Leichen gesehen. «Die erschossenen Menschen wurden in den Schutzwall geworfen. Die RSF sagten, sie würden den Schutzwall mit den Leichen auffüllen», schilderte sie der Nichtregierungsorganisation.
Häufig filmte die RSF Misshandlungen an Gefangenen, um Familienangehörige zur Zahlung zu zwingen. In mehreren Fällen berichten Zeugen von Hinrichtungen von Personen, deren Familien nicht zahlen konnten.
Ehsaan, eine 19-jährige Frau, die nach der Einnahme von El Fascher als Geisel genommen wurde, musste mit ansehen, wie RSF-Kämpfer ihre beiden jüngeren Brüder hinrichteten. «Zuerst fragten sie meine Brüder, was sie beruflich machen. Sie antworteten, dass sie nicht arbeiteten und niemanden hätten, der ihnen Geld gebe», berichtete sie. Daraufhin beschuldigten die RSF sie, Soldaten der sudanesischen Streitkräfte zu sein, und schossen beiden in den Kopf.
Unwirksames Waffenembargo heizte die Lage an
Im Juli 2004 verhängte der UNO-Sicherheitsrat ein Waffenembargo gegen «alle nichtstaatlichen Organisationen und Einzelpersonen», die in Darfur aktiv sind. Im März 2005 wurde das Embargo auf die sudanesische Regierung ausgeweitet. Das Embargo gilt jedoch nur für die Region Darfur und sieht keine Beschränkungen für Waffenverkäufe zum Einsatz in anderen Teilen des Landes vor.
Laut Amnesty hat sich das Embargo als unwirksam erwiesen. Der Konflikt würde weiterhin durch einen weitgehend ungehinderten Waffenfluss von Staaten und Firmen aus aller Welt an die Konfliktparteien angeheizt.
Kürzlich hergestellte Waffen und militärische Ausrüstung aus Russland, China, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Ländern fänden in erheblichen Mengen den Weg in den Sudan, darunter auch nach Darfur.
Amnesty fordert angesichts der schweren Menschenrechtsverletzungen im Sudan nun, dass dort eine internationale Schutztruppe eingesetzt wird.