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Bürgerkrieg im Sudan Amnesty-Bericht zeigt Ausmass der Gräueltaten von El Fascher

Im Oktober 2025 nahmen die Rapid Support Forces die Stadt ein. Flüchtende erzählen von Geiselnahmen, Mord und Folter.

Im Herbst 2025 startete die paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces (RSF) ihre finale Offensive auf El Fascher. Unter heftigem Beschuss wurden Zivilistinnen und Zivilisten vertrieben. Überlebende sahen, wie in einer Angriffswelle nach der anderen ihre Angehörigen verletzt oder getötet wurden. Die Streitkräfte der sudanesischen Armee zogen sich zurück, während die RSF die Kontrolle über die Stadt an sich riss.

Amnesty International hat nun einen neuen Bericht veröffentlicht, der auf 200 Seiten den Bürgerkrieg im Sudan dokumentiert. Die UNO bezeichnet den Krieg als die schwerste gesundheitliche und humanitäre Krise der Welt.

El Fascher war in der Region Darfur der letzte Verteidigungsposten der sudanesischen Armee gegen den Vormarsch der RSF. Das Gebiet ist aufgrund seiner Goldvorkommen und seiner Lage von besonderer strategischer Bedeutung.

Viele Zivilpersonen versuchten, in Richtung Tawila zu fliehen, doch die RSF machte dies nahezu unmöglich. El Fascher war von einem 57 Kilometer langen Schutzwall umgeben. Kämpfer der RSF patrouillierten auf den Kuppen des Erdwalls, um flüchtende Menschen abzufangen. Was folgte, war ein Massaker.

Betroffene Menschen berichten

Amnesty befragte Überlebende, die in dieser Zeit aus El Fascher geflohen waren. Fast alle von ihnen hatten Hinrichtungen, Vergewaltigungen, Folter oder Geiselnahmen miterlebt.

Person mit gemustertem Tuch vor rosa Wand.
Legende: Zahlreiche Geflüchtete berichten Amnesty von Fällen sexueller Gewalt an Frauen und Mädchen durch RSF-Kämpfer. Keystone/BERNAT ARMANGUE

Eine 58-Jährige des Berti Volks, die auf ihrer Flucht den Schutzwall nördlich von El Fascher erreichte, berichtete, sie habe dort mehr als 1000 Leichen gesehen. «Die erschossenen Menschen wurden in den Schutzwall geworfen. Die RSF sagten, sie würden den Schutzwall mit den Leichen auffüllen», schilderte sie der Nicht­regierungs­organisation.

Berichte von Geiselnahmen für Lösegeld

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Alsir, ein 28-jähriger Mann aus dem Stamm der Manasir, wurde auf seiner Flucht aus El Fascher als Geisel genommen. Er berichtete, dass die RSF die Gruppe, mit der er unterwegs war – eine Mischung aus Zivilpersonen und Militärangehörigen – angehalten und sofort fünf Soldaten hingerichtet hätten, bevor sie sich den Zivilisten zuwandten. «Sie töteten eine der Zivilpersonen, doch einer der RSF-Kämpfer sagte: ‹Tötet die Zivilisten nicht, wir können von ihnen profitieren.›»

Alsir wurde in einem ländlichen Gebiet zusammen mit etwa 40 bis 50 weiteren Männern festgehalten. Die meisten von ihnen waren an ausgebrannte Fahrzeuge gekettet. Nach seinen Angaben wurde er geschlagen und gefoltert, bis seine Familie zustimmte, ein Lösegeld von 15 Millionen sudanesischen Pfund (rund 6730 Franken) für seine Freilassung zu bezahlen.

Häufig filmte die RSF Misshandlungen an Gefangenen, um Familienangehörige zur Zahlung zu zwingen. In mehreren Fällen berichten Zeugen von Hinrichtungen von Personen, deren Familien nicht zahlen konnten.

Eroberung von El Fascher war «Leitfaden für Gräueltaten»

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«Was unser Bericht beschreibt, ist ein Leitfaden für Gräueltaten, die sich wiederholen werden», sagte Agnes Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International in Nairobi. Wenn die internationale Gemeinschaft nichts tue, um die RSF zu stoppen, drohe den Menschen in der Region Kordofan im Süden des Sudans das gleiche Schicksal wie den Menschen in Darfur.

Ehsaan, eine 19-jährige Frau, die nach der Einnahme von El Fascher als Geisel genommen wurde, musste mit ansehen, wie RSF-Kämpfer ihre beiden jüngeren Brüder hinrichteten. «Zuerst fragten sie meine Brüder, was sie beruflich machen. Sie antworteten, dass sie nicht arbeiteten und niemanden hätten, der ihnen Geld gebe», berichtete sie. Daraufhin beschuldigten die RSF sie, Soldaten der sudanesischen Streitkräfte zu sein, und schossen beiden in den Kopf.

Unwirksames Waffenembargo heizte die Lage an

Im Juli 2004 verhängte der UNO-Sicherheitsrat ein Waffenembargo gegen «alle nichtstaatlichen Organisationen und Einzelpersonen», die in Darfur aktiv sind. Im März 2005 wurde das Embargo auf die sudanesische Regierung ausgeweitet. Das Embargo gilt jedoch nur für die Region Darfur und sieht keine Beschränkungen für Waffenverkäufe zum Einsatz in anderen Teilen des Landes vor.

Laut Amnesty hat sich das Embargo als unwirksam erwiesen. Der Konflikt würde weiterhin durch einen weitgehend ungehinderten Waffenfluss von Staaten und Firmen aus aller Welt an die Konfliktparteien angeheizt.

Kürzlich hergestellte Waffen und militärische Ausrüstung aus Russland, China, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Ländern fänden in erheblichen Mengen den Weg in den Sudan, darunter auch nach Darfur.

Amnesty fordert angesichts der schweren Menschenrechts­verletzungen im Sudan nun, dass dort eine internationale Schutztruppe eingesetzt wird.

Glückskette sammelt für Sudan

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CR-Code für die Überweisung
Legende: zvg

Seit über einem Jahr herrscht im Sudan ein verheerender Konflikt, der die Region in eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt gestürzt hat. Angesichts dieser alarmierenden Situation ruft die Glückskette dringend zur Solidarität auf, um ihre Hilfe im Sudan und in der Region zu intensivieren.

Spenden für die Sammlung «Humanitäre Krise Sudan» können über den QR-Code oder auf www.glueckskette.ch getätigt werden.

SRF 4 News, 01.07.2026, 7:30 Uhr; noes

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