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Religiöse Schriften Verlorene Briefe des Apostels Paulus nach 1500 Jahren gefunden

Rund vierzig Seiten einer der weltweit ältesten Bibeln wurden wiederentdeckt.

Es handelt sich nicht um eine vollständige Bibel im eigentlichen Sinne – aber um eine sehr alte Sammlung von Texten aus dem Neuen Testament. Konkret handelt es sich um Briefe, die dem Apostel Paulus zugeschrieben werden und die aus dem 6. Jahrhundert nach Christus stammen.

Ursprünglich waren diese Briefe in einem Werk zusammengefasst, das als «Codes von Jerusalem» oder als «Codex Hierosolymitanus» bekannt ist. Doch die Briefe wurden zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert auf dem griechischen Berg Athos voneinander getrennt – danach verlor sich ihre Spur.

Alte Handschrift auf verblassendem Pergament unter blauem Licht.
Legende: Die verlorenen Briefe des Apostels Paulus wurden nach 1500 Jahren wiedergefunden. Universität Glasgow/Damianos Kasotakis

Doch warum wurde das Buch auseinander genommen?

Die Blätter wurden zur Herstellung neuer Werke wiederverwendet, etwa um Bücher zu binden oder Vorsatzblätter herzustellen. Dies war im Mittelalter gängige Praxis, da Pergament dort ein wertvolles und seltenes Gut war.

Diese Fragmente des Kodex wurden also in Bücher eingearbeitet und auf der Welt verstreut. Heute findet man die Bruchstücke in verschiedensten Bibliotheken, etwa in Griechenland, Italien, Russland, der Ukraine oder auch in Frankreich.

Der Bericht von RTS mit deutschen Untertiteln:

Diesen Spuren ist ein Team unter der Leitung von Garrick Allen, Professor für Theologie und biblische Exegese der Universität Glasgow, gefolgt.

Text mit Korrekturen

Dazu wurden moderne Bildbearbeitungstechniken genutzt: Damit konnte die gelöschte Schrift wieder sichtbar gemacht werden. Denn bei der Herstellung des Kodex hat die Tinte etwa Abdrücke auf den gegenüberliegenden Seiten hinterlassen. Mittels Kohlenstoff-14-Datierungen und Vergleichen mit weniger intakt erhaltenen Blättern in einem Kloster auf dem Berg Athos komplettierte sich so das Bild Schritt für Schritt.

Diskutieren Sie mit:

Das Manuskript wurde in griechischer Sprache verfasst und zeigt, dass der biblische Text im 6. Jahrhundert noch nicht festgelegt war. Die Kopisten führten Varianten, Korrekturen und Anmerkungen ein. Zudem war auch die Einteilung in Kapitel und Verse, so wie wir sie heute kennen, noch unterschiedlich.

RTS RTSreligion, 5.5.2026, 6:20 Uhr ; 

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