Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Stimmen aus der Community «dialog»-Community zu Crans-Montana: «Vertrauen ist beschädigt»

Wie vertrauenswürdig ist die Untersuchung der Walliser Behörden zur Brandkatastrophe von Crans-Montana? Die überwiegende Mehrheit der «dialog»-Community ist sehr kritisch.

«In der Tat ist das Vertrauen in das von den Walliser Behörden geführte Verfahren ernsthaft beschädigt», fasst «dialog»-User «Alain Taillens» den überwiegenden Eindruck der Teilnehmenden an der «dialog»-Debatte zusammen. Dies vor allem, weil kein ausserordentlicher Staatsanwalt ernannt wurde. Und das «in einem Kanton, der besonders durch persönliche Verbindungen und enge Netzwerken geprägt ist», weshalb er die Unparteilichkeit der Behörden und die Unabhängigkeit der Untersuchung anzweifelt.

Diskutieren Sie mit:

Gut 68 Prozent der Debattenteilnehmenden sehen das ähnlich. Es gibt dabei keinen nennenswerte Unterschied zwischen Romands und Deutschschweizerinnen. Die Resultate sind nicht repräsentativ.

Angesichts eines derart wichtigen Ereignisses stellt sich die Frage, ob die Kapazitäten der Polizei und der Staatsanwaltschaft ausreichen.
Autor: «Dr. VM» «dialog»-User

Das Misstrauen gilt einerseits dem Wallis an und für sich: «Grundsätzlich vertraue ich der Justiz und der Gewaltenteilung. Allerdings ist im Wallis alles so verfilzt – was letztlich auch die Katastrophe begünstigt hat –, dass man Zweifel haben muss», schreibt User «solidarischer Denker», der zudem «eine lange Walliser Katastrophentradition» ausmacht, «die den Zweifel an vollständiger Aufklärung und Strafverfolgung nährt». Als Beispiel führt er das Unglück in Mattmark von 1965 an, bei dem 88 Arbeiter ums Leben kamen.

Polizeieinsatz mit Auto und Absperrband nachts.
Legende: Bar-Betreiberin Jessica Moretti unter Polizeischutz, nachdem sie am 21. Januar 2026 von der Staatsanwaltschaft befragt wurde. Keystone

Viele aus der Community stellen spezifisch die Behörden und die bisherigen, öffentlich bekannten Schritte in der Untersuchung infrage. «Angesichts eines derart wichtigen Ereignisses stellt sich die Frage, ob die Kapazitäten der Polizei und der Staatsanwaltschaft ausreichen, um grosse Mengen an Daten zu sammeln, Personen zu befragen und sicherzustellen, dass Absprachen und das Verschwinden von Dokumenten vermieden werden», schreibt User «Dr. VM». «Die verspätete Untersuchungshaft des Barbetreibers und seine anschliessende Freilassung gegen Kaution» seien ein «tödlichen Schlag» für die Glaubwürdigkeit der Schweiz, was in der Folge medial und politisch ausgeschlachtet werde, etwa von der italienischen Regierung.

Mehrmals erwähnt werden auch die verschwundenen Überwachungsvideos der Gemeinde Crans-Montana: «Was irritiert, ist die geringe Aufmerksamkeit für die Gefahr der Beweismanipulation», schreibt User «Maurizio Pagano».

Es gibt aber auch Stimmen, die Verständnis zeigen für die Behörden: «In einem Drama dieser Art ist es schwierig, keine Fehler zu machen, besonders in den ersten Stunden», schreibt Userin «Logographe Empathique».

Der kollektiven Emotion oder dem Streben nach unmittelbaren Antworten nachzugeben, würde bedeuten, die Justiz zu schwächen.
Autor: JC Jiss «dialog»-Userin

User «Joe Di Maggio» hat Verständnis für die Kritik, hofft aber auf die öffentliche Aufmerksamkeit: «Das Verfahren wird von Dutzenden von Anwälten unter die Lupe genommen, ich bezweifle, dass Dinge unter den Teppich gekehrt werden können.»

Und schliesslich gibt es Stimmen, die mit der Rechtsstaatlichkeit argumentieren: «Die Walliser Justiz übt ihre Aufgabe in einem strengen Rahmen aus, der durch das Gesetz, die Wahrung der Unschuldsvermutung und die Anforderung der Unparteilichkeit geregelt ist», schreibt Userin «JC Jiss». «Der kollektiven Emotion oder dem Streben nach unmittelbaren Antworten nachzugeben, würde bedeuten, die Justiz zu schwächen.»

Der Tenor in der «dialog»-Community bleibt aber der, den User «Franckie025 Labourey» zum Ausdruck bringt: «Kann man Vertrauen haben, wenn es so viele Verdachtsmomente auf Fehler gibt?»

Schweiz aktuell, 2.2.2026, 19 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel