In den letzten Wochen lagen viele Augen auf der Fussball-Weltmeisterschaft der Herren – und auf deren Organisatorin, der Fifa. Gerade mit ihrem Sitz in der Schweiz geben die oberste Fussballinstanz und ihr Präsident, Gianni Infantino, hierzulande immer wieder zu reden. Sei dies durch den neu geschaffenen «Fifa-Friedenspreis» oder etwa umstrittene Spielentscheidungen, wie etwa die Rücknahme einer roten Karte von US-Stürmer Folarin Balogun, um nur zwei Beispiele der jüngsten Zeit zu nennen.
Die anhaltenden Kontroversen spiegeln sich auch in den (nicht repräsentativen) Meinungen der «dialog»-Community wider. Erdrückende 97 Prozent der Userinnen und User finden: «Nein, die Fifa ist nicht mehr glaubwürdig». Doch warum?
Der Publikumserfolg eines Wettbewerbs kann nicht als moralische Absicherung für die Organisation dienen.
Der User «black mamba» schreibt beispielsweise, Organisationen wie die Fifa und die Uefa würden «ihre Entscheidungen nach wirtschaftlichen Interessen» ausrichten und nicht «nach den Werten, die sie zu vertreten vorgeben, eine Tendenz, die meiner Meinung nach eine leider weitverbreitete Logik in der Gesellschaft widerspiegelt». Er glaube auch nicht, dass sich dies in Zukunft ändern werde.
Gleich sieht dies auch «Sentinelle Civique» aus der «dialog»-Community: «Glaubwürdigkeit lässt sich nicht verordnen; sie wird durch Kohärenz, Transparenz und Vorbildlichkeit aufgebaut. Doch die FIFA bleibt nachhaltig von Korruptionsskandalen, umstrittenen Vergabeentscheidungen und einer Führung geprägt, die oft eher von wirtschaftlichen Interessen als von den Werten geleitet zu sein scheint, die sie für sich beansprucht.»
Auch wenn er noch etwas relativiert: «Gewiss, Reformen wurden eingeleitet und der Fussball vereint weiterhin Milliarden von Begeisterten auf der ganzen Welt. Doch der Publikumserfolg eines Wettbewerbs kann nicht als moralische Absicherung für die Organisation dienen, die ihn ausrichtet. Vertrauen zurückzugewinnen, ist schwieriger, als es zu verlieren. Solange eine Kluft zwischen Worten und Taten besteht, wird es der FIFA schwerfallen, zu überzeugen, dass sie Integrität, Fairness und Verantwortung vollständig verkörpert – Werte, an denen eine Organisation dieser Grössenordnung gemessen werden sollte.»
Gleich sieht das auch User «Michael Salutti». Er schreibt: «Die jüngsten Vorkommnisse in den USA und die Vorwürfe der Einflussnahme haben für mich eine weitere rote Linie überschritten. Allein, dass solche Zweifel überhaupt entstehen, ist ein verheerendes Zeugnis für die Glaubwürdigkeit des Weltfussballs.»
«Gute Fussballspiele. That's it.»
Bedeutend weniger kritisch sieht das «Walter & Erika Brand» aus der «dialog»-Community. Die Fifa sei ein privater Verein. «Was die Fifa intern tut, ist uns egal, es ist nicht unser Geld und auch null Steuergeld, geht uns nichts an. Wir heulen nicht mit den Wölfen der Dauer-Kritiker. Wir wollen gute Fussballspiele sehen. That's it.»
Die Anzahl an Fifa-freundlichen Kommentaren ist jedoch an einer Hand abzuzählen. Es bleibt überwiegend Kritik an der Weltfussballorganisation, wie etwa von User «emhat Thaad»: «Es ist ein Skandal, zu sehen, dass die Fifa den Friedenspreis erfunden und ihn an eine Einzelperson verliehen hat, ohne eine Kommission einzuschalten. Oh ja, der Preis wurde vom Erfinder selbst verliehen. Der Sport wird offiziell politisch!»