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Strategien gegen Kälte Wo gehen Insekten im Winter hin?

Sie wirken wie verschwunden, doch sie sind höchst aktiv: Insekten verfolgen im Winter ausgefeilte Überlebensstrategien – oft unsichtbar für uns.

Insekten sind ektotherme Lebewesen. Das heisst, ihre Körpertemperatur hängt vollständig von der Umgebung ab. Insekten können sie – im Gegensatz zu Säugetieren – nicht stabil halten. Sinkt die Temperatur, verlangsamt sich ihr Stoffwechsel. Deshalb verschwinden viele Arten im Winter.

Das machen Insekten im Winter (mit dt. Untertiteln)

Die Winterruhe der Insekten

Viele Insekten überstehen den Winter in einer Diapause. In dieser Ruhephase stoppen sie ihre Entwicklung und suchen geschützte Orte wie Erdspalten, Ritzen oder Gebäude auf. Daher tauchen im Winter häufig Wanzen oder Marienkäfer in Wohnungen auf – gerne in Rollladenkästen.

Drei frostbedeckte Marienkäfer auf einem Zweig.
Legende: Insekten haben ausgeklügelte Methoden, den Winter zu überstehen. Getty Images/Mark Johnson

Je nach Art beginnt die Diapause im Ei-, Larven- oder Erwachsenenstadium. Um Frost zu überstehen, bilden viele Insekten Moleküle wie Glycerin oder spezielle Proteine. Sie senken den Gefrierpunkt der Körperflüssigkeiten und wirken ähnlich wie Frostschutzmittel im Auto.

Ameisen in der Winterruhe

Waldameisen ziehen sich im Winter in die tiefsten und wärmsten Bereiche ihres Nestes zurück. Dort bilden sie einen dichten Verband um die Königin. Ein kleiner Teil des Volkes bleibt in den oberen Schichten. Mit den ersten warmen Tagen reagieren diese Tiere als erste und «aktivieren» den Rest des Nestes.

Grosser Ameisenhügel im Wald.
Legende: Typischer Ameisenhügel von Waldameisen. IMAGO/Pond5Images

Honigbienen – Aktiv trotz Kälte

Honigbienen bereiten sich ab August auf den Winter vor, sobald Pollen und Nektar knapp werden. Die Arbeiterinnen entfernen dann die Drohnen, die männlichen Bienen, aus dem Stock, da deren einzige Aufgabe – die Begattung der Königin – im Winter entfällt.

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Fallen die Temperaturen unter 10 °C, stellen die Arbeiterinnen das Sammeln ein. Sie konzentrieren sich auf die Temperaturregelung des Stocks und formen dabei eine dichte Wintertraube. In dieser Wintertraube sitzen die Bienen eng beieinander, erzeugen durch Muskelbewegungen Wärme und schützen die Königin im Zentrum.

Bienenschwarm auf einem Baumast.
Legende: Während der Wintermonate bilden Bienen im Stock eine dichte Wintertraube. Getty Images/Gabe Ginsberg

Während dieser Zeit ernähren sie sich vom eingelagerten Honig. Reicht er nicht aus, füttern Imker die Völker mit festem Zucker.

Mücken – immer häufiger im Spätherbst

Durch steigende Temperaturen bleiben Mücken länger aktiv. Die heimische Stechmücke legt mit Beginn der Kälte eine Diapause ein und sucht geschützte Verstecke. Die eingeschleppte Tigermücke übersteht den Winter nicht als erwachsenes Tier. Ihre Weibchen legen jedoch robuste Eier ab, die Frost tolerieren. Sobald es wärmer wird, schlüpfen massenhaft Jungtiere.

Der Distelfalter – ein Schmetterling auf Wanderschaft

Einige Schmetterlingsarten reagieren auf den Winter mit weiten Wanderungen von mehreren Zehntausend Kilometern. Der Distelfalter, in der Schweiz weit verbreitet, lässt sich im Herbst von Winden Richtung Mittelmeer und Nordafrika tragen. Dort findet er über den Winter geeignete Lebensräume und Nahrung.

Schmetterling auf lila Blume.
Legende: Ein Distelfalter (vanessa cardui). Keystone/Georgios Kafalas

RSI La consulenza, 23.01.2025, 13:00 Uhr; noes

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