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Studie Handel mit Wildtieren erhöht Übertragung von Krankheitserregern

  • Wildlebende Säugetiere, mit denen Handel betrieben wird, übertragen 1.5-mal häufiger Krankheitserreger auf den Menschen als nicht gehandelte Arten.
  • Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Lausanne.
  • Sie wurde am Donnerstag in der Fachzeitschrift «Science» veröffentlicht.

Die Untersuchung konzentrierte sich auf Säugetiere. Rund ein Viertel aller Säugetierarten ist heute Teil globaler Handelsketten. Sie werden als Haustiere verkauft, als Jagdtrophäen genutzt, in der traditionellen Medizin oder in der Forschung eingesetzt oder wegen ihres Fleisches oder Fells getötet.

«Dieser Handel erhöht das Risiko, weil er die Möglichkeiten zur Übertragung von Krankheitserregern zwischen Wildtieren und Menschen vervielfacht», sagt der Autor der Studie, Jérôme Gippet.

Das sagen die Studien-Autoren zum Ergebnis (mit dt. Untertiteln):

Je stärker eine Art gehandelt werde, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Erreger auf den Menschen übertrage.

50  Prozent höheres Risiko

Das Forschungsteam um Professorin Cleo Bertelsmeier vom Departement für Ökologie und Evolution der Universität Lausanne hat gemeinsam mit US‑amerikanischen Fachleuten Daten der vergangenen vierzig Jahre ausgewertet zu legalen und illegalen Importen und Exporten von Wildtieren.

Die Analysen zeigen: Gehandelte Säugetierarten haben eine um 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, mindestens ein Virus, ein Bakterium, einen Pilz oder einen Parasiten mit dem Menschen zu teilen. Dieses Risiko steigt weiter, wenn die Arten auch vom illegalen Handel betroffen sind.

Pangolin auf grünem Käfig im Dschungel.
Legende: Die Studie befasst sich mit Wildsäugetieren – also Arten, die nicht domestiziert sind und vom Menschen nicht gezielt gezüchtet oder selektiert wurden. Resha Juhari/NurPhoto via Getty Images

«In unserer Studie betrachten wir nicht die Anzahl der Individuen auf dem Markt, sondern die Anzahl der Jahre, die eine Art in den vergangenen vier Jahrzehnten auf dem globalen Markt präsent war», präzisiert Gippet. Dabei könne es sich um Tiere aus der freien Wildbahn oder aus einer Zucht handeln.

Die Zahl der Kontakte ist entscheidend

Die Studie habe festgestellt, dass wild lebende Säugetiere im Durchschnitt pro Jahrzehnt Marktpräsenz einen zusätzlichen Krankheitserreger teilen. «Das zeigt, wie entscheidend die Anzahl der Kontakte ist», betont der Forscher. Dieses Phänomen könne erhebliche Folgen für die öffentliche Gesundheit haben.

Der Austausch von Krankheitserregern zwischen Wildtieren und Menschen könne zu Epidemien und sogar zu Pandemien führen, ruft die Universität Lausanne in einer Mitteilung in Erinnerung. So kam es 2003 in den USA zu einem Ausbruch der Affenpocken. Das Virus wurde durch Präriehunde verbreitet, die als Haustiere verkauft worden waren.

Internationale Regeln fehlen

Um das Risiko der weltweiten Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu senken, müsste die Zahl der Kontakte – und damit das Gesamtvolumen des Handels – reduziert werden. Die einzige internationale Regelung zum Handel mit Wildtieren, das CITES‑Übereinkommen, berücksichtigt dieses Risiko derzeit allerdings nicht.

CITES habe ausschliesslich das Ziel, Arten zu schützen, die durch den Handel vom Aussterben bedroht sind oder es werden könnten, erklärt Jérôme Gippet.

Aus Sicht des Forschers bräuchte es vergleichbare Regulierungsmechanismen auch für andere Risiken – insbesondere für biologische Invasionen und für Krankheitserreger.

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RTS, La Matinale, 10.04.2026, 06:20 Uhr; noes ; 

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