Kurz nach dem Einzug in ihre neue Wohnung in Ardon entdeckte Nadia Schimmel an den Wänden ihres Schlafzimmers. Eine potentiell gesundheitsgefährdende Situation. «Ich war letzten Winter sehr krank. Mein Arzt hat mir verboten, in diesem Zimmer zu schlafen, solange das nicht in Ordnung gebracht ist. Darum schlafe ich seit sieben Monaten auf meinem Sofa», erzählt die wütende Walliserin gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Reportage vor Ort (mit dt. Untertiteln)
Catia und ihr Partner sind letztes Jahr nach Chamoson gezogen. Eine Wohnbewilligung für ihr neues Haus haben sie jedoch nicht erhalten. Die eingereichte Baubewilligung war nicht konform. Zudem wurden weder Terrasse noch Pool fertiggestellt. «Hier wurde alles einfach aufgegeben, weil die Gefälle nicht korrekt sind. Die Handwerker kommen nicht mehr, weil sie nicht bezahlt werden», sagt sie.
Was haben Nadia und Catia gemeinsam? Sie haben derselben Bau- und Immobilienfirma mit Sitz in Sion vertraut. Und sie sind nicht die einzigen.
Strafanzeigen wegen Betrugs und Untreue
RTS hat mit einem Dutzend Kundinnen und Kunden dieses Unternehmens gesprochen. Alle erzählen Ähnliches. Zunächst die Begeisterung für ein «schlüsselfertiges» Immobilienprojekt. Dann die Verzögerungen und schliesslich die entdeckten Mängel. Zurück bleiben teils unbewohnbare Wohnungen sowie enttäuschte Besitzerinnen und Besitzer.
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Mehrere dieser Kundinnen und Kunden haben sich daher zusammengeschlossen, um vor Gericht zu ziehen. Am 20. August 2025 haben sechs von ihnen bei der Walliser Staatsanwaltschaft Strafanzeigen gegen das Unternehmen und seine Verantwortlichen eingereicht. Die Anschuldigungen lauten auf Betrug und Untreue.
Firmenchef bestreitet die Vorwürfe
RTS hat drei Verantwortliche des Unternehmens kontaktiert. Nur der Firmenchef war bereit zu antworten. Er schreibt: «Ich bestreite diese Vorwürfe (von wiederholten Mängeln, Anm. d. Red.) entschieden. Die Bauarbeiten [...] wurden unter Einhaltung der Normen und Verträge durchgeführt. Wie bei jedem Immobilienprojekt können gewisse Mängel auftreten [...]. Es ist richtig, dass gewisse Arbeiten nicht fertiggestellt werden konnten, was die Erteilung der Wohnbewilligungen verzögert hat. Diese Situation resultiert insbesondere daraus, dass mehrere Kunden ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen sind, was zu Liquiditätsschwierigkeiten, dann zu Betreibungen und schliesslich zum Konkurs geführt hat.»
Neue Firmen trotz Konkurs gegründet
Das verschuldete Unternehmen meldete Mitte August Konkurs an. Gemäss dem Betreibungsregisterauszug, der RTS vorliegt, gibt es offene Forderungen von 1.6 Millionen Franken an die Firma. Wo das Geld der Investorinnen und Kunden geblieben ist, wird die Justiz nun klären müssen.
Fast zeitgleich mit dem Konkurs gründete der Firmenchef Ende Juli zwei neue Unternehmen, um seine Tätigkeiten im Immobilienbereich ohne seine ehemaligen Partner fortzusetzen.
Strengere Gesetze gefordert
Der Walliser Staatsrat Mathias Reynard setzt sich für strengere Gesetze ein, um solche Firmenneugründungen zu verhindern. Er sagt: «Heute sind wir dagegen nicht gerüstet. Das ist die Unternehmensfreiheit, die Wirtschaftsfreiheit. Jeder macht, was er will, und kann gleich danach wieder von vorne anfangen.»