Schon zu Zeiten der Römer vor 2000 Jahren badete man in den Aquae Helveticae. Auch heute sprudelt das mineralienhaltige Thermalwasser mit wohltuenden 42 Grad aus zahlreichen Quellen – wenn auch mit moderneren Anlagen als bei den Römern.
Im aargauischen Baden zum Beispiel eröffnete vor wenigen Jahren am Ufer der Limmat das luxuriöse «Fourtyseven» mit breitem Angebot: Dort gibt es nicht nur Thermalbäder, sondern auch eine weite Saunenlandschaft oder ein Solebad.
Auch in der Westschweiz hat die römische Badekultur ihre Spuren hinterlassen. In Yverdon-les-Bains werden die namensgebenden Bäder aus den 1990er-Jahren gerade für 40 Millionen Franken renoviert. Man wolle den Kundinnen und Kunden nicht nur Thermalwasser, sondern auch ein Erlebnis bieten. Die grosse Wiedereröffnung ist für Ende 2027 geplant.
Der Direktor des Thermalzentrums Yverdon-les-Bains, Matthias Philipps, erklärt: «Der klassische Kurgast, der früher nur aus therapeutischen Gründen kam, ist Geschichte. Heute haben die Leute andere Wünsche. Man sucht den Warm-Kalt-Wechsel, möchte schnell etwas essen – es muss für jeden Geschmack etwas dabei sein.»
Weniger Schnee – mehr Thermen
Schweizweit werden heute hunderte Millionen Franken in den Wellness-Sektor investiert. «Seit 2020 verzeichnet der Wellness-Sektor ein spürbares Wachstum von etwa 15 bis 20 Prozent pro Jahr», erklärt Nicolas Délétroz, Professor am Tourismusinstitut der Fachhochschule Westschweiz im Wallis.
Gerade in den Bergregionen sind Thermalbäder eine valable Zukunftsalternative, wenn Schnee und Skispass nicht mehr garantiert sind.
Jüngstes Beispiel: die Grands Bains d’Hérémence im Walliser Val d’Hérens, integriert in einen Hotelkomplex von 110 Millionen Franken am Rand des Skigebiets Quatre-Vallées. Warme Innen- und Aussenbäder, Saunas, Hammam, Massagen und ein Blick auf die Dent Blanche und das Matterhorn als Bonus. Nach einem Jahr ist die Bilanz gemäss Direktor Gzim Seferi zufriedenstellend: 1000 bis 1200 Kunden pro Tag im Winter, 300 im Sommer.
Mittlerweile gibt es fast zwanzig Thermalbäder in der Schweiz. Das wiederum bedeutet, dass die Berge weiter zugebaut werden und das Thermalwasser teilweise über Kilometer transportiert werden muss.
Das stösst auch auf Widerstand, wie Nicolas Délétroz erklärt: «Man darf nicht vergessen, dass Wasser eine begrenzte Ressource ist. Es kann in Zukunft auch zu möglichen Konflikten zwischen Tourismus und den lokalen Bedürfnissen kommen. Meiner Meinung nach wird diese Spannung die Verbreitung neuer Projekte zwangsläufig einschränken.»