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Wetterextreme in Andalusien Regenfälle ohne Ende zerstören Ernte im Gemüsegarten Europas

Ein Sturm nach dem anderen ist über Andalusien gezogen. Das Ausmass der dadurch entstandenen Schäden wird erst jetzt richtig sichtbar. Vor allem die Landwirtschaft wurde stark getroffen, ein Schlüsselsektor der Wirtschaft in der Region im Süden Spaniens.

Grazalema gehörte zu den andalusischen Gemeinden, die am stärksten von den Unwettern betroffen waren. Wegen der Rekordregenfälle sog sich der Felsen, auf dem die Ortschaft liegt, wie ein Schwamm mit Wasser voll. Erschütterungen waren spürbar. Zum ersten Mal in seiner Geschichte musste der Ort evakuiert werden, für ganze elf Tage.

Die Reportage von RTS über die Unwetter in Andalusien:

«Wir dachten, dass alles einstürzen wird», berichtet eine Einwohnerin gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). Die Spanierin lebt seit dreissig Jahren in Grazalema und hatte so etwas noch nie gesehen. «Es regnete einen Monat lang ohne Unterbruch. Es war beeindruckend.»

Inzwischen scheint die Gefahr in Grazalema gebannt. Aber Experten kommen jeden Tag, um die Erdrutschrisiken zu bewerten. «Die Hohlräume mit dem Grundwasser haben sich zu schnell gefüllt», erläutert der Hydrogeologe Crisanto Martín. «Sie waren nicht in der Lage, eine solche Wassermenge aufzunehmen.»

Andalusien erlebte seit Jahresbeginn elf Stürme. Dieses aussergewöhnliche Wetter könnte in den kommenden Jahrzehnten wegen des Klimawandels zur Norm werden.

«Unseren Projektionen zufolge erwarten wir intensivere Dürren», erklärt Rubén del Campo von der spanischen Wetterbehörde (Aemet). «Da es wärmer wird, wird die Verdunstung der Ozeane zunehmen. Auf diese Dürren werden also sehr heftige Regenperioden folgen.»

Hälfte der Oliven am Boden

Das Ausmass der materiellen Schäden wird erst allmählich richtig sichtbar. Nach Angaben der andalusischen Regionalregierung wird allein die Reparatur der Strassen über 500 Millionen Euro kosten.

Besonders hart wurde die Landwirtschaft getroffen. Die Region ist die weltweit grösste Produzentin von Olivenöl. Da die Felder wegen des Regens und der Überschwemmungen lange Zeit unzugänglich blieben, endete ein grosser Teil der Ernte im Schlamm.

Enorme Wassermassen fliessen einen Abhang in der andalusischen Ortschaft Grazalema hinunter.
Legende: So sah es in der andalusischen Ortschaft Grazalema während der starken Regenfälle Anfang Februar aus. Das Dorf musste für elf Tage evakuiert werden. Joaquín Corchero/Keystone/Europa Press/AP

«Normalerweise ernten wir die Oliven vom Baum. Sie hätten nicht fallen sollen», klagt der Landwirt Francisco Elvira. «Die Hälfte der Ernte müssen wir wegwerfen.» Gemäss Schätzungen hat der Gemüsegarten Europas einen Fünftel seiner Produktion verloren.

Angesichts dieser «beispiellosen» Situation hat die Regionalregierung bereits angekündigt, dass sie beim spanischen Staat und bei der EU Hilfe beantragen werde.

RTS, 19h30, 19.02.2026, 19:30 Uhr

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